Geliebte Brücke von Patras
Dem Regen ein Schnippchen geschlagen

IMG_1604

Vorwort: mein Laptop hatte seit einer Woche statt dem blauen Desktop einen roten. Die Grafikkarte wollte sich ins Grab verabschieden. Beim ersten Einschalten an Bord war alles bloß noch schwarz. Evi lieh mir freundlicherweise ihr Tablet zum Schreiben, aber das Getippsel auf der Bildschirmtastatur herum nervte gewaltig. Ich hatte schon jede Lust verloren. Darum, lieber Leser, bekommst Du nur unvollständige Sätze, Fehler über Fehler und nicht mein gewohntes, perfektes Literaturerlebnis.

 

Mittwoch, 18.10.2017

Die ALMOST FREE wollte über den Winter wieder heim nach Athen und wir halfen ihr dabei.

Evi, Gerlinde, Mary, Thomas,  Christian  und ich flogen für diese Mission nach Athen und stiegen flugs um in den organisierten Kleinbus.

Die Reise mit dem shuttlebus war schon recht lustig. Fünf Stunden vergingen recht schnell, unser Fahrer chauffierte uns gut und dann bezogen wir das Schiff.

Ein Isidorus kam an und meinte, ich würde das Schiff ja  gut kennen, er müsse mit nichts erklären. Auch gut, aber den Aussenborder sollte er doch noch tauschen, das Starterseil kam nicht aus seinem Versteck hervor und blockierte.

Marty kochte. &Ich mache das heute& und setzte ganz leise dazu &dann hab ich das hinter mir.& Es gab einen bunten Salat mit Hühnerstückchen, die in Erdnussbutter und Mangochutney gebraten waren, sehr fein.

Donnerstag, 19.10.2917

Lefkas-Stadt - Lefkas Ormos Desimou

in der Nacht hatte der Laderegler angefangen, hefit zu piepen, 11,7 Volt waren halt ein bisschan wenich. Tja, eine Woche ohne Strom hinterläßt eben Spuren und auch die Solarzelle konnte bei der tiefstehenden Sonne im Oktober nicht viel helfen.

Die Strasse vor unserer braven Bavaria50 störte ein bisschen, aber die Morgensonne strahlte über unseren Kaffeetassen. Wir kauften einen Gemüseladen aus, luden Bier, Wasser, und sonstige schwere Sachen in Einkaufswägen und ließen alles vom Supermarkt ans Schiff liefern. nichts wie weg hier.

Wir motorten durch den betonnten Kanal nach Süden, aber dann mussten die SEgel hoch und der Krachmacher ausgeschaltet werden. die Nachmittagssonne wärmte sanft, wir genossen die Ruhe und Marty verschwand leise in der Küche. Sie bereitete den Teig für einen Applepie und reichte die Äpfel zum Schälen hoch ins Cockpit. Natürlich halfen wieder alle zusammen.

Delfine in einer halben Meile Entfernung begleiteten uns eine Weile, Kuchenduft in unmittelbarer Nähe und wir erzählten uns Geschichten. Bloß Wind ließ sich keiner blicken, sodass wir uns für eine Bucht im Südosten Lefkas' entschieden, die Ormos Desimou. Weit waren wir heute nicht gekommen, aber unsere Desimou war allein für uns da, himmlisch ruhig und leider schon bald im Schatten der untergehenden Sonne. Baden, ah! Das Wasser war noch ange nehm warm mit geschätzten 21°, ein Traum. Ein Herbsttraum. Nebenbei begutachteten wir, was die Chartergäste des Sommers mit dem Bug alles angestellt hatten. Kratzer und Löcher und ein schöner weißer Streifen am blauen Unterwasserschiff von einer schrappenden Ankerkette waren da zu beäugen.

ich fing an, alles für meine Gemüsesosse herzuschnippeln, solange es noch hell war und Thomas tat mir das nach. Er kochte schon seine Bolognese für morgen vor. Als es dann dunkel und Essenszeit war, mussten nur noch die Nudeln in den Topf, Lichtsparen, verstehst Du, lieber Leser?

