Ernährungswissenschaftlerin
(Diplom-Oekotrophologin)

 Von 1989 bis 1994 studierte ich an der TU München-Weihenstephan das Fach mit dem unaussprechlichen Namen Ökotrophologie.

Weil es mein zweiter Studiengang werden sollte, bewarb ich mich für mehrere Plätze. Gartenbau und Landespflege jeweils an der FH und der TU und eben für Ökotrophologie an der TU. Alles rund um den Haushalt interessierte mich: vom Essen über Waschmittel und der Abfallproblematik, der Haustechnik und der Haushalttechnik bis zu den Aussenbeziehungen z.B. zu Banken. Erst als ich schon mitten im Studium war, merkte ich, dass alle diese Bereiche zur Haushaltswissenschaft gehören und ich genau das richtige Studium gewählt hatte.

Für Zweitstudienbewerber gibt es nur 3% aller Studienplätze und so zitterte ich den Absagen entgegen. Im Juli 1989 erhielt ich eine Zusage für Gartenbau an der FH. Dafür hatte man ein 6-wöchiges Praktikum in einem Gartenbaubetrieb nachzuweisen. Am gleichen Tag hatte ich einen Platz organisiert und malte mir meine Zukunft aus. Zwei Tage später traf die Zusage für Landespflege FH ein. 6 Wochen Baumschulpraktikum sollten es dafür sein. Ich fuhr wieder los und bekam einen Platz. Landschaftsplanerin!

Anfang August lag im Briefkasten die Zusage der TU für Landespflege. Baumschulpraktikum wieder absagen – an der TU werden die Praktika während der Semesterferien gemacht. Nun konnte ich doch noch in Urlaub fahren. Aus Frankreich zurück gekommen, war meine Verwirrung perfekt: Ich hatte mich gedanklich auf Landespflege eingestellt und die Ökotrophologie schweren Herzens gestrichen, Sie ahnen es? Genau! Ich durfte meine Haushaltswissenschaften studieren.

Das Studium

Als Anfänger betritt man die Hörsäle ohne den leisesten Schimmer, was einen erwartet. Fächer wie Botanik, Mathematik, Chemie und Anatomie erklären den zu erlernenden Stoff von selbst. Aber was bekam man in Haushalttechnik beigebracht? Das Funktionieren einer Kaffeemaschine? Heute erscheint mir mein Schulterzucken von damals komisch, aber woher sollte ich wissen, dass sich mir endlich die grundsätzlichen physikalischen Zusammenhänge im allgemeinen und in bezug auf Waschmaschinen, Kühlgeräte oder Eierkocher im speziellen erschließen würden? Und dass ich es genießen würde, das alles in mich aufzusaugen.

Das Vordiplom wird gleich nach den ersten beiden Semestern abgelegt. In den ersten Semesterferien lernte ich 8 Stunden täglich Chemie mit Übungsaufgaben und Lerndisketten, die der Chemiedozent zur Verfügung stellte.

Am Computer würde ich nicht vorbeikommen, wurde mit vor dem Studium von einem Beratungsprofessor mitgeteilt. Oje! Ich hatte immer gesagt, dass so ein Ding überflüssig sei und mir nicht ins Haus kommt. Mit einem Freund ging ich also einen PC kaufen. Ich hatte ja keine Ahnung, was der Unterschied zwischen einem Commodore und einem 286er war. Wir packten alles aus und fanden ein paar Disketten mit dem Betriebssystem und einem winzigen Schreibprogramm. Beim Anschalten des Rechners erschien ein schwarzer Bildschirm mit einem gelben "C:\". Das war alles. Gott sei Dank, kannte der Freund sich gut aus und bald war alles installiert. Für mich war das alles Zauberei. Das hat sich später gegeben ;)

