Oh, wat is dat schoin
Einmal Delos und zurück
Angenehme Temperaturen im griechischen Frühling

Delos

Mittwoch, 3. Mai 2017

Der bestellte Einkauf bei http://store.yachtness.com war schon am Steg angekommen. Ich hatte von zuhause aus die Grundnahrungsmittel übers internet bequem vom Sofa aus geordert, vor allem die schweren Sachen: Wasser, Bier, Kartoffeln, viel Gemüse, das vom Preis her nicht viel teurer als im Laden war. Thomas Bellos, der Chef des startup-Unternehmens, erwartete mich schon und gemeinsam mit Mandy und Ulrich schafften wir den Proviant an Bord. 165 Euro zahlte ich für den Ersteinkauf, das ging wirklich. Ich vergebe einen Like an Thomas:
Christian kam um drei an, hievte seine Tasche an Bord und schon ging‘s los. „Nimm ein Bier und setz dich hin!“ bot ich ihm an. „Wir drei machen den Ableger.“

Christian schaute ein bisschen ungläubig, aber da hatte Mandy schon die Muring losgeworfen, Uli die eine Achterleine und ich die andere. Den Rest machte das geniale Bugstrahlruder unserer Bavaria 50 mit dem schönen Namen ALMOST FREE..

George, der Eigner winkte uns vom Nachbarschiff aus zu und schon hatten wir die Marina verlassen. Die Schiffsübergabe hatte sich sehr einfach gestaltet: „All is how everytime.“

„So schnell war ich noch nie von einem Steg weggekommen!“ freute sich Christian und half dann, das Großsegel aus dem Mast zu ziehen. Er konnte einfach nicht da sitzen und zuschauen. Zwischen 5 und 7 Knoten schaffte mein altes Mädchen mit einem angenehmen 4er Wind aus Südwest. Genau da wollten wir aber hin und kreuzten eben unter der nachmittäglichen griechischen Sonne. „Is dat schön!“ Mandy streckte die Beine in die warmen Sonnenstrahlen.

Wir erzählten uns, wer wir sind, sprachen über dieses und jenes, tranken ein Bier oder wahlweise Wasser und kamen um halb sieben an einer Stelle an, die uns zum Ankern geeignet erschien. Luftlinie waren es nur sieben Meilen, aber durch die Kreuzerei hatten wir 18 Seemeilen hierher gebraucht.

Großsegel weg! Mit kleiner Genua tasteten wir uns in die weite Bucht. In gebührendem Abstand zum Stromkabel, das unter Wasser lag, fiel auf 7 Metern der Haken, nachdem das Vorsegel ganz weggerollt war und ich das Schiff in den Wind gestellt hatte. Mandy ließ 50 Meter Kette ab und dann warteten wir einfach. Der Abendwind drückte und drückte und irgendwann zog es den Bug gewaltig Richtung Ankerstelle. Gefasst! Trotzdem ließ ich kurz den Motor an und fuhr das Eisen mit gut Gas rückwärts ein. Ich wollte ja ruhig schlafen.

Zuerst saßen wir mit einem Ankerschluck noch eine lange Weile da und dann bastelten wir gemeinsam Spaghetti mit buntem Gemüse. Mandy: „Oh, wat is dat schoin!“

 

Donnerstag, 4.5.2017

Bucht namenlos vor Vougliameni – Kap Sounion

sonnig, 22°    20 sm/7:30h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Bucht - - - -

    • Bemerkung  so a scheena Dog

Morgens um fünf schwellte es. Oh, die ALMOST FREE rollte und meine Kilos rollten mit. Von der einen auf die andere Seite, nur nicht dagegen wehren. Da reicht ja ein Fischkutter, der in 5 Meilen Entfernung draußen vorbeifährt und uns die eine Welle stehenlässt. Wo man schon einmal wach war, konnte man gleich aufs Klo. Den anderen ging es wohl genauso, denn auf einmal ratterten aus drei Toiletten drei elektrische Klospülungen. In drei Tonhöhen.

Christian brachte mir Kaffee ans Bett, wow. Wo ich doch gestern nur ganz kurz angedeutet hatte, dass das Pluspunkte bringen würde. Mandy entstieg der Ägäis, Uli hielt die Nase in die Morgensonne, das war ein Leben! Einen Fuß streckte ich ins Wasser, puh. Egal, rein, brrr. Christian brauchte noch zehn Minuten zum Überlegen und kam dann mit dem Handtuch an. „Oh Mist, dann muss ich wohl auch!“ meinte Ulrich. Wir beruhigten ihn, dass es ja keinen Gruppenzwang gäbe, aber er wollte uns wohl nicht nachstehen und tauchte auch kurz unter. Kurz.

Wir frühstückten noch und machten uns um zehn auf in den fast windlosen Vormittag. Wir hatten ja Zeit, das Tagesziel war bloß 20 Meilen entfernt. Es ging schon damit los, dass wir aus der Bucht hinter dem Kap Kavouri hinaus kreuzten. Mit 1,1 Knoten. Und niemand meckerte! Toll! Mandy richtete eine Schüssel Salat.

