Von Athen nach Korfu
Nutella-Connection on tour
Angenehme Temperaturen im griechischen Frühling

Nafpaktos_klein

Montag, 05.06.2017
Manuela und Andreas konnten die vorige Nacht schon auf unserem Schifflein schlafen und schauten sich tagsüber Athen an. Gerade als Christel und ich um vier Uhr bei der braven Bavaria 50 eintrudelten, kehrten die beiden zurück und wir vesperten erst einmal. Ingo, unser fünfter Mann kam aus Berlin eingeflogen und als Takis, einer der Schiffseigner das auseinander geflogene Schottschloss ersetzt und vom Nachbarboot die fehlenden Seekarten geholt hatte (bis auf die letzte von Korfu), war es sieben. Trotzdem, wir wollten los. Zumal ein nettes Lüftchen mit 6 Beaufort blies. Ein paar Meilen wollten wir heute noch machen Richtung dem Isthmos, wo der Kanal von Korinth beginnt.
Wir segelten in die Abendsonne hinein und als dieselbe verschwunden war, standen wir vor Salamis und entschieden uns für die Ormos Peranis
. Stockdunkel war‘s, als der Anker vor dem stark beleuchteten Ort namenlos fiel. Nein, stockdunkel war‘s nicht, aber dunkel halt. 13 Meilen hatten wir gemacht und um 10 Uhr gab es dann Spaghetti mit irgendwas drauf, gekocht hatte ich unterwegs im Anflug auf die Bucht. „Jetzt war’s aber höchste Zeit!“ meinte Christel, „Sonst hätte es mich umgehauen.“ Es schwellte noch ein bisschen, aber abnehmend.

Dienstag, 06.06.2017

Als der erste Fischer morgens vorbeifuhr, schaukelte unsere ALMOST FREE dazu und freute sich auf den Tag. Mit dem ersten Kaffee in der Hand holten wir den Anker auf und segelten langsamst aus der Bucht. Aegina? Wir hatten ja den ganzen Tag Zeit, weil der Kanal dienstags für Wartungsarbeiten geschlossen ist und wir erst abends dort vor dem Eingang ankern wollten. Hatte da jemand etwas von Pistazien erzählt, die es in Aegina geben sollte? 1 - 2 - 4 Knoten Fahrt. Wir genossen eineinhalb Stunden Morgensegeln, aber dann setzten wir doch den Eisenbesan, wie Ingo den Motor nannte. „Was für ein unsportliches Geräusch!“ entfuhr es ihm, als er den Niedergang hoch kam. Es half aber nichts, der Wind war weg und Aegina hatte sich zu einem Muss herausgestellt. Zur Entschädigung reichte Manuela Nutellabrote ins Cockpit, phantasievoll verziert mit Sonnen und Smileys.

Wir trafen mittags in Aegina ein, Christel legte uns ganz sauber an einen der freien Plätze und dann tranken wir ein schönes Anlegerbier. Die Gemüsefrau meines Vertrauens streckte freudig beide Arme nach mir aus und küsste mich auf die Wange. Warum eigentlich?

Wir vertrösteten sie auf später und kauften zuerst Kartoffeln, Oliven und Fischis. Ein Pfund Sardinen und fünf schlanke Weißnichtnamenfische wanderten in den kühlen Schrank und dann nahmen wir von der Hafengemüsetante noch ein paar Zucchini und Tomaten mit.

Man sollte den Zuhausegebliebenen nicht erzählen, dann man nach Aegina kommt. Warum? Weil dann die Pistazienbestellungen eintreffen. „Wieviel Platz habt ihr denn noch im Koffer?“ kam per WhatsApp. Wir kauften drei Kilo: geröstet und gesalzen und nur geröstet und geröstet mit Zitrone, trämpelten noch ein bisschen herum und legten um halb zwei ab.

Am Eingang des Kanals von Korinth wollten wir anlegen für die Nacht, wegen Wartungsarbeiten, gell, lieber Leser. Der Südwind schob uns mit 3 bis 5 Knoten, wir machten derweil Urlaub, lasen, redeten dummes Zeug und bereiteten schon einmal den Salat für das Abendessen vor. Ingo funkte die port authority an. Der Herr Beamte antwortete nicht auf die Frage, ob wir heute noch passieren könnten, sondern raunzte nur, wir sollten uns eine halbe Meile vor Ankunft nochmal melden. Pustekuchen, anlegen mussten wir ja sowieso.

Hei, aus dem Kanal kam ein Segler heraus. War die Durchfahrt schon freigegeben? Andreas versuchte den Anleger, ich half ihm nur ein ganz klein wenig mit dem Gashebel und schubste das Ruder im richtigen Moment herum.

Gefühlte siebzehn Hunde aller Größen beschnupperten uns, während ein Mensch am Kai auf einer zweiten Spring bestand. „Yesterday there was a damage because of that!“. Legten wir halt noch die überflüssige Spring, damit er zufrieden war. Dann stellte er sich als Betreiber des Tankwagens heraus. Ingo und ich enterten das oval office. 210 Euro verlangte der Herrscher des Kanals, puh! Für drei Seemeilen. Aber die Alternative bedeutet, um den Peloponnes außen herum zu fahren und das sind 320 Meilen mehr. Also.

Er deutete nach draußen und kommandierte, dass wir uns gleich an das Frachtschiff hängen sollten, das gerade von einem Schlepper heran gezogen kam. Zack, abgelegt und hinterher. Schnell noch das Brückendurchfahrtskleid anziehen. Extra für die Kanalpassage hatten Christel und ich es ja mitgebracht.

Manuela führte unser braves Mädchen in gutem Abstand (es stank ziemlich nach Abgas) hinter dem blauen Frachter her. Wir bewunderten die Steilwände, die Muster in derselben und vor allem die Bäume, die aus dem Stein wuchsen. Sogar ein Oleander hatte es geschafft, hier von nichts zu leben. Eine Stunde tuckelten wir so gemütlich im Abendlicht oder besser Abendschatten dahin, die 70 Meter hohen Wände hielten die Strahlen ab, aber dann erreichten wir den Ausgang des Kanals und die Sonnenstrahlen uns.

Es war schon acht Uhr, die letzten Meter bis Korinth segelten wir wieder schön schnell und legten dann an der Mole vom Handelshafen längsseits an. Die Marina war so mit Muringleinen an den Schwimmstegen verspannt, dass wir nach kurzem Besuch vom Festmachen Abstand nahmen. Die Kartoffeln waren mittlerweile gekocht und nun mussten nur noch die Fischis bruzzeln.

Hafenkino: ein Vater machte einen Abendausflug mit seiner etwa dreijährigen Tochter. Während er in sein Händi starrte, lenkte das Mädchen gelangweilt ein rosafarbenes Plastikauto über den Kai. Elektrisch.

Aber ein paar Meter weiter bot sich ein netteres Bild: eine Chinesin praktizierte Tai Chi, bewegte sich fließend und anmutig, leicht und kraftvoll zugleich. Es war wirklich schön, ihr zuzuschauen. Christel und ich liefen zu ihr und palaverten mit ihr, der Shao lin, so hieß sie. Zwei Bayerinnen und eine Chinesin unterhielten sich auf Englisch in Griechenland.

 

Mittwoch, 07.06.2017

Korinth - Galaxidi

Regen, Sonne 25° 29.3sm/6:30h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Galaxidi Hafen - ja ja -

Bemerkung  so a scheena Dog

 

Die Nacht war megaruhig gewesen. Keine Diskothek, keine vorbeiknatternden Kerle und kein Schwell, der im Hafenhandbuch angekündigt worden war.