Freitag, 20.10.2017

Lefkas - Ithaka

Alles schläft gerade, nur Evi steuert unser braves Mädchen und ich tippe an diesem Bericht herum.

heute morgen lag die Bucht in gelber Morgensonne, die Gegenüberseite, bei uns war es dunkel. Darum liefen wir bald aus, um den ganzen Vormittag Zeit zu haben. Wind war nämlich sowas von keinem, die Segel hingen schlaff herunter und Thomas hielt einen Vortrag über die wahre Kunst des Segelns. die bestünde nämlich darin, auch mit keinem Wind die Ruhe zu bewahren, abzuwarten und Karten zu spielen. er lehrte uns Dschungelbridge und wir spielten Runde um Runde. Als dann nach dem Mittagessen (Gemüsenudelsuppe vom Vortag) Marty am Steuer stand, bequemte sich der Nachmittagswind zu uns. und nun segeln wir seit zwei Stunden sehr kommod nach Ithaka, Odysseusinsel, wie die Sage lehrt.

Eine Welle schmiss Gerlindes vorbereitete Kaffeetassen um, aber sonst war alles super. Abends gab es dann Thomas‘ Bolognese, schmatz.

Samstag, 21.10.2017

&Jetzt darf nix passiere, sonsch is mei Kaffee wieder flötn.& Gerlinde sprach mit sich selbst in der Küche.

Wir hatten heute einen langen Weg vor uns. Von Ithaka nach Patras waren es über 40 Meilen. Kein Wind. Motoren, bäh.

Abends, stieß Mandy in Patras zu uns. Sie kam aus Athen mit dem Bus. Wir lagen bereits in der Marina, längsseits an einem Wackelsteg. Wir kamen von Ithaka, Odysseus Heimat, dem schönen Ort Vathi. 45 Euro durften wir dem Hafenmeister, für zwei Nächte löhnen. Dafür mit Dusche. Nur, dass wie das richtige Schlüsselloch für den Duschschlüssel nicht fanden und so die Crew ein ausgiebiges Duschen auf dem Schiff vorzog. Alles dampfte und aus einer Duschkabine schallte der Ruf, wie man sich denn des Wassers am Boden der Dusche entledigen könnte. Na drück halt den Knopf der Bilgenpumpe. Zum Abendessen gab es die Reste von Thomas leckerer Bolognese vom Vortag. Aufgehübscht mit noch ein wenig Gemüse.

Sonntag, 20.10.2017

Der Sonntag begann mit einem morgendlichen Ausflug in das hübsch hässliche Patras. Patras ist die drittgrößte Stadt in Griechenland, neben Athen und Thessaloniki. Eine Großstadt eben und von Erdbeben geschädigt und neu wieder aufgebaut. Eine Hafenstadt. Von Patras gehen die Fähren nach Venedig, Ithaka und Kefallonia. In einem netten Restaurant taten wir was alle Griechen sonntags scheinbar tun. Einen Kaffee trinken und ein kleines Frühstück zu sich nehmen.

Gegen  Mittag legten wir ab.  Unser Ziel war Nafpaktos. Ein schöner schnuckeliger Ort.

Anleger in Nafpaktos....Christian fuhr den Anleger und Gerlinde machte eine Katzensprung ans Land und hing dann wie ein Äffchen an den verrosteten Ringen an der Kaimauer, um dann mutig, wie Reinhold Messmer, diese Mauer zu besteigen, er klettern. Ein Sonderapplaus war ihr dafür sicher.

Die Schlacht von Lepanto .....

Du kannst Dir ja die Geschichte noch einmal reinpfeifen, lieber Leser.

Montag, 23.10.2017

Gerlinde ließ sich von einem netten Optiker ihr Brillengestell richten und trat vor dem Laden von einem Fuß auf den anderen, weil wir mit der Abfahrt drängten. Die Fische waren gekauft, Marty vom erfolglosen Shoppen zurück und Gerlinde wieder brillenglücklich.