Und als wir so übers glatte Wasser die Blicke streifen ließen, gewahrten wir schwarze Dreiecke, die immer einmal wieder auftauchten. Nein, es umschwärmten uns keine Haie. Drei große Tümmler, Schweinswale oder Delfine, wie sie auch genau heißen mögen, schwammen geradewegs auf uns zu. Sie glitten vielmehr majestätisch durch das unbewegte Wasser, beguckten sich uns und weil wir nichts Interessantes zu bieten hatten, vergnügten sie sich dann wieder mit sich selber. „Mist, nix drauf!“ beschwerte sich Christian, der versucht hatte, die schönen Tiere abzulichten. Ich mache ja schon lange keine Delfinfotos mehr und sehe sie mir stattdessen gleich an Ort und Stelle an. Mandy: „Oh, wat is dat schoin!“

Nach fünf Stunden der Langsamkeit des Seins waren wir immerhin schon acht Meilen weiter und passierten die Nisos Arsidha und um 17 Uhr, also nach weiteren zwei Stunden suchten wir den Wind hinter der Insel Gaidhouroniso. Jetzt brauchten wir doch für drei Minuten den Motor. Warum? Auf deiner der drei Fischfarmen, die wie riesige Swimmingpools aussehen, arbeiteten Männer. Auf unser Geschreie, ob sie uns denn Fisch verkaufen wollten, hatten sie zustimmend gewinkt. Wir bargen das Großsegel und dann fuhr ich mit schlabbernder Genua rückwärts auf Berührnähe an die aufgepumpten Schläuche, die die Gefängnisnetze für die Fische halten heran. Wir übergaben die vereinbarten zehn Euronen und bekamen dafür einen großen Plastiksack mit vier zappelnden Doraden. „Und die erschlagt ihr mir jetzt soooofort!“ forderte ich meine Crew auf. „Es reicht schon, dass alle anderen im 25-Kilo-Gebinde jämmerlich aufeinander ersticken.“ Mit harten Schlägen mit der Winschkurbel erledigte Christian die Morde und als wir wieder segelten, nahm ich die Prachtexemplare von Doraden am Heck aus. Achtung, flutsch, da bleibst!

Der Ankerplatz unterhalb des Tempels am Kap Sounion war schon gut gefüllt, als wir dort kurz vor sieben anlangten. Für die 20 Meilen hatten wir mit ohne Wind schlappe siebeneinhalb Stunden und keinen Tropfen Diesel gebraucht. So muss segeln!

Es gab mein selbst gebackenes Brot von zuhause, Salat und für jeden einen 400-Gramm-Fisch. Satt. Dann spielten wir ein paar Runden Räuberrommé und überlebten das monotone Dudung Dudung Dudung der Disco am Strand, das bis Mitternacht über die Bucht schallte. Dabei ist es doch erst Mai und Donnerstag und noch keiner da, komisch.

 

Freitag, 5.5.2017

Kap Sounion – Lavrion – Korissa/Kea

Halb bewölkt, dann sonnig, 22°    25 sm/7:00h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Hafen - - gratis in Lavrion und in Korissa -

    • Bemerkung  Tempelstürmer mussten paddeln

Ein bisschen schaukelig lag man hier, aber nicht schlimm. Christian hatte sein GPS die ganze Nacht laufen lassen und meinte: „Wir haben heute Nacht eine Meile gemacht, so haben wir uns hin und her gedreht.“

Meine Dreiercrew machte sich auf zum Tempel des Poseidon, der seit 444 vor Christus auf dieser exponierten Stelle thront, nur mit dem Außenborder wollte es nicht so ganz hinhauen. Zuerst war es eine akrobatische Höchstleistung, das schwere Teil überhaupt am Beiboot zu befestigen, dann sprang er sogar an, um anschließend den Dienst zu verweigern. Dem eigentlich überladenen Flüchtlingsboot war das egal, es ließ sich halt den weiten Weg zum Ufer paddeln.

Ich machte ein paar Fotos, schaute den zahlreichen Motoranwerfaktionen solange zu, bis ich meine Mannschaft sicher auf dem Weg wusste und machte es mir dann zum Schreiben mit einem Pfefferminztee gemütlich.

Uiuiui, an diesem Tag passierte noch so einiges. Mein Telefon schepperte, Uli war dran: „Wir haben ein Problem, der Motor will nicht.“ Ich: „Ok, ich komme euch entgegen.“

Erst zog ich die Badeleiter hoch, bändselte meine Haare zusammen, zog ein Shirt an ohne herumhängende Schnürln an der Kapuze und startete den Motor. Und dann schlichtete ich die 60 Meter Kette in den Ankerkasten, gleichzeitig die Fernbedienung bedienend, einen ständigen Rundumblick im Gesicht, damit mein Schifferl nicht irgendwo hin treibt, ohne dass ich das will.

Fünfzehn Meter zum Heck gejumpt, steuerte ich die ALMOST FREE näher zum Strand, wo meine Crew sich mit rudern abmühte. In einem Dingi, das vor lauter vieler Kilos dreier Menschen knapp am Schwanken war. Schwanken hab ich gesagt und knapp.

Dumm war nur, dass meine Bavaria 50 ein richtig langer Kübel ist und das Ziel meines Begehrs zwischen zwei Ankerliegern war. Ich drehte also um und fuhr die Chose rückwärts an.

Die Leine vom Beiboot zu mir war über, aber mein Nachbar gefährlich nahe. Vollgas vorwärts, das Beiboot viertelt (ist kein gescheites deutsches Wort, ich weiß) mit Wasser voll und meine Mannschaft war nass. Aber, wir waren frei. Wieder hatte ich vergessen, dass ich ein Bugstrahlruder besaß, aber so war es auch gegangen.

Weil der Wind so drückte, versenkten wir noch einmal ein kurzes Stück Ankerkette, um den Außenborder, das schwere und unfolgsame Stück wieder an seinen Platz am Heckkorb zu bringen.

Christians Foto in der Hosentasche hatte eine Dusche bekommen, alle waren pitschpatschnass und vom Rudern erschöpft, aber glücklich, am Tempel gewesen zu sein. Sagten sie jedenfalls. Nun standen am Tempelberg drei Busladungen Menschen in einem Pulk, es war elf Uhr.

Nur die Genua schubste die ALMOST FREE um das Kap Sounion herum, während Christian Spaghetti aglio olio bruzzelte, schmatz und mittags 1315 hatten wir in Lavrion festgemacht. Gnädigerweise durften wir hier für ein paar Stunden liegen, weil der Steg für die Schiffe einer Chartercompagnie reserviert war, die freitags alle zurückkehren mussten. War eine Bö durch, merkte man, wie warm es eigentlich war. Mandy und ich trotteten zum Einkaufen los. Zwischendurch fragte jemand, ob denn der Außenborder auch einen Benzinhahn hätte. Tja, wer paddeln will, lässt den halt einfach zu.