Andreas, Christel und ich trämpelten durch die Gassen, von denen die Hälfte Fußgängerzone war und fanden einen Metzger. Zwei schöne Stücke Lammrippen orderten wir. Der dicke Fleischer hackte sie kurz und klein und plötzlich lag da ein Berg Knochen mit Fleisch. „Das reicht für zwei Essen!“ meinte Christel und zahlte 16,80 für zwei Kilo Lamm. Der Pegasus steht auf dem Hafenplatz und stürmt gen Himmel.

„Do habts mir jetz koan Gfoin do!“ moserte Manuela, als wir mit dem schweren Beutel Leichenteile am Schiff ankamen. „I mog doch koa Lamm.“

Dieser Segeltag hatte alles dabei: Westwind 2 bis 5, Ost 2 bis 5, langsame 2 Knoten, dann, keine 10 Minuten darauf 9 und richtig schöne Lage. Die 310 Grad Kurs auf unser Ziel Galaxidi konnten wir gut halten, zwischendurch regnete es, dann blinzelte die Sonne durch die Wolken.

Manuela übertraf sich in der Dekoration von Broten. Mein, am Sonntag noch gebackenes Sauerteigbrot hielt sich gut und glänzte dann mit einem Aufstrich aus Taramasalata, dünnen Wurstscheibchen, Gurkenscheiben und einer Olive in der Mitte. „Jetzt fehlt noch was Rotes.“ stellte ich fest und garnierte das Kunstwerk mit Tomatenstückchen.

Kaum waren wir mit den Broten oben im Cockpit, flog unser braves Mädchen wieder im Sauseschritt dahin und uns fast die Wurstscheibchen, ultradünn, vom Brot. „Bleibst da!“ drohte ich meinem Brotbelag. Das Sausen dauerte 10 Minuten, dann war der Wind fast weg.

„Telefonier mal mit Petrus, er soll mit der nächsten Ladung Wind noch a bissl warten, ich muss mal aufs Klo.“ Christel wollte ein aufrechtes Schiff fürs Geschäft.

Irgendwie kam die Rede auf Kleidergrößen: „Da bringt mir doch letztens eine Verkäuferin eine Hose in 38. Und ich frag sie, ob man mir nicht ansieht, dass ich mir das Essen leisten kann!“ Manuela war entrüstet.

Bei drei Knoten Fahrt spielten Christel und ich Karten, bei neun Knoten stand uns das Grinsen im Gesicht und bei sieben legte ich mich für ein Stündchen ins Bett und las meine griechische Geschichte von Joachim Fernau, passend zum Revier. Um halb drei gab es gebackenen Saganaki mit Salat (grüner mit den Restkartoffeln von gestern). Die Käsescheiben machten so satt, dass ich nicht mehr mäh sagen konnte und ein Stück davon an gefräßige Männer abgab.

„Sollten wir nicht mal beidrehen üben? Ich hab wieder vergessen, wie das geht.“ Gut, wir übten. Schiff rum durch den Wind, Groß los und Ruder in die Gegenrichtung. Fertig. Andreas rollte die Augen. Unser Segelneuling hatte nicht viel verstanden. Christel erklärte das Manöver und dann probierte Andreas die Beidreherei, allerdings noch ohne Kommandos.

Die Wolken hatten sich verzogen und um halb fünf standen wir am letzten Kap vor dem Zielhafen Galaxidi. Äolus mochte nicht mehr blasen und bot uns stattdessen dümpeln mit drei Knoten Fahrt an. Egal, wir hatten ja Zeit und im Urlaub waren wir auch noch.

Im Hafen bastelten wir uns rückwärts an den Molenkopf und schon war ein geschäftstüchtiger Mensch herangetreten, der uns für den nächsten Tag ein Auto aufschmatzen wollte. Wir hatten ja mit dem Bus nach Delphi gondeln wollen, aber die Rechnung des Mannes war gut nachvollziehbar. Fünf Leute zahlen für den Bus hin und zurück 38 Euro, stundenlange Wartezeiten. Der Unternehmer Thanasis Soulantzos hatte uns überredet! Wir vereinbarten 50 Euro für einen Ford Focus, ganzer Tag. Ach ja, die Nacht in Galaxidi kostete doch sage und schreibe 8,66 €. Wucher für Griechenland!

Die Ofenpfanne war geschichtet und in der Hitze verschwunden. Kaum zwei Stunden später duftete es nach Lammrippchen und wir schmatzten zu viert das zarte Fleisch, nur Manuela begnügte sich mit Gemüse und Reis. „Lamm geht gar nicht.“

Alle fünfe trappelten dann zum Abendspaziergang steile Straßen hoch zur Kathedrale und durch gelb beleuchtete Gassen wieder zurück.

 

Donnerstag, 08.06.2017

Galaxidi – Sandy Bay hinter dem Kap

Gewitter, Regen, bäh bisschen Sonne 25° 12 sm/2:00h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Sandy Bay Bucht - - - -

    • Bemerkung  Tief! Zieh durch. Kultur in Delphi

Um neun Uhr pünktlich stand unser Mietauto vor dem Schiff, Christel ließ sich in den Ford Focus einweisen (sie hatte das gleiche Auto zuhause) und dann düsten wir los. Die Straßen auf den Parnass waren steil, fünf Menschen im Auto schwer, prust. Delphi war der Ort des Begehrens und als die 12 Euro für den Eintritt ins Museum und die archeological site entrichtet waren, bestaunten wir als erstes die Ausstellungsstücke im Museum. Das war ein Fehler. Denn. Um elf Uhr brachen die Busladungen von Franzosen und Japanern daher, die die Grundfesten von Tempeln, Statuen, Schatzkammerhäusern und des Amphitheaters fotografierten. Und plötzlich war es so dampfig, dass das Treppensteigen hoch auf das Stadion recht anstrengend war. Ein Stadion ist genau 178,35 Meter lang, aha.

Diese Vollkultur, das viele Wasser, das wir gegen die Dehydrierung tranken, die Aussicht auf den Parnass, es war einfach beeindruckend. Schönes Wort, gell. Es drückte uns einen Erinnerungspunkt ein. Oder wie soll man das Wort erfassen?

Die Pythia hatte uns im Orakel vorausgesagt, dass der Ort Arachnos am Fuße des Parnass, der Skiort der Athener, nur noch ein paar Kilometer entfernt lag und danach lechzte, von uns besucht zu werden. Na gut.

Wat ein schoiner Ort. Christel, unsere Cardriverin, nein Autofahrerin, steuerte den blauen Ford durch die enge Dorfstraße und fand einen Parkplatz direkt vor einer Gondel, die als Deko auf dem Gehsteig festgeschraubt war. Über uns hingen als Ganzjahresbeleuchtung Lichterketten in Schneeflockenform. Dann flüchteten wir fünf vor dem Platschregen in eine Taberna und warteten da das Gewitter ab, gebackenen Feta und Spanakopita essend.

Fast wie Monemvasia an der Ostseite des Peloponnes lag dieses Arachnos erhaben da, die Bewohner hatten sich auf „traditionnel greek“ eingeschossen und drum gab es hier Edelsteine, Gewürze, Olivenholzschnitzereien und in einem der Geschäfte kaufte ich ein Pfund von was weiß ich. Das Weißich ist eine Suppeneinlage aus Milch, Joghurt und …. „Traditionnel food!“ versicherte man mir wiederholt.