Vor der Brücke meldeten wir uns wieder brav funkmässig an. Jemand hatte kurz davor einen seglerischen Steuerfehler gemacht. Wir kringelten einen Kringel und segelten weiter. Als ich uns eine Seemeilen vorher noch einmal funkte, fragte der Mensch von der Brückenkontrolle, ob wir die kreuzende sailingyacht wären. Zu unserer eigenen Sicherheit wäre es besser, die sails down zu tun. Tsss

Wir wären so gern gegen den starken Westwind zwischen den Pylonen durch gekreuzt. Aber gleich nach der Passage kamen die Lumpen wieder raus. Evi, willst du anlegen? Sie grinste. Wunderbar legte sie die grosse bavaria längsseits an den hölzernen Wackelsteg und als die letzte Spring gelegt war, brach das Gewittert los. Wie ausgerechnet! Dem Regen ein Schnippchen geschlagen.

Den Nachmittag verbrachten wir dann spielend, lesend und schlafend. Wir hatten ja Urlaub. Als es sich gegen Abend ausgeregnet  hatte, machten Evi und ich einen längeren Spaziergang am Ufer entlang. Auf einer geschwungenen Bank, die von Gaudi hätte sein können, ratschten wir mit einem Montenegriner, der hier eine Wagenladung Maroni holte, um sie in der Schweiz wieder zu verkaufen.

Dann bruzzelte ich die Fische, Christian hatte hatten schon die Kartoffeln dazu im Rohr.

Dienstag, 24.10.2017

In der Nacht hatte es gehagelt, aber nun hatte das schlimme wetter eine Pause. Gut so, Marty verließ uns nämlich heute und wanderte mit Sack und Packard zur Bushaltestelle, tschüss Marty!

Wir beeilten uns, abzulegen. Die vorhersage war nicht berauschend. Aber, es kam besser als erwartet. Wind, zwar launisch, aber da und ein Strahl Sonne gar.

Weiterfahren oder in trizonia bleiben? Die schwarzen Wolken drohten überall über den Bergen. Wir entschieden uns für einen gemütlichen und trockenen nachmittag, spielten Karten und als es weißer aufgehört hatte, spazierten wir rund um die kleine Insel. Die Schuhe waren rot vom Sand und ich hatte meinen Blumenstrauß.

Während des Laufens kam mir deine Idee. Sollten wir nicht heute an dem kleinen Dorfplatz essen gehen? Mandy wollte zwar heute ihr hühnercurry kochen, aberwenn wir im Restaurant fragen, ob sie uns das Fleisch bis morgen einfrieren können... So kam es, alle waren einverstanden. Ich kümmerte mich noch kurz ums Überleben meines Sauerteigs und kam ins Restaurant Kalypso, als sich der Tisch schon unter den Vorspeisen bog. Super fein! Dann bestellten wir frisches Mozssaka, Evi Lamm. Alles schwärmte. Ein Lob, gute Wirtschaft, freundliche Bedienung, faire Preise. Wir zahlten zusammen  93 Euro.

Ach ja, vor dem Essen kamen wir mit Schweizern vom Nachbarboot ins Gespräch. Sie hatten schonei wenig glasige Augen vom Wodka, spendieren uns auch Einengung erzählten. Eigentlich sollte sie  Schiff überführen, das ein Ägypter für 8000 Euro im internet gekauft hatte. Nach kurzer Inspektion  desselben hatten sie dankend abgelehnt und sich stattdessen lieber eIne normale Yacht gechartert.

Mittwoch, 25.10.2017

So eine ruhige Nacht, herrlich.

Ein kleiner Gang um den anderen Teil der Insel, Brot kaufen, los. Angesagt war Nord zwei, geblasen hat es den ganzen tag mit Ost 5 bis 6. Auch gut, Segel beide gereift, zischten wir dahin. Die Sonne strahlte ab eins auch, seglerherz, was willst du mehr?