Beim Bummel durch Lavrion erstand ich eine Simkarte von Wind zum Internetten an Bord, die Gemüsevorräte waren aufgestockt und ein Pfund Kichererbsen hatte ich auch entdeckt. „Was machste denn damit?“ wunderte sich Mandy.

Pünktlich um vier traf Peter ein, unser fünfter Mann. Er war mit dem Flughafenbus gekommen zum einzig verfügbaren Zustiegsort, den wir so planmäßig erreicht hatten. Ein Bier in der Hand saß er da und schaute uns beim Ablegen zu. So hatten wir es ihm angeboten. Mandy: „Oh, wat is dat schoin!“

Südwest fünf schob uns um die Nordspitze Makronisos‘ herum und nur mit der Genua erreichte die Bavaria 50 9 Knoten. Ja, neun. „Kaum bin ich da, krieg ich gleich sowas geboten!“ Peter stand die Freude im Gesicht. Die Sonne strahlte auch und weil es noch fast zehn Meilen bis Korissa auf Kea waren, verzog ich mich zum Lesen ins Bett.

Was ich nicht mitbekam, weil ich eingenickt war, war der abnehmende Wind. Im Ganzen brauchten wir nämlich dann doch vier Stunden bis Kea und trafen dort um Punkt acht Uhr ein. Es war gut Platz am Steg, mittlerweile wieder Böen mit 5 und Christian wollte den Anleger versuchen. Der Anwärter auf den SKS-Schein sollte ja auch bei diesen Bedingungen üben dürfen.

Zuerst hampelten die Skipper der anderen Boote herum, weil sie meinten, unser Anker läge über ihren Ketten, dann standen wir schon fast in der Lücke, war die Kette zu kurz und bremste uns ab. Beim Wiederhinausfahren aus der Lücke kam unser Heck der Steuerbordnavigationslampe des Nachbarn zu nahe und schrapp, war dieselbe abgeschrappt.

Neuer Anlauf, jetzt schrie ein anderer an Land wegen unserer Kettenrichtung. Ja, es ist gar nicht so leicht, bei Seitenwind so einen schweren Kübel an die richtige Position zu bringen. „10 Meter Kette mehr!“ Nun war die Kette wieder zu kurz, wir brachen ab. Den dritten Versuch machte dann doch ich. Sorry.

Die Verhandlungen mit dem polnischen Eigner der geschädigten Yacht über das Lamperl und zwei unsichtbare Kratzer in seinem Gelcoat gipfelten dann bei 156 Euro. Schwamm drüber, shit happens.

Zur seiner Beruhigung fing Christian sofort an, Hühnerfleisch zu schnetzeln und uns bald ein wunderbares Essen zu servieren.

Samstag, 6.5.2017

Korissa/Kea – Ormos Delphinos/Syros

sonnig, 22°    37 sm/9:00h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Bucht - - - -

    • Bemerkung  wat is dat schoin

„Lass mich grad mal ein bissl rückwärts fahren!“ Christian wollte ein besseres Gefühl für unseren 12-Tonner kriegen und rangierte die 50er Segelyacht im Hafenbecken herum. Dann zogen wir die Segel aus ihren Nestern und starteten den heutigen Trip mit halbem Wind. „Lasst beide Segel raus zum Halbwindkurs!“ Ulrich suchte sich das richtige Schnürl und meinte: „Das will nicht weiter raus.“

Peter psalmodierte: „Und wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Peter her!“ und stand auf, um Ulrich zu helfen, die Großschot weiter zu fieren, als die eigentlich wollte.

Mandy war heute als Tagesskipper dran und erfüllte ihre Logbuchschreibepflicht gewissenhaft. Sie fragte alle möglichen Zahlen aus dem Cockpit ab. „Wind? Von wo? Wetter? Schön. Kurs? 10 Grad, so kahalt? Standort? Mitten im Wassä!“ Auch mit gaaanz wenig Fahrt konnte meine Mannschaft lustig sein.

Eine kleine Weile Schmetterlingssegeln machte ja Spaß, aber die Richtung passte nicht so ganz. Das Tagesziel war Syros oder Tinos, mal sehen. Ich stellte meine eingeweichten Kichererbsen im Dampftopf auf. Auf diesem Schiff gibt es einen Dampfdrucktopf, warum? Weil ich den im letzten Jahr von zuhause mitgebracht und spendiert hatte.

Während des vormittäglichen Dümpelns schmausten wir die Reste meines selbstgebackenen Brotes mit Salami von Peter und Käse von Edda. Edda ist meine nette und fürsorgliche Gesangsschülerin. Ulrich, unser Physiker, versuchte ein paar Kurse zum Wind, die Nullkommaeins mehr Speed bringen sollte. Peter lachte sich schepperich über den Begriff Speed. „Du meinst wohl ein Speedchen?“ Von unten hörten wir eine Klospülung und das brachte Ulrich auf die Idee: „Das wäre wohl das tollste Regattadoping, das niemand merkt: alle Toilettenwasserpumpen laufen gleichzeitig.“

Bin wirklich gespannt, wann die leise Frage nach dem Motor kommt, zeitweise lag sie sogar mir auf den Lippen, aber ich schluckte sie hinunter. Christian dirigierte gerade die Restcrew, um die Holepunkte für die Genua zu verstellen, süß! „Trag die Genua rüber!“ kommt von oben. Mandy: „Es blääääht sich doch, das Segel, es blääht sich.“

Etwas Runzliges schwamm im Wasser. Als es abtauchte, das Runzlige, identifizierten wir das Tier als Schildkröte, eine kleine nur. „Peter, dreh bei!“ Gaanz langsam trieben wir auf Klytämnestra zu, so nannte ich sie bei mir. Sie besah sich uns und als uns nur noch fünf Meter trennten, traute sie dem Braten nicht mehr und tauchte auf einen Meter ab. Die Sonne stand hoch um 12 Uhr und so gelangen uns ein paar tolle Fotos. Wären wir mit sieben Knoten durch die Ägäis gepflügt, hätten wir weder Delfine noch Klytämnestra erlebt – glaub ich.