Das Wort muss erst einmal gegoogelt werden. Simigdali? Irgendetwas musste die gelben Flocken, die nach Bulgur aussehen doch zusammenhalten. Das , was war das? Ah, fündig geworden: hier und was macht man damit? das.

Um vier Uhr hatte uns der blaue Ford wieder nach Galaxidi zurück gefahren, Thanasis nahm 50 Euro und den Schlüssel entgegen und setzte sich wieder an den Tisch im Kafenion. Das Auto besah er sich nicht. Das ist halt griechisches Urvertrauen.

Wir legten ab und schauten ein ums andere Mal in eine WetterApp, um die Zugbahn der Gewitter zu verfolgen. Mist, die Vorhersage schickte uns die gelben Gewitterzellen genau in die Quere. Ein bisschen Regen bekamen wir schon ab.

Da beschlossen wir einfach, die nächstgelegene Bucht zu besuchen. Gleich hinter dem Kap Andromachi fand ich in der Seekarte einen blauen Bobbel. Name hatte die Bucht keine, es stand nur „Sandy“ da. Blau ist ja immer gut, da hat es unter 10 Meter, nähere Information gab es nicht. Egal, es ist eine wunderbar große Bucht, am Strand vier halbfertige Ferienhäuser der reichen Athener, keiner da, ein kleines Gewitter noch, der Regen hörte dann auch langsam auf.

Weil von den Lammrippchen die Hälfte noch im Kühlschrank wartete, fiel Ingo die Entscheidung leicht. Es gab genau das Gleiche wie gestern.

Müde. Von der ganzen Latscherei.

Freitag, 09.06.2017

Sandy Bay - Nafpaktos

sonnig, 25° 21 sm/4:30h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Nafpaktos Hafen - - - -

    • Bemerkung  Nafpaktos ist ein Muss

Still ruhte der See, Verzeihung, unsere Sandy Bay. Wir badeten mit Quallen, wuschen uns den Schwitz von drei Tagen von der Haut und alsbald duftete es nur noch nach Seife und Kaffee. Einer stand immer oben und schaute ins Wasser. Wenn sich ein qualliges Tier Richtung Schwimmer bewegte, zeigte der Arm darauf, bloß weg.

Wir schafften es, ohne Verbrennungen frisch dem Wasser zu entsteigen und lichteten den Anker. No wind at all.

Und dabei wartete seit morgens Brigitte in Nafpaktos, das war so vereinbart und wenn gestern dieses doofe Gewitter nicht gewesen wäre, hätten wir es auch bis Trizoni geschafft, aber so. Nun hatten wir zwanzig Meilen vor uns und keinen Naturtreibstoff. Schweren Herzens ließen wir den Jockel laufen und ließen zu aller Narretei sogar den Autopilot die Steuerarbeit machen. Dekadent!

Als uns der dreier Wind genau auf den Bug blies, versuchten wir ein Manöverchen und holten die Genua aus ihrer Rolle. Nein, vergiss es. Speed brachte es genau 0,1 Knoten, dafür war die Richtung um 30 Grad verkehrt, Genua wieder rein. Manuela und Andreas hatten es sich auf dem Vorschiff bequem gemacht.

In meiner Verzweiflung bruzzelte ich die Kichererbsen, die am Vortag gekocht waren und servierte sie als kleinen Mittagssnack, wie man heute so sagt.

Die letzten paar Meilen nach Nafpaktos flogen wir dann. Der Nordwest nahm auf fünf zu und unser nettes Dampferchen hörte das Dampfen auf und raste hurtig mit über acht Knoten auf das Tagesziel und Brigitte zu. Was gerade noch auf dem Tisch war, lag plötzlich am Boden, es musste ein Kobold an Bord sein. Wenigstens eine schöne Segelstunde hatten wir bekommen. Und schwupps, standen wir um zwei Uhr vor der imposanten Hafenmauer von Nafpaktos. Die hässliche Betonmauer war frei, juhu!

Wer saß da am linken Hafentürmchen? Brigitte, unser Nachzögling. Der Anker fiel mitten in der Einfahrt zwischen den türkisch anmutenden Türmen, Brigitte half beim Festmachen und dann waren wir komplett. „Willkommen an Bord!“ Anlegeschluck.

Eine Bavaria 37 kam in den Winzhafen, etwas hilflos um sich blickend. Ich winkte dem Skipper und bot an, bei uns längsseits ins Päckchen zu gehen. Dankbar nahm die Crew an und schon hatten wir Nachbarn. Der kleine Leo in seiner Schwimmweste war wirklich herzig. Und dann diese Sprache! Die Familie kam aus Chemnitz.

Um den Nachmittag nicht völlig zu verfaulenzen, erklommen Christel und ich die Burg. „Die Aussicht ist doch schon so toll hier, wir könnten doch umkehren.“ Ich wollte zur Burg, auch wenn das Tor oben dann doch verschlossen war. Beim Rückweg klaubte ich dann noch vom Boden eines Gartens ein paar reife Zitronen auf. Wie war ich da bloß rein gekommen. Ich glaube, ich bin über ein Mäuerchen und einen Drahtzaun gekraxelt.

Wollten wir nicht schon lange die Flaggenleine in die Öse der Backbordsaling gezogen haben. Jetzt war doch Zeit. Andreas zog sich den Bootsmannsstuhl an und Ingo winschte ihn in den Mast. „Super Aussicht da oben!“

Es war neun Uhr. „Sind schon Teller oben?‘“ „Ja, aber nur fünf.“ „Wir sind wohl nicht so auf sechs eingeschossen.“ Es gab Spaghetti mit Gemüse aus Andreas‘ Werkstatt.

Die Chemnitzer hatten wir zu uns an Bord eingeladen. Alle fünfe kamen mit einer Flasche Ouzo an. Sie fuhren einen Oneway-Törn, so wie wir. Nur, dass sie dafür 500 Euro Aufpreis zahlen mussten.

Weil Poros so schön sei, waren sie erst einmal dorthin motort, bevor sie über Aegina („schlimmer Hafen, kein Platz“) durch den Kanal gefahren waren. Delphi besuchten sie am gleichen Tag wie wir, nur am späten Nachmittag. Da gewitterte es heftig und sie wurden pitschenass. Ihren Anlegeort Itea beschrieben sie als megahässlich. Ich weiß

Zwischendurch piepste der kleine Leo etwas von Traktoren und Heuwendern, die ein Nachbar hat. Skipper Miko war der Bürgermeister von Chemnitz.

 

Samstag, 10.06.2017

Nafpaktos – Ormos Agios Sostos vor Mesolongion

sonnig, 25° 35 sm/8:30h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Mitten auf der Seegraswiese  - - - -

    • Bemerkung  Wende direkt unter der Brücke von Patras

Unsere Päckchennachbarn legten um sieben Uhr ab und wir drehten uns noch einmal im Bett um. Nafpaktos lag ruhig in der Morgensonne, die Diskomusik schlief jetzt endlich auch, ein paar alte Männer saßen schon herum und wir tranken unseren Kaffee im Cockpit. Der Fischladen war in genau 86 Metern fußläufig erreichbar, wie uns ein Angler am Kai versicherte. Dort kam ein Kilo Sardinen, die eigentlich Gavros waren, aber egal, mit und drei grooße Doraden. Noch ein bisschen Gemüse aus dem kleinen Laden links am Hafen holen. Ingo klappte gerade die Sprayhood zurück, als die Einkäufer zurückkamen. Brigitte holte dann den Haken aus dem Hafenschlick, der gleich noch mit nach oben kam und die ALMOST FREE freute sich wie ein kleines Kind, wieder mit 6 Knoten unterwegs zu sein. Tschüss Nafpaktos!