Ich Mampfte mein brot, das ich mir morgens hergerichtet hatte und Mandy fragte, ob ich schon wieder alles aufgeräumt hätte. Eigentlich schade meinte sie. Mandy hatte immer Hunger.

Thomas hatte backschaft. Er wäre lieber am Steuer gewesen, aber ich schickte sihn zum Kochen. Eine Suppe sollte es geben, aber nach fünf Minutenkam er wieder hoch. Also kochte ich  mit Christians und Evis Hilfe weiter. Und Thomas hatte keinen Hunger mehr.

Wir kreuzelten uns so hoch. Hoch an den Wind. Unsere almost free lief gut, wie immer und nacheinander hielten alle ein mittsgsschläfchen. Gibt es etwas Schöneres, als bei viel Lage und leisem Zischen des Windes in den Wanten zu knacken?

Was war denn das? Der Wind drehte, aber falsch für uns und nahm noch zu. Sauerei! So kam die Kalkulation der Ankunftszeit in Galaxidi nicht mehr hin. Wir suchten schon einen ausweichhafen und ich drehte und wendete den weiteren törnverlauf, wenn Delphi nicht morgen möglich war. Na ja, einen Reservetag hatten wir noch. Gerlinde und Mandys Gesichterwurden mit jeder Stunde länger, Evi und ich gaben nicht zu, dass es uns langsam lang wurde und Thomas steuerte mit wachsender Begeisterung. Christian schlief viel.

Endlich kam unser Kap in Sicht, deren Wind hatte  noch einmal ungünstig gedreht und da verloren wir die geduld: Motor an. Beide Segel standen noch gereift, wir schoben mit 2000 Umdrehungen mit und schaffte es damit, um 1815 in Galaxidi fest zu liegen.

Georgia, die Port autority, half beim Anlegen, empfahl gegen den frischen Wind noch eine spring zu legen und war sehr freundlich. 8,63 kostete das Liegen hier und noch einmal 7 für strom und wasser. Sehr preiswert, dieses Griechenland.

Thomas ging Mandy zur Hand und schon nach drei Stunden gab es das hühnchencurry, das gestern verschoben worden war.

Donnerstag, 26.10.2017

Der örtliche autovermieter übergab um neun Christian  den Schlüssel, unsere zitrone stand genau vor der almost free, wir packten warme Sachen ein und fuhren los nach Delphi.

Am ortsschild wollte Christian  das Fenster wieder oben  haben. Pustekuchen. Der Citroen wollte das nicht. Zurück. Gerade als wir nach fünf Minuten wieder am Hafen waren und der Motor ausgestellt war, was? Ging der fensterheber wieder. Auf zur Kultur.

Über Delphi etwas zu schreiben, ist müßig. Fahr her, lieber Leser, es lohnt sich. Die Beschreibungen waren in griechisch, englischund französisch abgefasst. Auch tafeln in braille erklärten den Blinden die Ausgrabungen. Mandy: alles gibt's, sogar blindenschrift, nur deutsch ist nicht dabei.

Es war angenehm kühl, im Museum etwas wärmer, aber in Arachidi fiel fast Schnee. Der wintersportort der Griechen war schon weihnachtlich dekoriert. Schlendern durch die hauptgasse. Shoppen. Ich erstand lammfellhandschuhe für 20 Euro. Sommerpreis. Im Winter würden sie 25 kosten.

Mandy hatte in Delphi schon gegessen, es war ja mittag, ich hatte für jeden einen  apfel dabei gehabt, aber einigen knurrte nachmittags um drei der Magen. Am platz gab es kuschelige riesige Kissen auf Bänken unter gasstrahlern. Dort nahmen wir eine kleinigkeit. Evi und ich teilten eine pizza, Gerlinde nahm eine Waffel, Mandy Pommes, Christian einen greek salad. Thomas? Verließ uns und verkündete bei seiner Rückkehr, dass er eine wunderbare moussaka gegessen hatte, hä?