Um in der windlosen Zeit nicht verrückt zu werden, holte ich die Spielkarten heraus. „Wirst sehen, wenn wir anfangen, kommt der Wind und bläst uns die Karten vom Tisch!“ Christian hatte fast recht, der Puster kam, ein janz kleenet büschn. Nach sechs oder sieben Spielen fing Christian zu gähnen an. „I leg mi a bissl aufs Beiboot.“ Sprach‘s und zog das T-Shirt aus.

„Da musst du aber aufpassen, dass du oben bleibst!“ „Das wäre die richtige Position zum Fettabsaugen!“ „Es gibt ja auch jetzt Übergrößen für Särge!“ Dann hatte Christian endlich seine Ruhe. Ich schreibe jetzt nicht, wer was gesagt hat.

Halb zwei, Wind. Südost drei brachte 5 bis 6 Knoten Fahrt, die ALMOST FREE schiebt auch bei wenig Wind immer gut an. Syros, wir kommen.

Für zwei hatte ich der Mannschaft Artischocken versprochen. In Lavrion hatte ich fünf Stück zu 59 Pfennig eingekauft, dazu Mayo zum Dippen. Peter kam in die Küche: „Gibt’s hier was zum Schnipseln? Du hast doch was von Artischocken erzählt!“

Sie mundeten, die Frühlingsfrüchte!

Ormos Delfinos an der Westküste Syros‘ empfing uns völlig leer, nur einige nackerte Bader stapften im Wasser vor den Strandschirmen herum, die um diese Jahreszeit noch kein Tourist benutzte. Wir waren allein, ankerten und badeten erst einmal. Christian hatte sich nachmittags ja eine Körperpflegebucht gewünscht. Haare frisch, ahh!

„Die Wurzeln bieten einen gewissen Zusammenhalt der Zwiebel!“ Ulrich verwies auf Fernsehköche, von denen man das lernen konnte, auch auf Youtube wäre das zu sehen. Die Kocherei meiner Crew war lustig anzuhören und ich gab keinen einzigen Laut von mir. Das will was heißen.

Ulrich kalauerte: „Der Tisch hat zwei Vorteile. Wenn es schaukelt, hat er einen Rand, wenn es nicht schaukelt, hat er keinen Rand.“ Der Salontisch hatte leider keinen Rand. Aber die Welle in unserer Bucht hielt an sich und trieb es nicht zum Äußersten. Außerdem habe ich den Satz nicht verstanden. Wir schmausten Peters Menü aus Salat, Gröstl und Wein. Schlecker.

Es schwellte dann doch ordentlich beim Abendbrot im Abendrot. „Das wird eine unruhige Nacht!“ meinte Mandy. „Dann musst du dich im Bett nicht wälzen.“ entgegnete Ulrich. „Das sollte man in allen Altersheimen so einführen, das beugt Wundliegen vor. Später. „Ich möchte mein Grab quer zur Welle, dann kann ich mich auch nicht wundliegen. Und vorne festgebunden, sonst rotier ich im Grab. Manchen Leuten sagt man das nach. Wenn man ihre Kunstwerke niedermacht, wenn sie gestorben sind.“

Ganz langsam hörte das Rollen des Schiffes auf, unmerklich und dann schliefen wir gut.

 

Sonntag, 7.5.2017

Ormos Delphinos/Syros – Ermoupolis/Syros

diesig, 22°    28 sm/5:30h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Hafen 17 € im Preis im Preis 2 €, Skipper frei

    • Bemerkung  Thanasis ist ein sehr netter harbour manager, so stehts auf seinem Shirt

Schlaftrunken sah ich aus dem Backbordfenster meiner Kajüte und sah Mandy vorbeischwimmen. Unsere Ormos Delfinos lag still in der Morgensonne. Die Wettervorhersage für diesen Tag orakelte etwas von zunehmendem Süd-Südwestwind. Peter, Tageswache, schmökerte sich durch das Hafenhandbuch und gemeinsam entschieden wir uns für Ermoupolis, Tinos oder Paros. Ja, was denn nu? Auf alle Fälle wollten wir die Nacht mit angesagten Böen bis Stärke 8 lieber in einem Hafen verbringen. Weicheier? Nein, nur Komfortschläfer.

Mandy führt gerade unsere ALMOST FREE entlang der Windkante gen 220 Grad und nutzte den Südwind 4-5 sehr gut aus. Wir düsen mit 6 Knoten. Meine Crew ist klasse!

Am Südspitzerl von Syros briet ich dann meine gekochten Kichererbsen, aber als die alle weg waren, sagte Mandy zum ersten Mal nach einem Essen nicht „gerettet!“, sondern ging in die Küche und röstete die übrigen Kartoffeln aus dem Kühlschrank ab und als die beiden Tellerchen aufgeputzt waren, schnitt sie Melone auf. Dann war auch sie für wenige Stunden wieder gerettet.

Der Wind drehte für uns günstig um die Insel mit und so standen wir um zwei vor Ermoupolis, der Hauptstadt der Kykladen – Hermesstadt sozusagen. Wollten wir nicht einmal ein paar Kringel fahren? So zum Üben?

Christian repetierte die Kommandos und ließ dann die Mannschaft arbeiten: Segel dicht zum Amwindkurs, Wende, Auffieren zum Halbwindkurs, noch weiter auffieren zum Raumschiffkurs, äh, Raumwindkurs, Halse und das ganze Kreiserl fertigfahren.

„Peter, willst du auch?“ Mandy zwinkerte ihm aufmunternd zu. Also noch ein Kreis vor einem roten Tanker, der hier vor dem Hafen seine Riesenkette auf 50 Meter geschmissen hatte und auf irgendetwas wartete. Der Wind hatte während der Überei schon kräftig zugenommen und wir hatten zuvor beide Segel auf die Hälfte verkleinert.