Highlight des Tages war heute die Durchfahrt unter der Brücke von Patras. Wir kreuzten gegen den Südwest, meldeten uns ordnungsgemäß per Funk bei „rio traffic“ an und empfingen die Instruktionen. „One pillar right and three pillars left“ sollten wir lassen und uns eine Meile vorher noch einmal für die endgültige Erlaubnis melden. Wir kreuzten weiter.

Nach der letzten Wende holte ich mir die final permission, der Wächter der Brücke wünschte „a nice trip, miss!“ und dann versuchten wir, Höhe kneifend, zwischen den ersten und den zweiten Pylon durch zu zielen. Geht’s, geht’s nicht? Ganz zum Schluss, als wir schon direkt unter der Brücke standen, wendeten wir doch. Der imposante Betonpylon erschien mir doch zu nah. Eine Wende unter der berühmten Brücke von Patras, das hatte auch etwas. Es war Punkt zwölf.

Manuela dekorierte jedem sein gewünschtes Brot (mein Sauerteigbrot war noch nicht alle) und eine Stunde später gab es dann Restesuppe und zwei Pfannen voll gebratener Gavros. Schleck.

Patras lauerte links, nein, da wollten wir nicht hin. Mesolongion lag nach der nächsten Wende vor uns. Nein, da wollten wir auch nicht hin. Manuela und ich fanden in der Seekarte einen Ankerplatz. Der lag vor dem Inslchen Agios Schoinias. Oh, wat is dat schoin! Es war schon Zeit, mal in die Aegaeis zu springen.

Unbedingt wollte ich einmal zwei Seiten lesen. Die römische Geschichte von Joachim Fernau musste zuerst zu Ende gelesen werden, bevor ich die griechische weiterlas. In der Bugkabine kochte es. Das Fenster! Ich öffnete es. Platsch. Mmmh. Ich ließ es nur einen Spalt offen und klemmte eine kleine Wasserflasche dazwischen. Plätscherchen. Och Mänsch. Damit musste ich wohl leben, wollte überleben und lesen. Im linken Fenster sah ich das Blau des Himmels, im rechten das Blau des Meeres und konnte also getrost lesen, ohne etwas zu versäumen.

„Wie lange fahren wir denn noch?“ Brigitte war die lange Kreuzerei an ihrem ersten Tag ein bisschen viel. „In zwei Stunden sind wir doch schon da!“ ermunterte ich sie.

„Hier ist doch nix!“ Nein, da war nur Wasser und Wasser und Wasser. Rechts Mesolongion, links weit entfernt eine Ahnung von Land. Wir Zeitgenossen haben ja im Jahre 2017 das unbeschreibliche Glück, dass wir ein GPS mit Plotter an Bord haben. Man muss es mal erwähnen. Wir konnten nämlich einfach auf dem Navigationsgerät schauen, wo das Schiff genau stand. Unter uns 6 Meter Wasser, links von uns nix, rechts von uns nix, Wind auf die Mütze.

Eine perfekte Voraussetzung für ein Ankermanöver unter Segeln. Groß weg, mit der Genua noch fünf Minuten weiter segeln, Genua weg, in den Wind, Anker runter. 60 Meter Kette geben. Warten. Motor an und rückwärts mit 2000 Umdrehungen einfahren. Wir bewegten uns keinen Meter mehr, aber sicher ist sicher. Die Sonne stand noch zwei Hände breit über dem Horizont. Kein Berg, kein Haus, kein nix verschattete unseren Planet. Es platschte ein bisschen ans Schiff, aber der Wind nahm langsam ab. „Sollen wir heute mal ausnahmsweise ein Ankerlicht anmachen?“ Was für ein Ankerplatz mitten im Meer auf 6,5 Metern Seegraswiese.

Wir beobachteten den Mondaufgang. Riesig stieg Luna über den platten Horizont, der Mann im Mond winkte und komischerweise wurde unser Erdtrabant beim Höhersteigen immer kleiner.

Sonntag, 11.06.2017

Ormos Agios Sostos vor Mesolongion – Ithaka Kioni

diesig, 25° 21 sm/4:30h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Kioni Hafen - - - -

    • Bemerkung  so a scheena Dog

Beim Aufwachen war das Wasser spiegelglatt, Manuela brachte Kaffee ans Bett  und dann badeten wir eine Runde. Nun erkannte man jedes Blatt der Wiese unter uns, um uns herum auf zwei Meilen nichts, nur Wasser. So einen Ankerplatz hatte ich noch nie.

Angesichts des glatten Wassers frühstückten wir erst einmal ausgiebig. Mein Sauerteigbrot war heute zum letzten Mal der Star (oh, Eigenlob stinkt gewaltig). Taramasalata drauf, dünn gestrichen, Salami, Gurkenscheibchen und Feta. Doppelwhopper!

Um elf motorten wir dann doch los, es half ja nix. Nach einer Stunde kam Gekräusel auf und die Genua raus. Manuela saß mit der allerletzten Brotscheibe und dem Nutellaglas. „Des is echt der Hit: des Brot und Nutella!“ „Wos machstn du do?“ fragte Christel, neidisch aufs Nutellaglas schielend. „Sauber!“ war Manuelas Antwort und schleckte das ultimativ letzte Gramm Nougatcreme aus dem Familienglas.

Christel zuckte mit den Schultern und holte einfach das kürzlich gekaufte griechische Ersatzprodukt. Sie schraubte das Glas auf und schleckte genüsslich einen Löffel „Merenda“. Und was geschah? Ingo schmierte sich Merenda aufs Brot, ja sowas!

Mit drei Knoten trödelte die ALMOST FREE Richtung Oxia. Komischer Name für eine Insel. Oxi heißt nein auf Griechisch. Andreas hatte als Ziel Ithaka anvisiert. Mal sehen, ob der Miniwind heute dazu reicht!

Salat, Bratkartoffeln und Saganaki, den kross gebackenen Käse reichte Manuela um halb drei ins Cockpit, während Ingo mit drei Knoten gen Ithaka segelte. Nach dem Essen legte sich auch der Wind zur Ruhe.

Von Null auf Hundert kachelte es um vier Uhr. Wo kam denn der Achterwind her. Schleunigst refften wir, das geriet zur Schwerarbeit. Brigitte versank am Cockpitboden und hatte Respekt vor der Natur. Als wir nach 10 Minuten ein brauchbares Segelkleid und alle Winschbediener ausgeschnauft hatten, kam die Welle. Oioioi. Plötzlich. Platsch, spritz. Ich musste glatt mein Ölzeug anziehen. Christel beruhigte Brigitte, Andreas steuerte und Manuela freute sich über ihre nasse Hose. „Fahr gscheit!“ herrschte sie ihren Freund an. Im Spaß, versteht sich. 30 Knoten Wind.

Wir fanden eine Kichererbse an Deck. „Wo kummt’n de her?“ Brigitte: „Die kam wieder hoch, der war schlecht.“ „Mir san in Sicherheit! Die Manuela fangt wieder zum Rauchen an!“ Bei all dem hörte die Sonne nicht auf, dazu zu grinsen und nur aus entfernten schwärzlichen Wolken donnerte es ganz leise.

Ithaka, wir kommen. Nun wollten wir doch nach Vathy, das geschützt in einer tiefen Bucht liegt. Ein paar freie Plätzchen gab es noch und zwei Schiffe rauschten an uns vorbei, um diese noch zu bekommen, Russen natürlich. Man hörte es an der Sprache.