Wir setzten die Rundreise fort, kamen dann doch noch am, vom autovermieter angepriesenen kloster vorbei und bestaunten die Ikonen. Ohne Schmarrn, diese waren wirklich ausnehmend kunstvoll. Acht vor fünf waren wir da, um fünf läutete irgendwo ein wecker. Das war die schliesszeit.

Zurück in Galaxidi zahlten wir die vereinbarten 50 Euro für die siebensitzige zitrone und ließen uns erklären, dass im Sommer ein Mieter Cola in den Schalter für den FensterHeber gekippt hatte. Aha.

An dieser Stelle des Berichtes passierte Entscheidendes: das Tablet, auf dem ich bis jetzt mehr schlecht als schlechter getippselt hatte, ließ uns die Datei nicht mehr finden. Geballte IT-Intelligenz auf dem Boot war nicht in der Lage, auf den Ordner data/user/hamcockword/tralla oder wie das komiche Schreibprogramm heißt zuzugreifen. Ich hatte es schon aufgegeben, da bot dieser Wordverschnitt plötzlich die Datei wieder an, der Befehl „senden“ lief aber ins Leere. Zu guter letzt kopierten wir den Text einfach in ein Mail. Dann schaltete ich einfach so aus Verzweiflung meinen Laptop noch einmal an. Oops. Ich bekam einen innerlichen Schreikrampf vor Freude, der Bildschirm war ganz normal blau, juchu.

Und drum schreibe ich ab jetzt wieder ganz normal dummes Zeug.

Souvlakihunger hatte die Crew und drum liefen wir den Hafen entlang und suchten eine Wirtschaft. In einer drehte sich ein Lamm am Spieß, das arme Ding. Trotzdem lief uns das Wasser im Mund zusammen, wir nahmen Platz. Zwei Kilo Wein bestellten wir. Ein Kilo Rot und ein Kilo Weib. So stand es in der Speisekarte: rot und weib. Chickengyros und Lammsouvlaki bestellten wir, aber der alte Wirt schüttelte den Kopf, als wir fragten, ob das auch von dem Lamm am Spieß sei. Das sei bestellt. Was?

Das Tzaziki schmeckte sehr quarkig, die Lammministückchen am Spieß waren eher zäh, aber es war sehr lustig und satt wurden wir auch. 72 Euro.

Am Schiff spielten wir noch eine rauf und runter Runde Dschungelbridge und schliefen dann selig im total ruhigen Galaxidi.

Freitag, 27.10.2017

Die Sonne strahlte über uns. Gerlinde lief noch schnell, Knoblauch nachkaufen und dann machten wir uns um 0915 vom Acker. Diese Nacht hatten wir zechgeprellt. Georgia hatte keine Anstalten gemacht, von uns noch einmal Geld zu wollen. Auch gut. Wir motorten ein Stück, versuchten dann zu segeln, gaben aber bei 0,8 Knoten Fahrt und einer Strecke von mindestens 25 Seemeilen auf. „Mach mal den Motor weniger!“ forderte Thomas „Die Karten fliegen ja weg.“ Wir spielten.

Weil die Vorhersage für morgen nachmittag Regen meldete, wollten wir schon heute durch den Kanal, dann früh nach Aegina und den regnerischen Nachmittag dort verdaddeln. Also motoren, stundenlang.

Mittags kochten Evi und ich alle Reste, die traurig im Kühlschrank gewartet hatten zu einer Traumsuppe zusammen. Dazu Knoblauchtoast aus der Pfanne, dann ein Schläfchen für jeden. Thomas stand tapfer am Autopilot und beaufsichtigte die Fahrt.

Um drei wollte der berühmte Nachmittagswind dann doch. Mit ein paar lausigen Knötchen blies er van hinten. Wir stellten die Segel auf Elefantenohren, sorry, Schmetterlingsstellung und sausten mit drei Knoten stracks Richtung Korinth. „Was issn das für ne scheußliche Stadt?“ fragte Evi. „Loutraki“ las ich aus dem Kartenplotter vor.