Und dann liefen wir in den weiten Hafen von Syros-City ein. Am Kai hatten sich ein paar Yachten und Katamarane so quer verspannt, dass bestimmt sechs oder sieben Plätze damit versperrt waren. Meine Güte, welchen Wind erwarteten die denn? Der Hafenmeister im schwarzen T-Shirt pfiff und winkte uns genau an dem Platz, den wir uns sowieso ausgeguckt hatten. Den Anleger fuhr ich diesmal lieber selber, legte 60 Meter Kette und dann lagen wir neben einer 48er mit rumänischer Besatzung. Es gibt keine kleinen Schiffe mehr! Katamarane mit 52 Fuß, Einrumpfer 46, 47, 49, 52. Alles unter 40 Fuß kommt im Mittelmeer scheinbar nicht mehr vor und die sehen im Vergleich aus wie Nussschalen. Das war noch vor fünf Jahren anders. Wo sind denn eigentlich die ganzen Plastikübel hin?

Thanasis, der Hafenmeister, lobte mich „You are very strong! Bravo!“ Nein, kein Scheiß, das hat er wirklich gesagt. Und dann sagte er etwas von 8er Wind abends. Ja, drum waren wir ja hier. Wir legten noch eine Querleine am Heck, damit der Landsteg wenigstens zwei Zentimeter über die Kaimauer ragte und zogen den Anker aber sowas von dicht.

Wir liefen jeder ein bisschen spazieren in die Oberstadt, zum Hügel mit der katholischen Kirche, andere auf dem Berg, wo die orthodoxe Kirche thronte, und ich meistens am Kai entlang. Ich wollte ja Thanasis beistehen, der mit seinem Elektrofahrrad hin und her düste. Es war mächtig was los, er schimpfte über die Springs quer über den Hafen von Schiffen, deren Skipper weit und breit nicht zu sehen waren und dirigierte die Neuankömmlinge. Ich nahm ein paar Leinen an und so konnte er schneller weiterdüsen zum nächsten Platz. Der Wind hatte schon merklich zugenommen.

Wir lagen gut und drum trauten wir uns, in ein Restaurant zum Essen zu gehen. Mandy hatte kurz vorher noch etwas gegessen, weil ihr Magen das so wollte und dippte nur ein bisschen in den Vorspeisen herum, während wir anderen richtig zuschlugen mit Steak, Lambchops, Squids und Kebab. Ich bekam drei scharfe und sehr salzige Hackfleischwürschtl auf einem labbrigen Pizzabrot, überdeckt von einem riesigen Klecks Vollfettjoghurt. O je. Ich hatte gedacht, ich bekäme so Fleischschnetzel vom Grill. Falsch gedacht. 95 Euro für vier Essen, 2 Vorspeisen, 2 Salat, 2 Liter Wein.

Komischerweise mussten wir die Ankerkette noch einmal gescheit durchsetzen, aber dann spielten wir ganz beruhigt ein paar Runden Karten. An doofen Sprüchen war kein Mangel: „Kinder, die was wollen, kriegen was an die Bollen. Kinder mit nem Willen kriegen was an die Brillen. Im Münsterland, an und für sich ganz katholisch, gabs…….Man kann sich doch mal ne Karte ausdenken, deren quadrat minus eins ist. Oder?“

Die Disco wummerte vor sich hin, aber erträglich.

Montag, 8.5.2017

Syros Ermoupolis – Mykonos-Stadt

bewölkt, 20°    32 sm/5:45h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Bucht - - - -

    • Bemerkung  direkt vor den Windmühlen, wat is dat schoin

Die Nacht war abgesehen von dem Discogewummer sehr ruhig. Peter, Mandy und Ulrich kauften ein, Christian und ich duschten. Mein lieber Thanasis berechnete 16,63 € für die Nacht inklusive Strom und Wasser und einer Dusche für den Skipper und bedankte sich bei mir für die gestrige Hilfe. Dabei hatte ich gerade mal zwei Leinen angenommen, das musste ihn wohl beeindruckt haben.

Beim Ablegen stand er bei uns am Kai und schärfte meiner Crew ein, immer alles sofort zu tun, was ich anschaffte. Grins. Da hab ich wieder einen Hafenfreund mehr.

Wir setzten Genua und halbes Groß, fegten mit 5,5 Knoten 100 Grad entlang unter dichter Wolkendecke mit Ziel Delos dahin.

Ulrich las Geschichtliches über Delos vor: die Insel schwamm, eine Schwimminsel also, und nur so konnte Leto dort vor Hephaistos fliehen und gebar dort Artemis und Apollo. Dann kam Onkel Zeus und befestigte die Insel auf vier diamantenen Säulen. Christian: „Vielleicht find ma de!“ Der Tempel sei 23 Komma was Meter lang und 13 komma was breit. Ich trug dazu ein Schlagwort bei: goldener Schnitt. Sofort suchte Ulrich die Formel dazu (a + b / a) oder eben 1-2-3-5-8-13-21 und so weiter, was ich in der Zwischenzeit und ohne Formel aus den Architekturvorlesungen noch wusste. Eigenlob stinkt schon wieder ziemlich.

Am Ende des Delosvortrages kam dann: „Das Gelände ist am Montag geschlossen.“

Am Vortag hatte ich, warum auch immer, etwas von der Bürgersaalkirche und der Marianischen Männerkongregation erzählt. Auch das wollte Ulrich nun googeln: 15hundertwas gegründet und vom Papst Gregor, dem achten mit der Bulle Omnipotentes Deo o Mann o Mann bestätigt. Das omannomann stand nicht im internet. Die Männer heißen Sodalen, Soldaten?, nein Sodalen. Und so weiter, sehr lustig mit Ulrichs Kommentaren dazwischen.