„Andreas, mach den Anker klar!“ „Hast Du die Sicherung drin?“ kam es von vorne. „Es geht nix.“ Komisch. Morgens war doch noch alles paletti gewesen.

Die Ankerwinsch klackerte bei jedem Versuch, aber sie arbeitete nicht. Glücklicherweise gab es noch ein langes Stück der Hafenmauer, das gelb-schwarz gestreift und für Taxiboats reserviert war, aber es ging ja nicht anders, wir mussten dort längsseits anlegen. Sofort kam einer an und wedelte mit dem Zeigefinger, aber es half ja nichts.

Der Fingerwedler verstand und versprach, innerhalb 10 Minuten einen Techniker zu schicken

Jener Jannis fragte nach der „main fuse of the anchor“, ich schraubte das Sicherungspaneel ab, wie vorhin auch schon einmal und zeigte auf dieselbe.

Der Hebel war an seiner richtigen Stelle. Jannis zog die fette, weiße Sicherung heraus, überbrückte mit dem Imbusschlüssel, den ich schon zum Öffnen der Ankerwinsch bereit gelegt hatte, und pardauz – die Winsch arbeitete. „We make it the greek way!“

Hammas scho, wird er sich gedacht haben. Das Problem war nur, dass diese Sicherung, die eigentlich eine für Häuser war, nur schwer aufzutreiben war. Er telefonierte ein bisschen herum und brachte dann in griechischer Schnelligkeit Ersatz plus Reserve. Ich scherze nicht, binnen einer halben Stunde waren zwei neue Sicherungen da. 20 Euro. Ach, ich mag euch Griechen einfach! Die linke Sicherung auf dem Foto ist durch, die rechte intakt.

Eine funktionierende Ankerwinsch beruhigt doch ungemein. Wir liefen spazieren. Fünf Schiffe weiter krähte uns Leo entgegen. Unsere Chemnitzer waren schon seit gestern hier. „Es war doch kein Wind?“ fragte ich. „Ne, ne, wir sind hierher motort.“

Mein Sicherungsbesorger Jannis hatte uns das Restaurant „Kihalo“ empfohlen und in der Tat, wir haben supergut gegessen.

Manuela intonierte ein „M“, ließ es immer weiter in die Nase und in die Stirnhöhle wandern und als es stark genug war, öffnete sie den Mund. Heraus kam ein „Mmmmmmastika! Der Kellner wusste sofort, was sie wollte und brachte Mastichaschnaps. Restaurant Kihalo, zum Merken.!

 

Montag, 12.06.2017

Vathy / Ihtaka – Ormos Vlychos / Lefkas

sonnig, 27° 21 sm/6:15h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Ormos Vlychos / Lefkas Bucht - - - -

    • Bemerkung  Sonnensegeln
  • Insel des Odysseus! Gemüse aller Arten, Jogurt, Bier und Wein, das kauften wir noch alles ein. Und bei einem Fischer, der gerade sein Netz flickte, zwei schöne, große Fischis für 12 Euro und ließen uns um elf von einem Ausflugskutter von unserem Platz scheuchen.

Ach ja, und einen Pömpel hatten wir auch gekauft. Zum Durchstößeln der Abflüsse, die nicht mochten. Leises Segeln im ionischen Meer, so schön, schoin. „Kannste mal aufhören mit dem blöden Wort!!“

Der Vormittagswind war vorbei und mit mehr oder weniger Behagen hielten es alle aus, nur noch mit 2 Knoten gen Lefkas zu ziehen.

Um zwei gab es gebratene Kichererbsen und einen großen griechischen Salat. welchen auch sonst, wir waren ja in Griechenland. Manuela wollte sich bräunen, Brigitte steckte Kurse ab, Ingo lümmelte am Steuer und Christel und ich spielten Karten. Wo war Andreas? Er als Architekt tüftelte im Wohnzimmer an einem Grundriss für unser neues Haus herum.

„Welches ist die Insel vom Onassis?“ Brigitte kam den Niedergang herauf. Oh, diese vielen Inseln um uns herum. Manuela blödelte mit mir: „Eeeiiinnneeeeee Insel mit zwei Bergen, trallalaaala….“ Andreas: „Das ist doch die Titelmelodie von Urmel aus dem Eis!“ „Nein, von Jim Knopf!“ Manuela mit tiefer Stimme: „Urmel et Ormel.“

Ich hatte der Crew so von der Ormos Vlychos vorgeschwärmt: (Anker runter, fertig), dass alle anderen Buchten ignoriert wurden. Was war das für ein Traffic hier im ionischen Meer! Segler mit und ohne Segel dampften um uns herum, die meisten ohne Segel, obwohl an diesem Nachmittag der zuverlässige Westwind eingesetzt hatte und uns sieben Knoten Fahrt bescherte.

Um fünf schoben wir dann nur mit Genua an der tranquil bay vorbei. Ha, tranquil bay! Die arme Bucht war vollgepflastert mit Yachten, nix tranquil. Auch unser Ormos Vlychos war schon gut besucht, aber weil sie so riesig ist, fiel das nicht so ins Gewicht. Wir drehten gleich nach rechts, suchten eine schöne Stelle, stellten die ALMOST FREE in den Wind und ließen den Haken ins grüne Wasser. Warten. Nur für den allerletzten Einfahrruck schmissen wir den Motor an. Für zwei Minuten.

Rein ins Wasser, ahh, das tat gut.

Dann gab es die morgens gekauften Fischis, Kartoffeln und Salat.

Dienstag, 13.06.2017

Ormos Vlychos / Lefkas - Preveza (Bucht vor Fischfarmen)

sonnig, 28° 27 sm/6:00h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Ambrakischer Golf Bucht - - - -

    • Bemerkung  die Genua zieht so schön

Grünes Wasser umgab uns beim Morgenschwumm, den wir ausgiebig genossen, weil so gar kein Windelein fächelte. Die Haare waren wieder frisch, die Menschen drunter auch und um 1040 durfte dann auch unser Änkerlein wieder an die Luft.

Eine dreiviertel Stunde lang nahmen wir den dreier Ostwind mit und segelten mit fünf Knoten, dann aber kam die schmale Einfahrt nach Lefkas Stadt, wo der Motor helfen musste. Um eins machten wir im Stadthafen fest, rückwärts. Oops, zwei Meter vor dem Kai standen wir plötzlich, unser Ruder hatte Bekanntschaft mit dem Sand auf dem Hafengrund gemacht. Nach drei Minuten waren Vaggelis, der Vater und Vasiliki, der Sohn zur Stelle. Sie waren beauftragt, das Beiboot wieder ordentlich mit Luft zu füllen.

Aus einem Ventil entwich nämlich ständig Luft, so dass der Bug des Dingis immer platschschlabberig war. Entweder war der Stift zum Luftablassen zu lang oder das Anschlussstück der Luftpumpe zu kurz, eines von beiden. „We make it the greek way!“ verkündeten sie und brachten einen zweiten Schlauch für die Pumpe mit herausgeschnittenem Störplastik. allerdings brauchten sie dafür fast zwei Stunden, weil sie nichts an Werkzeug und Klebeband dabei hatten. The greek way eben.