Zurück zu diesen Lerndisketten. Der Chemiedozent hatte Fragen aufgeschrieben und mehrere Möglichkeiten der Beantwortung vorgegeben. Für jede dieser Möglichkeiten musste man einen bestimmten Buchstaben oder eine Zahl eintippen. Bei richtiger Antwort verzweigte sich das Programm auf die nächste Frage, bei falschen Lösungen landete ich bei einer Erklärung oder einer vorgeschalteten Übung. Das alles spielte sich nicht mit Bildchen, Schaltflächen mit "OK" und "Abbrechen" oder in schöner Schrift ab, sondern die Formeln und Skizzen von Bindungen eines Moleküls hatte der geduldige Mensch mit höchst komplizierten Anweisungen in der Programmiersprache basic über den Bildschirm verteilen müssen. Ich glaube, 12 von diesen Disketten gab es. Es waren 5 ¼ Zoll-Disketten, die großen "Floppys" eben, die ihren Namen noch verdient haben, weil sie so floppy (biegsam) sind.

Zoologie bescherte uns Studenten – eigentlich Studentinnen, weil mindestens 90% weiblich sind – keine Kühe, Pferde oder Elefanten, sondern ausschließlich Würmer aller Arten, Zecken, Spinnen, Egel, Trichinen und was sonst noch alles Krankheiten auslösen kann oder nur eklig ist. Der Professor erzählte mit Emphase, wie die koreanischen Krankenschwestern vom Urlaub zu Hause Fadenwürmer mitbrachten, die sie sich durch den getrockneten Fisch einhandelten. Die Schwestern wurden dann behandelt und nach dem nächsten Urlaub hatten sie wieder ihre Würmer im Handgepäck dabei. So wußte er für jeden Parasiten eine passende Geschichte. Waren die verschiedenen Viecher dann dran in der zoologisch-universitären Betrachtung, wurden sie in die Schauvitrinen vor dem Hörsaal drapiert.

Botanik war nicht so spektakulär. Die distychöse Blattstellung (das ist, wenn nach rechts und links an der gleichen Stelle ein Blatt wächst) oder eine monokotyledone Pfllanze (einkeimblättrig z.B. Mais oder Liliengewächse) sind unheimlich interessante Unterscheidungsmerkmale in der Welt der Flora. Gymnospermen sind Nacktsamer. Koniferen beispielsweise, die in ihren Zapfen die Samen ziemlich nackt bunkern, gehören zu dieser Kategorie. Diese Dinge sind mir im Gedächtnis geblieben und wenn sie auch nicht zu Geld zu machen sind oder wahnsinnig wichtig sind – ich find´s toll, soviel über die Natur zu wissen.

Zu kämpfen hatte ich mit Mathematik und Statistik. Nach so einer Vorlesung rauchte mir regelmäßig der Kopf. Der Dozent schrieb die Formeln erklärend an die Tafel – alles klar? Wir bekamen Tutorenstunden. Die Tutoren waren begabte Studenten aus späteren Semestern, die als Hiwi am Lehrstuhl arbeiteten und uns mit Übungen und Lösungen und wieder und wieder die Zahlen nahebrachten. Ich war froh um diese Tutoren. Zuhause hätte es viermal so viel Zeit gekostet. Statistik empfand ich als nicht so abstrakt. Ich sah einen praktischen Nutzen dahinter und konnte mir die Geschichte mit dem Kugeln ziehen und Würfel würfeln besser vorstellen. Die Formel, die am Ende übrigblieb, um Stichproben aus einer Grundgesamtheit auswerten zu können, war das wenigste. Man konnte sie in der Klausur ja nachlesen, wenn sie nicht sowieso vom vielen Anwenden hängengeblieben war. Man musste halt wissen, wann welche Formel gefragt war.Pfeilrot

Welche Fächer gabs noch? Interessant war alles. Wirklich. Jedenfalls für mich.

 

 

Der kompliziert klingende Name “Ökotrophologie” kommt aus dem Griechischen.

“Oikos” = das Haus, “trophes” = die Nahrung und “logos” = das Wort.

Von hinten her gelesen ergibt sich also die Lehre oder Wissenschaft vom Haushalt und der Nahrung.

Ökotrophologie = Haushalts- und Ernährungswissenschaft