Um 1000 richtete Ulrich dann ein kleines Frühstückchen mit immer noch meinem Brot von zuhause und als alles wieder verräumt war, hörte ich von oben: „Oh, wat is dat schoin! So hab ich mir segeln vorgestellt!“ Mandy.

Bei Rinia schlief der Wind ein. Vielleicht wäre die Südbucht von Mykonos, die Ormos Ornos etwas für uns. Man könnte da einen Spaziergang nach Mykonos-Stadt machen und morgens dann umlegen, um die Tempel auf Delos zu bewundern. Mmh.

Nein, der Puster hatte nur eine Minipause gemacht. Ich entschied mich für die Bucht südlich von Mykonos-Stadt, bei diesem Windrichtung musste das ja auch gehen. zuerst segelten wir gaanz nah an den Windmühlen vorbei, den berühmten und dann fiel der Haken gleich östlich davon vor einem Strand. Da stand zwar kein Anker in der Seekarte, aber das ist ja wurscht. Wir saßen noch beim Ankerschluck, machte uns das sofort ein anderer nach.

Nachdem nun auch klar war, dass der Benzinhahn beim Außenborder geöffnet werden muss, damit dieser nicht nur anspringt, sondern auch eine Zeit lang läuft, kamen wir in zwei Fuhren auch flugs an den Strand.

Mykonos – ein Traum. Eine Boutike an der anderen, Gwand, Taschen, Schuhe, Nippes und Dippes und vor allem Schmuck, an dem kein Preis stand. Die Kugel Eis sollte drei Euro kosten, Mandy verzichtete, runzelte die Stirn und schob die Lippen ganz weit vor. Wir schlenderten gemütlich zwischen Myriaden von Chinesen hindurch und kauften nichts. „Was, ist es schon halb acht?“ Da brauchten wir uns über den Hunger nicht wundern.

Der Außenborder wollte nicht anspringen, dafür roch es nach Benzin. Der Benzinhahn war die ganzen drei Stunden aufgedreht geblieben. Peter und ich paddelten eben. Am Schiff angekommen, probierte ich noch einmal und brrrrrrrrummmmm. Deo gratias, sonst hätte ich die weite Strecke zurückrudern müssen, um Christian und Ulrich zu holen.

„Gut, dass du ihn gestartet hast, mein Anzieharm ist nämlich malade.“ freute sich Cristian. Ulrich steuerte bei: “Kugelgelenk hupf!“ „Den ess ich lieber.“

„Mögt ihr indisch? Ich hab bloß keine Kokosmilch gekriegt in diesem Mykonos.“ Mandy hatte schon bald gekocht und servierte köstliches Gemüse mit Süßkartoffeln neben Reis.

Peter beim Kartenspielen: “Mandy ist nur kurz über der Tischkante, aber hat den vollen Überblick.“ Mandy: „Ja, stille Wasser sind tief und dreckig.“

 

Dienstag, 9.5.2017

Mykonos – Delos – Siros/Ermoupoli

sonnig, 21°   32 sm/6:30h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Hafen 17 dabei dabei 2 €, Skipper frei

    • Bemerkung  allein schon der Anblick der Stadt ist ein Genus

 „Wir sind eine Viertelstunde im Verzug!“ meldete Christian und holte um viertel nach acht den Anker hoch. Mykonos gähnte in der Morgensonne, ein Kreuzfahrschiff von MSC lag am Kai, ein anderes vor Anker und bootete schon fleißig Leute aus, die die Boutiquen ankieken wollten. Wir setzten die Genua. Ein munteres Südostwindlein blies in den großen Lumpen und versetzte unseren dicken Kübel in vier Knoten Fahrt.

Rühreier kamen keine auf den Tisch, weil der Schinken dazu fehlte und weil es dann um Eierzählen ging, erklärte Ulrich zum Frühstück unter Segeln zuerst einmal das Kommutativgesetz. Es besagt, dass es beim Addieren egal ist, in welcher Reihenfolge man vorgeht. Peter wunderte sich: „Dass man so augenscheinliche Sachen wie Zusammenzählen in ein Gesetz packen kann.“ „Habt ihr das in Bayern nicht in der Schule gelernt? Oder nur beten?“ Unser Physiker konnte ganz schön zynisch sein.

Delos, der Nabel der Kykladen: In der Karte ist die Zone, in der wir dann ankerten, rot gestreift. Obacht! Ganz langsam fuhren wir die Stelle ab und loteten sorgfältig, weil der Kiel unseres braven Schiffchens keine Bekanntschaft mit den Steinen am Grund machen sollte. Südwestwind pfiff mit vier bis fünf und die Nationale in schönen bayrischen Farben, nur mit einem griechischen Kreuz drinnen flatterte munter am Achterstag. Trotzdem sparten wir uns die action mit dem schweren Beibootmotor. Zu viert bestieg meine Crew das Dingi, ächz, und paddelte sich eben im tiefer gelegten Gummiboot hinüber zur aufgeschütteten Mole, wo das Kassenhäuschen stand. Ich beobachtete das Treiben noch, bis sie ausgestiegen waren und nun bewache ich unser schwimmendes Wohnmobil. Die Fähren von Mykonos, Ausflugskähne der größeren Sorte und Segelyachten fahren ständig an mir vorbei, die griechische Flagge lärmt, ruhig ist etwas anderes.

Ulrich nannte es Schwarmintelligenz. Meine Crew hatte nämlich das Beiboot an den südlichsten Zipfel der Mole gezogen und war von dort aus gestartet. Sehr schlau, dann konnten die Böen aus Südwesten ihnen nicht so viel anhaben und kamen gut wieder an Bord. Das Süppchen aus den Resten von gestern, aufgemotzt mit zwei Tüten Tomatenpü war schon heiß. Ganz begeistert erzählten sie von den Tempeln, Mosaiken und wie es oben am Berg auf 112 Metern ordentlich geblasen hatte. „Hat sich’s schon rentiert?“ wollte ich wissen. „Auf jeden Fall!“

So, wohin heute? Für die Nacht war Westwind angesagt und für die nächsten Tage eher nördliche Lüftchen. Die Crew hing über der Seekarte und kam ganz von alleine drauf, dass zurück nach Siros die einzige Option war, wollten wir nicht 8 oder 10 Stunden unterwegs sein. Dann wäre auch Gavrion auf Andros gegangen. Außerdem war doch der Hafenmeister dort so nett, also auf nach Ermoupoli.