Und by the way fiel mir ein, dass wir für das letzte Stück nach Korfu gar keine Detailkarte, sondern nur einen Übersegler hatten. Im nahe gelegenen Marinestore gab es eine schöne Imraykarte für 24,30 Euro und grade noch erwischten wir die Brücke um drei. Die Schwenkbrücke öffnet zu jeder vollen Stunde und wenn man es dann noch schaffte, die versandete Stelle zu umschiffen, war man wieder draußen aus den Untiefen.

Nordwestwind! Unser braves Mädchen beschleunigte auf 6, 8, 9 Knoten. „Wie geht eigentlich die Formel für die Rumpfgeschwindigkeit?“ wollte Manuela wissen. „Wurzel aus Wasserlinienlänge mal 2,4, glaub ich.“ Antwortete ich und schaute sicherheitshalber noch schnell im Internet nach. So falsch hatte ich gar nicht gelegen. „Aber wir hatten doch schon neun auf der Logge!“ wunderte sich Andreas.

Mit immer noch fünf Knoten Fahrt kamen wir am betonnten Fahrwasser nach Preveza an. Grade brauchte dessen ganze Breite ein Frachter. Wir fuhren ein paar Kurven vor dem ersten Tonnenpaar und ließen uns vom Frachter sauber anhupen. Der konnte sich natürlich nicht vorstellen, was wir da für Schabernack trieben. Kaptan, mach dir keine Sorgen, wir sehen dich!

Die Genua zog uns dann die Fahrrinne entlang und gleich weiter. Am Hafen und der Werft vorbei, um die Untiefentonnen herum und zum zufällig gefundenen Ankerplatz vor einem kleinen Fischerhafen. Die Betonhallen am Ufer waren zwar nicht der Inbegriff von Idylle, aber für einen ruhigen Abend ohne Diskolärm (unz, unz, unz) war es genau recht.

Weil ich morgens zwei lange, pikante, schweinerne Würste gekauft hatte, erbot ich mich, das Abendessen zu bereiten.

Heraus kam eine große Pfanne mit Zwiebeln, Zucchini, Auberginen, vorher angebratener Wurstscheiben, Tomaten und viel Liebe. Die Paprikastreifen dünstete ich separat, weil Manuela keine Paprika verträgt. „Da ist Schwein drin, oder?“ Brigitte machte sich Sorgen. Hatte ich da etwas nicht verstanden? Sie aß dann Paprika mit Reis, Manuela Pfanne mit Reis, die anderen alles. Genauso gut hätte ich auch die Wurst extra reichen können. Tja, zu spät.

Zwei Fischer umgarnten uns mit Netzen. Einer palaverte etwas mit mir. Ich verstand „deka metros“, hoffte, dass das Geflecht nicht genau über unserem Anker schwebte und Christel legte einen Fluchtkurs fest: 230 Grad. Es kann ja sein, dass man von seinem Ankerplatz einmal fluchtartig weg muss.

 

Mittwoch, 14.06.2017

Preveza (Bucht vor Fischfarmen) – Gaios / Paxos

sonnig, 27° 27 sm/10:30h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Gaios Hafen 23,30 €- - - -

    • Bemerkung  die Langsamkeit des Seins macht nicht immer ruhig

Die Fischer hatten im Morgengrauen schon aufgeräumt, wie Manuela es nannte. Ein leises Ostlüftchen umwehte uns. Kaffee, Anker auf und los. 0,4 – 0,5 – 0,3 „Warum nehmen wir nicht einfach den Motor?“ fragte jemand. Aber gerade weil es so langsam ging, waren wir doch schon um acht Uhr gestartet.

Komischerweise sank die Stimmung mit der Geschwindigkeit. Warum muss der Mensch von heute, der von sich behauptet, modern zu sein, schnell zu dem Ort kommen, wo er dann chillen will? Modern ausgedrückt. Kann er nicht bei Zeitlupentempo entspannen? Muss dazu die Erde stille stehen? Es gähnte um mich herum, jemand seufzte sogar. Oje, war es so schlimm?

Ingo stand sehr entspannt am Steuer und suchte die nächste Untiefentonne im ambrakischen Golf. Bis Preveza zurück waren es noch eineinhalb Meilen, aber jetzt rasten wir schon mit unglaublichen 1,5 Knoten dahin. Wow. Nein, die Stimmung war immer noch „ma kannt ja einfach den Motor einschalten.“

Um halb zehn raumten wir schon im betonnten Fahrwasser und weil ich die Geduld der Mannschaft nicht über Gebühr strapazieren wollte, tuckerten wir dann doch, aus dem Fahrwasser ausscherend über fünf Meter Wassertiefe Richtung Küste und dort zum Frühstück zu ankern.

Kaum war Brigitte im Wasser, lachte sie wieder. Christel, die ihrem Beispiel gefolgt war, juchzte. Nicht, weil das frische Erlebnis so spaßig war, sondern weil im Moment ein Fisch über sie hinweg gesprungen war. Mal was ganz Neues!

Es gab wieder Taramasalata aufs Brot, Margarine, die wie Butter verpackt war (fiese Marketingmethoden), Tomaten, Käse, Wurst und Feta. Dazu griechische Sonne und wieder bessere Laune. Ich find‘s ja immer noch komisch.

Und wieder los. Der Nachmittagswind ließ auf sich warten und gab uns mal einen Vorgeschmack mit drei Windstärken.

Ich hatte doch in Arachnos bei Delphi diesen Beutel Trachanas gekauft. Ich probierte, eine Suppe daraus zu kochen und suchte im Internet.

https://zitronenundolivenoel.com/2014/01/26/trachanas-meine-wohlfuhlwintersuppe/

Natürlich blieb es nicht beim Grundrezept. Eine Zwiebel, Knoblauch, eine halbe Aubergine, Olivenöl angebruzzelt. Halt, Gas war aus. Christel wechselte die Gasflaschen. „Warum immer ich?“ Dann die halbe Tüte Trachanas dazu und viel Wasser. Es gab für jeden von uns sechs eine schöne Schüssel voll wärmender Suppe. Oben im Cockpit war es beim vierer Westwind nämlich nicht so heiß wie in meiner Küche (28 Grad). Es mundete auf halbem Wege von Preveza nach Paxos. Schon Wahnsinn, dass ich hier mitten auf dem ionischen Meer bei 6 Knoten und unter griechischer Sonne so einfach mal im Internet ein Rezept suchen konnte. Es lebe die Technik.

Nach längerem Ringen war die Entscheidung zwischen Parga am Festland mit seiner Burg und Paxos gefallen. Es war halb drei, Wind auch drei und Seemeilen bis Paxos 18. Motor an, Genua rein. „Was ist denn heute los?“ Ingo kannte mich nicht wieder. Ich mich auch nicht, aber ich wollte einfach nett sein und nicht erst um halb neun in Gaios einlaufen und möglicherweise dann auch keinen Platz mehr zu kriegen. Wir waren hier nicht in den Kykladen, wo niemand da ist, sondern im ionischen. Touristen everywhere.

Ich setzte Brotteig an. Nicht so richtig, nur die Brotbackmischung vom Aldi, las dann eine Weile und darüber fielen mir die Augen zu.

Um vier stellten wir den Krachmacher aus und freuten uns über ein kleines Windelein. Die nächsten zwei Stunden brachten wir damit zu, die Genua raus zu holen, wieder einzurollen, raus, rein. Motor aus, an, aus und um dreiviertel sechs wieder an.