„Für was hab ich mich jetzt seit fünf Stunden bemüht, genau die Ankunftszeit am Kanal einzuhalten?“ meckerte Thomas, aber leise. Ich sollte in mein Törnhandbuch am Anfang einen Satz schreiben: „Wer segeln möchte, muss damit leben, dass sich von jetzt auf gleich alles ändert. Das tut der Wind ja auch.“

Thomas funkte den Kanal an. Antwort: hängt euch hinter den Frachter. Nur, dass der schon fast am Eingang war und wir 2,5 Meilen davor. Kurz vor der Einfahrt in den Kanal funkten wir noch einmal. nun hieß es, wir sollten 45 Minuten warten. Mit kleinster Genua segelten wir links und rechts und links …. Und dann kam ein Ruf vom Kanalmeister: es dauert noch eineinhalb Stunden. Nein, das war uns zu spät. Die Sonne ging um halb sieben unter und im Dunkeln ankern auf der anderen Seite wollte ich nicht.

Wir setzten die Segel wieder ganz und zielten auf Korinth zu. „Soll ich den Funk ausmachen?“ fragte Thomas. „Nein, lass ihn mal an, die überlegen sich das oft nochmal“. Ich sprach aus Erfahrung. Und prompt nach fünf Minuten ein Ruf aus dem Funkgerät: „Almost free, come to the entrance in five minutes!“ Aha, innerhalb 20 Minuten hatte der master of deseaster dreimal seine Meinung geändert.

Die gelbschwarze Brücke war schon nach unten gefahren, ein schöner Zweimaster kam gerade darüber gefahren und wir, schwupps, rein in den Kanal von Korinth.

Ganz alleine hatten wir bei dieser Passage den Durchstich für uns, die Abendsonne tauchte die steilen Wände in goldgelbes Licht und die Crew stand staunend am Vordeck. Hatten wir es doch noch heute geschafft. Am Ausgang in den Saronischen Golf mussten wir anlegen und 210 Euro abdrücken. Weil schon wieder ein Frachter entgegen kam, musste ich mir einen Anraunzer gefallen lassen, die Almost free soll mal ein bisschen schneller an den Kai. Is ja jut.

Die Hunde des Isthmos begrüßten uns, einer wollte gar nicht mehr von meinem Bein weg, aber nach fünf Minuten waren wir schon wieder weg. Gleich rechts ums Eck ankerten wir auf 8 Metern vor einem hässlichen Hotel, die Sonne war mittlerweile weg, die Öltanker auf Reede waren unsere schöne Aussicht. Egal, wir verzogen uns sowieso nach unten zum Essen. Gerlinde bastelte an einem Kartoffelgratin mit Gemüse. Eine Rauf und Runterrunde Dschungelbridge.

Samstag, 28.10.2017

Eine wunderbar ruhige Nacht war das gewesen mit sanftem Geschaukel ab und an, ich sah um Punkt acht Uhr die Sonne über dem Horizont blutrot aufgehen. Zufällig hatte ich im Morgenschlaf den Kopf gehoben und durch das kleine Fensterchen geschaut.

Mandy plantschte schon im klaren Wasser herum, Gerlinde schwamm um den Bug herum und winkte ins Fenster, Christian brachte mir wie jeden Tag, Kaffee ans Bett und Thomas rührte schon seinen Pfannkuchenteig an.

Es gab amerikanisches Frühstück. Spiegeleier, pancaces und bacon, oder sollte ich einfach Speck schreiben? Die Nutella floss reichlich, aber nicht auf meinem Teller, da puderte ich die Eier mit hot paprika.

Anker auf und los. Schmetterlingssegel zogen unser braves Mädchen gen Aegina. Nach einer Saison sah die Bavaria50 schon etwas lädiert aus. Es war so einiges kaputt gemacht worden seit ich im Juni das Schiff nach Lefkas gefahren hatte. In fünf Monaten hatten es die Crews geschafft, Kühlschranktüren zur Hälfte auszureißen, Heckduschenhebel zu knacken und sogar Wasserhähne mit Gewalt so weg zu drehen, dass das Metall gerissen war. Unglaublich. Und das sind nur Beispiele. Na ja, die wichtigen Dinge liefen schon und dass die Elektrik Alarm schlug, weil angeblich der Fäkalientank voll wäre, ist ja normal. Wer gibt schon etwas auf Instrumente. Logge und Anemometer gingen auch nicht, auch normal. Nur, dass der Verklicker am Masttop wegrasiert war, ärgerte mich etwas. Ich hatte als Ersatz meine Deutschland-Bayern Fahnen aufgezogen.