Wir zogen um eins ab, setzten die Segel und ließen uns von den Böen schön auf die Backe legen. Manchmal dankte es die ALMOST FREE mit 8 Knoten und freute sich richtig, mal von der Leine gelassen zu sein.

Hinter Rinia waren die Fallböen weg und die Geschwindigkeit auch, aber wir hatten ja Zeit. „Heute könnten wir doch nochmal essen gehen!“ „Ich mag Muscheln.“ sinnierte Christian. „Aber die darf man doch nur in Monaten mit r essen!“ warf ich ein. „Das ist doch alles nur eine Frage des Kühhlschrrrrrranks.“ dozierte Ulrich sehr trrrrocken.

Ganz gemütlich sausten wir mit fünf Knoten weiter nach Westen und trafen kurz nach fünf in Syros ein. „Christian, magst Du den Anleger fahren?“ Er legte den Kopf schief, dachte wahrscheinlich das Gleiche wie ich (wenn nicht jetzt, wann dann!) und stand schon am Steuer. Einen 12-Tonnen-Kübel so zu dirigieren, dass der Bug genau dahin kommt, wo der Anker fallen soll, ist ja nicht soo leicht. Was hat der kleine Wind noch für eine Kraft, schiiieb. Zuerst hampelte er mit überkreuzten Armen am Kai herum. Nein, unser Anker hing nur schon fünf Meter ins Wasser. Er konnte ja nicht sehen, dass er nicht schon am Grund war. Beruhige dich, alles gut. Zwei Ansteuerversuche und Hafenmeister Thanasis war schon mit uns zufrieden. Beim Anlegeschluck veranstalteten wir eine kleine Feedbackrunde.

Mutig begleitete mich Christian. Mutig, warum? Weil klar war, dass ich auf den Hügel mit der katholischen Kirche steigen wollte. Und der war hoch. Stufen, Stufen, Stufen. Die Kirche zum heiligen Schorschi kann für meine Begriffe mit der orthodoxen auf dem gegenüberliegenden Hügel nicht mithalten, aber die Aussicht von oben belohnte die Mühe wirklich.

Halb acht, wir waren endlich wieder zurück am Schiff und suchten uns ein Restaurant.

ΠΛΟΡΑ ΦΛΟΡΑ („Plora flora“) hieί es und ist echt empfehlenswert. Es liegt direkt neben dem Hotel Aktonion und lockte mit karierten Tischdecken und einer strahlenden Besitzerin. Wir bestellten Saganaki, Salat und dann Oktopus, Lambchops, Muscheln und fόr mich Leber. Den zwei schwarzen Katzen unter dem Tisch und mir schmeckten die zwei riesigen Leberfransen ganz ausgezeichnet. 7 €. Leber klebt ja den Magen so zu und darum spendierte Peter eine halbe Flasche Ouzo am Schiff.

Mittwoch, 10.05.2017

Syros/Ermoupoli – Kythnos / Ormos Kolona

sonnig, 22°    40 sm/8:30h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Bucht - - - -

    • Bemerkung  warme Quelle am Strand!

Eigentlich wollte Ulrich gleich neun Artischocken kaufen, drei mal drei, aber es waren nur sechs richtig schöne am Gemüsestand in der Fressgass. Dazu erstanden wir drei mal fünf größere Sardinen für abends, Brot und allerlei anderes Gemüse. Schnell noch geduscht (der Skipper ist hier frei, Du erinnerst Dich, lieber Leser) und ab die Post.

Heute waren über 40 Meilen zu machen. Nord zwei war nun leider nicht gut geeignet, um Syros nördlich herum zu segeln und drum musste nun ausnahmsweise einmal der Jockel mitlaufen. Wasser glatt, so glatt. Und türkis unter der Mittagssonne. Mandy saß auf der Blondinenablage, stützte sich an die straffe Großschot und las ihr Buch zu Ende. „Mandy, machst du Urlaub?“ fragte ich. Ulrich fuhr fort, in Schätzings Schwarm zu lesen, während ein einzelner Delfin 10 Meter neben dem Schiff nur ein einziges Mal auftauchte und einen Wellenkreis hinterließ, der immer größer und größer wurde. Peter hielt den Kurs auf Kea zu und Christian schlief auf einer Cockpitbank, lautlos.

Artischockenduft erfüllte schon die Küche, aber ich stellte das Gas noch einmal aus, weil die Familienrunde gerade so friedlich in den Maitag hineinlebte. Ha, und ich beantwortete gerade eine Frage im Quizduell (hab ja hier den vollen Internetanschluss mitten in der Aegaeis!!) sowas von richtig. Apollo war der Sohn von Zeus und …? Na? Leto! Ja, die musste doch auf die schwimmende Insel flüchten, um ihren Sohn endlich ohne Verfolgung von Hephaistos, diesem Lüstling, ruhig gebären zu können. Aber ich glaube, im Bauch war zu der Zeit grade Artemis. Apoll kam dann erst. Von wem eigentlich? Und dann stellte Zeus die Insel auf die erwähnten vier diamantenen Säulen. So ein Quatsch.

Wir hatten morgens ein großes Glas Mayo gekauft, weil es ja für zwei Mahlzeiten für drei Leute dieses Überfliegergemüse geben sollte und Ulrich ja nie genug kriegte von der Dipperei. Was mich gerade am meisten stört, ist, dass unser Motorstundenrekord ein jähes Ende nimmt. Bis heute morgen hatten wir bei gefahrenen 192 Meilen nur 8 komma null Stunden Dieselknecht. Alles zum Ankern und Anlegen, aber jetzt…. Mir stinkt’s. Ach was, Lebbe is schoin. Vor allem mit meinen Leuten - ohne Adjektiv vorneweg, das müsste erst erfunden werden.