Aus dem Kanal von Gaios kam ein Segler heraus, war kein Platz mehr im Hafen? Wir probierten es trotzdem. Richtig, es war alles voll bis auf zwei Plätze. Einer im Eck führte unweigerlich zu Ankersalat am nächsten Morgen und der andere war ein Wassertaxiplatz, wo ein wunderbar falsch geschriebenes Verbotsschild angebracht war. „Hear no mooring!“ Ja, ja, wer Ohren hat, der höre. Wir legten uns trotzdem hin. Der Restaurantbesitzer von gegenüber half und meinte: “It’s ok!” Na dann!

Gleich kam eine Hafendame, wies uns mehrmals darauf hin, dass wir verboten lägen, kassierte 23,30 Euro (je weiter man nach Norden kommt, desto saftiger werden die Preise) und gebot, dass immer einer an Bord sein müsse. Wegen des Halteverbots. Das traf sich gut. Manuela verspürte nämlich seit dem Morgen schon eine anziehende Grippe und hatte den ganzen Tag so gut wie verschlafen. Auch jetzt kam sie nicht zum Essen mit, sondern ruhte weiter und schmiss lieber noch eine IBU ein.

Das war echt schade, weil, nach längerem Suchen und Herumflanieren fanden wir ein Restaurant, das wirklich zu empfehlen ist. Bei Vasilis saßen wir in einem ruhigen Gässchen (gleich vom Hauptplatz aus gerade durch), drei Kellner wuselten im Stechschritt von der Küche auf die Gasse und andersrum. Sie lachten bei alledem, als ob ihnen die Hektik überhaupt nichts ausmachte und brachten nach dem Tzaziki alle Gericht sogar noch gleichzeitig an den Tisch.

Lamb in Sahnesoße, Huhn in Sahnesoße, Rollbraten, Lambchops mit gegrilltem Gemüse statt Fritten und mein Moussaka. Alles schmeckte wunderbar und nicht nach griechischer Einheitstouristenküche. Vorn am Hafenplatz Moussaka 12 Euro, hier 9. Als Nachspeise und Gruß aus der Küche gab es noch Pannacotta. Einfach super. Wenn ich schon einmal von einer Wirtschaft begeistert bin.

Leider konnten Christel und ich noch nicht mit den anderen zum Schiff zurück. Ein langer Tisch mit acht österreichischen Männern hielt uns auf. Er stellte sozusagen ein Bein, spendierte uns Metaxa und wir hatten viel zu lachen mit der Austriacrew.

 

Donnerstag, 15.06.2017

Gaios / Paxos – Ankerplatz vor Petriti / Korfu

Diesig - sonnig, 29° 23 sm/8:00h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Petriti Bucht - - - -

    • Bemerkung  alles im Lot, Sonne pur, Scampi zu Mittag
  • Christel hatte heute Geburtstag und hatte sich ein Luxusmittagessen gewünscht. Bevor uns jemand wegscheuchen konnte, mussten darum noch schnell Scampi, Salat und Fisch gekauft werden. Rund ums Eck und rein in eine Bucht namenlos. Wir frühstückten und dann war eine Runde Crewwaschen dran. Das tat gut!

Dieser Tag war wieder einmal ein Hin und Her. Wind, dann wieder keiner, Genua raus, Motor aus und umgekehrt, neunmal bestimmt. Um eins gab es dann das Luxusdiner: gemischter Salat und Knoblauchscampi, schleck!

Ingo am Steuer kommandierte. Nein, er bat in Zimmerlautstärke und fast verschämt, wie er halt so ist. „Könnt ihr mal bitte die Genua ein bisschen rannehmen.“ Dann musste wieder gefiert werden, dann wollte er eine Wende fahren bei null Wind.

„Jetzt hab ich Dir ein Bier gebracht, jetzt machst Deine Segel allein, gell!“ Er grinste und trug sich das Vorsegel selbst am Vordeck herum. Ohne Wind geht halt nur ganz wenig oder gar nichts. Und wir? Trugen es mit Urlaubsfassung.

Um halb fünf reichte es sogar mir. Zwischendurch pfiffen wir, Brigitte am Steuer, sogar mit sieben Knoten durchs ionische Meer, aber halt nur genau fünf Komma vier sieben Minuten lang. Die eiserne Fock musste helfen, Andreas steuerte geradewegs auf die Küste zu und rein zufällig landeten wir bei Petriti. Der kleine Hafen war natürlich voll und davor lagen schon 10 Yachten vor Anker. Dann waren es mit uns elf. Eine Stelle mittlerer Wassertiefe so um die 10 Meter erkoren wir, Haken runter, rein ins Wasser! Brigitte frohlockte: „Im Wasser geht’s mir immer gut!“

Wir chillten endlich einmal. Die kranke Manuela briet sich in der Sonne, Andreas neben ihr und ich hatte mir zum ersten Mal auf dieser Reise die Hängematte zwischen Vorstag und Mast geknüpft. Um halb acht weckte mich Christel, weil ich schon wieder über meinem Buch eingeschlafen war. „Wolltest Du nicht die Fische braten?“

Zur Essenszeit um halb neun war es noch so hell, dass wir die Gräten gerade noch erkennen konnten. Es gab Spaghetti (Kartoffeln waren aus), Zucchinitomatengemüse und für jeden einen halben Fisch. Name unbekannt.

 

Freitag, 16.06.2017

Ankerplatz vor Petriti / Korfu – Marina Gouvia Korfu

Regen - sonnig, 29° 15 sm/8:00h

Name B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Marina Gouvia / Korfu Hafen Heimat - - ja

    • Bemerkung  letzter Schlag, wieder Scampi zu Mittag

Morgens regnete es ein kleines Weniges. Wir nutzten den leisen Morgenwind, um die letzten 10 Meilen nach Korfu-Stadt zu segeln, als die Sonne den Wolkenschleier durchbrach. „Gell, wir baden schon nochmal heute!“ Brigitte sorgte sich. „Na klar, wir schwimmen vor der Festung Kerkyra!“ beruhigte ich sie. „Dann isses ja gut!“

Während die ALMOST FREE ihrem Bestimmungsort entgegen trödelte, frühstückten wir. Ein Wawemu-Frühstück. Leider war das Taramasalata schon aus und die eingekaufte vermeintliche Butter, vulgo Margarine wollte niemand aufs Brot. So verwöhnt waren wir. Die Packung sieht aus wie unsere Butter zuhause, nur dass eine Emulgation von Öl und Wasser drin ist, gehärtet. Also, liebe Mitsegler zukünftiger Törns, bitte nicht, nicht einkaufen!

Unser braves Mädchen tuckelte weiter mit ein oder zwei Knoten und ich verbriet das letzte Pfund Dinkelmehl, das wir mitgebracht hatten. Mehl, Hefe, Salz, Wasser mischen und warten.

Die Festung Korfu sitzt wirklich majestätisch auf ihrem Felsenbuckel, ein fesselnder Anblick! Kurz davor thront das Schlösschen Mon Repos auf dem ansteigenden Gelände und direkt darunter ankerten wir zum Baden. Brigitte und alle anderen genossen das Schwimmen im klaren Wasser. „Ah, geht’s mir gut!“ Brigitte planschte mit allen Vieren. Ich tat es ihr nach.

Zwischen großen Pötten, ich meine Megayachten, war kein Platz für uns in der Marina Noak genau unterhalb der Festung Korfu. Am Molenkopf wollten wir kurz anlegen und die Crew zum Stadtspaziergang entlassen. Andreas ließ die Kette ins Wasser „Jetzt sind es schon siebzig Meter!“ Ich hatte mich wieder verschätzt. Wurscht, wir hatten ja hundert Meter Kette im Ankerkasten. Christel legte an und schon war der Hafenfritze da. Er hätte Platz für uns im Innenhafen. Ne ne, lass ma. Wir sind gleich wieder fort.