Wieder kurz vor knapp legte Christian uns in Aegina-Stadt an. Dann bezog der Himmel und auch die Windvorhersage lag dieses Mal richtig: es blies. Ich lief durch mein Aegina, die Kirche links am Hafen hatte ich noch nie besucht. Drinnen sangen Männer einen monotonen Singsang. Ich setzte mich auf einen unbequemen Stuhl und hörte. Einer sang einen Bordun, der andere schnellen Text darüber. Alles mit Mikrofon, wieso denn bloß? Dann kam ein Priester in wunderschönem Ornat, schwang das Rauchfass und blabbelte in den einstudierten Pausen Text, griechisch. Dann sangen die beiden jungen Männer wieder, wechselten einander ab im Tonhalten und Textsingen, es war richtig meditativ. Diese Vesper, oder wie soll ich sie nennen, wurde eben abgehalten. Besucher waren genau drei alte Weiblein und ich. Genau wie daheim.

Mist, als ich noch ein Kerzlein angezündet hatte und vor die Kirche trat, regnete es in Strömen. Ich wartete noch fünf Minuten, aber dann platschte ich mit meinen Klapperl durch die tiefen Pfützen nach Hause, sorry, nach Schiffe.

Wir spielten wieder Karten, wunderbar, und dann bereiteten wir das Dinner. Salat, Brot, Sardinen.

Sonntag, 29.10.2017

Die Nacht war fürchterlich. Dröhnen bis früh um vier. Die Aborigines feierten den Oxi-Day. Ja, es war wirklich Feiertag am Samstag gewesen. der Tag, an dem die Griechen 1940 zu Mussolinis Überfallgelüsten „Oxi“ gesagt hatten. Lieber Leser, wenn es Dich interessiert, wie das war, befrage Tante Google.

Jedenfalls schliefen einige diese Nacht schlecht. Umso schöner war der Morgen, als sich die Restwolken verzogen hatten. Bei der Gemüsefrau meines Vertrauens kauften wir allerlei nach, sie steht Tag für Tag an ihrem Schiff, das hier vertäut ist. Ich glaube, das würde ich nicht wollen. Sie gewahrte mich, riss die Arme auseinander und drückte mich fast kaputt. Jetzt wisst Ihr, warum ich so gerne hier bin.

Erst einmal baden! Wir ankerten gleich am Hafen ums Eck vor den Klippen. Ende Oktober im Meer über Sand im türkisgrünen Wasser die Haare zu waschen, das ist der wahre Luxus des westeuropäischen Lebens, oder? Ging‘s uns gut?

Ums Eck von Aegina kam dann ein lustiges Windlein auf. Wir segelten mit 6 Knoten unserem Ziel entgegen, straight on. Bis vor die Hafeneinfahrt. Evi kommandierte und fuhr einen gekonnten Anleger. Glernt is glernt.

Seit drei Uhr briet ein Gemüseberg, gekrönt von Rindfleischscheiben im Ofen, wir kochten nur noch Kartoffeln dazu und fertig war der letzte Abendschmaus.

Diese Überführung bot alles, was wir uns gewünscht hatten, nur den Regen, den hatten wir ausgelassen.

 

Schiff:  Bavaria 50 ALMOST FREE

    • Route:  Lefkas, Ormos Desirou, Ithaka, Patras, Nafpaktos, Patras, Trizonia, Galaxidi, Kanal von Korinth, Ankerplatz vor Kanal, Aegina, Athen.
  • Seemeilen:  271, davon 80% gesegelt

Motorstunden:  25

Bordkasse: 200 Euro