In Ausgehklamotten entschwanden Manuela mit Andreas, Brigitte und Ingo. Viel Spaß!

Christel und ich schmissen die Leinen los und ich musste dann alleine den Anker hieven. Mit der rechten Ferse drückte ich auf die Fernbedienung und auf dem Ankerkasten sitzend holte ich Hand über Hand die Kette ein. Natürlich machte der Motor die Hauptarbeit, aber ich musste ja die Kette in den Ankerkasten schlichten. Siebzig Meter ziehen sich. Rücken durchstrecken hilft. Segel raus, beide, voll.

Vor uns lag eine Supermegahochhausyacht. Royal Romance war ihr Name. Wir hatten zu wenig Fahrt, um vor dem Bug durch zu kommen und fielen deswegen ab, um ihr am Arsch vorbei zu gehen. Liebe Güte! Am Heck gab es eine Terrasse, soweit nichts Ungewöhnliches. Im Wasser begrenzten blaue, luftgefüllte Schläuche eine Art Kinderschwimmbecken. Oder Fischfarm. Eine einsame Dame, sonnenbehütet, stellte gerade ihr Cocktailglas auf das Tischchen und begab sich nach drinnen.

Die Schiffsgarage stand offen, drinnen Surfbretter griffbereit an die Wand gehängt, davor das winzige Beiboot, geschätzte 10 Meter lang, schnittig. Ob die auch Gurte für die Passagiere hatten? Wir schwebten langsam vorbei, eine Bodyguard auf dem Brückenausleger lehnte die ganze Zeit scheinbar lässig am Geländer und beobachtete uns. Christel befragte Tante Google: „Wem gehört die Yacht Royal Romance?“

Die Tante antwortete schnell: Wikipedia wusste: „Die Royal Romance ist eine 92 Meter lange Mega-Yacht.[3] Sie wurde vom Konstruktionsbüro Studio De Voogt entworfen und von der niederländischen Werft Feadship gebaut.[4] Das Schiff galt bei seiner Fertigstellung 2014 als „modernste Yacht der Welt“. Sein Kaufpreis betrug 214 Millionen Euro.[5] Die Royal Romance bietet Platz für 14 Passagiere und 22 Besatzungsmitglieder. Sie wurde im Juli 2015 an ihren Erstbesitzer, den ukrainischen Oligarchen und Putin-Vertrauten Wiktor Medwedtschuk, ausgeliefert. Die Royal Romance kann, im Gegensatz zu verschiedenen anderen Mega-Yachten, nicht gechartert werden.“

 

Wir waren froh, einen Segler zu haben, auf dem es nicht so doadelte (für Nichtbayern: langweilig) war. Oder vielleicht war der Dame ja nicht langweilig, weil sie mit einem neuen Cocktail bloody mary ins Jakuzzi verschwand, bevor sie dem Oberkellner die King Prawns fürs Abendessen anbefahl. Ach, ja. unterhalb der Flagge der Cayman Islands, da wo es schwarz ist auf dem Bild, rieselt Wasser vom oberen Pool herunter. Als Luftbefeuchtung, vielleicht war der Herr Oligarch ja einmal in der Alhambra in Granada und wünschte sich diverse Brunnen in der Hitze.

Wir machten eine Wende, langsam, und segelten dann um das Inselchen Vido nördlich herum. Dort ankerten wir ein allerallerletztes Mal und stürzten uns in die Fluten.

Ein Glasboot kutschierte Touristen herum und blieb eine lange Weile an der kleinen Fischfarm, 200 Meter entfernt, liegen. Was gab es denn da zu sehen? Hoi, ein Seehund machte Männchen, watschelte auf ein gelbes Podest, bekam einen Fisch, watschte mit den Flossen in die Hände seines Gefangenenaufsehers. Während wir Nudeln mit Resten aßen, schauten wir dem Schauspiel zu. Gott sei Dank erschien dann noch ein zweites Tier, sonst hätte ich mich richtig aufregen müssen über die Isolationsfolter. Und trotzdem spielten wir einige Szenarien durch, wie wir die Seehunde befreien konnten. Ich schob das Brot in den Ofen.

Für die drei Meilen nach Gouvia Marina bescherte uns Petrus noch einmal einen schönen Wind. Segel rauf. 4 Knoten Fahrt immerhin. Kurz vor den ersten Fahrwassertonnen meinte Christel: „Sollen wir jetzt nicht mal die Segel weg tun?“ Na gut, aber ungern.

Kiriakoulis Yachting am Pier A war das Ziel, aber zuvor musste die ALMOST FREE ja noch vollgetankt werden.

Die heiße Schlacht am kalten Diesel as usual. Ein Boot wollte uns beim Anfahren an die Tankstelle mit Vollgas überholen. Ich zeigte dem blaubebrillten Skipper, dass wir doch schließlich vor ihm waren und erhöhte merklich die Drehzahl, eine eindeutige Geste inbegriffen.

Vor der Zapfsäule dann tummelten sich 10 Boote. Ok, die kamen vor uns dran.

Als ich dann anfuhr, um längsseits anzulegen, bekam ich von eben diesem Schiffelein (49er, haha!) ein Schimpfade. Tssss, mit Sonnenbrillen geht nicht alles.

Wir tankten 93 Liter, obwohl ich 122 ausgerechnet hatte, die meiste Motorzeit ging ja mit Anker- und Hafenmanöver drauf. Und dann rief ich dummerweise Mr. George von Kiriacoulis an. Der gebot mir, zu warten, bis er mir ein kleines Boot entgegen senden würde. Mist.

Letzten Endes winkte er uns zu dem Platz, den ich mir sowieso schon ausgeschaut hatte und nahm die Leinen an. Er reichte die Mooring, Christel zog uns damit nach vorne, ich stellte auf Vorwärtsgang. Warum? Weil der Wind auflandig blies, wir nur zu zweit waren und ich in die Achterleinen eindampfen wollte. Ich lief nach vorne, um Christel zu helfen, derweil George vom Kai aus rief, wir sollten die Mooring auf die andere Bugseite nehmen.

Und was tat ich Dumme? Ich tat, wie mir vom Hafenmensch gesagt und nahm die Mooring nach links. Was dazu führte, dass sie unter dem Schiff durchgezogen und in die Schraube gelangt war. Ich schimpfte mich selbst für so viel Blödheit. Wie oft musste mir das eigentlich noch passieren?

„Don’t worry, the diver comes!“ Sehr lustig! Ich reichte dem Taucher ein Küchenmesser und alles war wieder gut. Leine durch gesäbelt, von der Schraube gewickelt und wieder geknotet. Der Motor war bei der Leinenfangaktion nicht ausgegangen, so schlimm konnte also der Propeller nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Die Korfubesucher waren schon angekommen, wir duschten, kochten Garnelenspaghetti und aßen Salat dazu, freuten uns der gelungenen Reise.

γειά σας (Jassas)

Schiff:  Bavaria 50 namens ALMOST FREE

  • Route:  Athen – Salamis - Aegina – Korinth – Galaxidi – Nafpaktos – Bucht vor Mesolongion – Ithaka Vathy – Lefkas Ormos Vlychos – Paxos /Gaios – Bucht vor Petriti – Marina Gouvia (Korfu)
  • Seemeilen:  370, davon 95% gesegelt
  • Motorstunden:  27,5
  • Bordkasse:  220 € pro Nase (210 € für Kanaldurchfahrt)