Ich ging eine Runde schlafen und hatte eine Eingebung: warum sollten wir in der langweiligen Kaviarbucht im Süden Keas nächtigen, wenn in der gleichen Zeit die Ormos Kolona auf Kythnos zu erreichen war. Die letzte Stunde vor dem neuen Ziel wollten wir dann doch noch segeln und krochen mit unendlicher Langsamkeit um die Nordecke Kythnos‘.

Ein paar Yachten lagen schon tief im Inneren der Bucht, ein Katamaran mit zwei Masten zog die Aufmerksamkeit auf sich, aber wir ankerten gleich im ersten Nordzipfel auf 8 Meter. Am Strand saßen Leute auf richtigen Stühlen und sahen einem Mädchen zu, das in einem Loch saß und mit beiden Händen Sand und Steine auf den Rand beförderte. Wir schwammen hinüber, redeten ein paar Takte mit den Ukrainern, die gerade in ihr Beiboot stiegen und abfuhren und setzten uns dann ebenfalls in besagtes Loch. Eine warme Quelle aus dem Nirgendwo speiste das Wasserbecken und sorgte dafür, dass die drei oder vier, die im Wellnessbad Platz hatten, gar nicht mehr hinaus wollten. Weil wir halt zu fünft waren, musste aber immer mal wieder durchgewechselt werden. Als alle Waschfrauenhände hatten, machten wir uns langsam wieder auf zum Schiff, Hunger hatten wir auch. Es war schon halb acht.

Kartoffeln, Salat und für jeden drei der größeren Sardinen, das war unser Diner auf einer völlig ruhig liegenden ALMOST FREE und angesichts des aufgehenden Mondes.

 

Donnerstag, 11.05.2017

Kythnos / Ormos Kolona – Kap Sounion

sonnig, 22°    24 sm/9:30h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Bucht - - - -

    • Bemerkung  die unendliche Langsamkeit des Seins

Nur gelegentliches Meckern einiger entfernter Ziegen war zu hören, sonst lag die Bucht in völliger Morgenstille. Mandy und Peter saßen schon wieder im Wellnessbecken, als ich mit der Kaffeetasse in der Hand den Kopf zur Tür hinausstreckte.

Draußen auf dem Meer schien das Wasser dunkler, Wind! Punkt neun verließen wir unter Segeln unseren Traumschlafplatz.

Peter steuerte unser braves Mädchen mit 5 Knoten und 290 Grad und musste sich nicht einmal eine Jacke anziehen, so wohlig warm strahlte die Morgensonne.

„Na, jeht dat schoin?“ fragte Mandy, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten, während Ulrich und Christian ein gemüsiges Rührei aus der Küche zauberten.

Weil das Brrrröselbrrrrot dazu so sehr brrrröselte, konnte Christian nun seinen Putzwahn so richtig ausleben. Pütz um Pütz feinstes Mittelmeerwasser kippte er mit Verve auf den Cockpitboden, egal, ob die Steuerfrau Mandy dabei nass wurde oder nicht.

Wir überlegten: am Kap Sounion würden wir schon mittags sein, wenn der Wind so bliebe. Nach Aegina waren es noch fast vierzig Meilen, aber interessanter und Fisch gäbe es dort auch.

Die Entscheidung wurde uns abgenommen. Der Wind war nämlich südlich Kea weg, total. Christian hatte schon den Finger am Startknopf, aber dann spielten wir einfach wieder Karten. „Wenn die wegfliegen, ist der Wind wieder da!“ Christian schwamm eine Runde ums Schiff.

Mir kam eine Phantasie: drei Delfine tauchen neben uns auf, nicken wie Flipper mit dem Kopf, wir werfen ihnen eine Leine zu, sie nehmen sie ins Maul und ziehen das Boot. Zuerst langsam, dann mit sieben Knoten. Den Delfinantrieb könnte ich mir vielleicht patentieren lassen.

Dann gab es Salat und Artischocken für die drei, die sie mochten. Ein Glas des weißen Weines rundete das Mahl ab und dann kam ein Windlein von Süden her und schob uns wieder an. Gaaanz langsam.

„Wollen wir nächstes Jahr nich nochma son törn zusammen machen. Mit Elisabeth? Und das Schiff ist doch auch so schön!“ höre ich gerade von oben. Mandy fand wirklich allet schoin. Dass sie und Christian im Oktober schon wieder mitfahren werden, war seit gestern auch schon klar.

Um zwei schmissen wir dann doch den Motor an. Weit und breit kein Gekräusel und noch 12 Meilen vor uns. Ich badete noch schnell vorher und dann surrte es im Schiff, schnurr surr schnurr.

Gelächter am Himmel. Ein Schwarm Möwen flog auf. Was war los? Sie stoben auseinander, bildeten ein Dreieck, lachten dabei ganz fürchterlich und warum? Wegen nix.

Halb drei, Motor wieder aus! Die paar Meilen bis zum Kap Sounion schaffte unser Mädchen auch alleine. In aller Gemütlichkeit zog sie mit fast zwei Knoten, half uns mit dieser Atmosphäre zum Schnarchen, Lesen und Kaffeetrinken und traf auch so um 1820 in der weiten Bucht vor dem Poseidontempel ein. 0,7 Motorstunden für 24 Seemeilen bei keinem Wind.

Sieben oder acht Yachten lagen schon da und dann waren‘s eine mehr. Peter und Ulrich paddelten an Land, um im Restaurant zu essen, wir restlichen drei kochten Gemüsesoße mit Spaghettini von Barilla. Der Tempel leuchtete nachts und wachte über uns.

 

Freitag, 12.05.2017

Kap Sounion – Athen Marina Alimos

diesig, 23°    sm/6:30h

B/H Liegegeld Strom Wasser Duschen

Heimathafen - drin drin drin, aber am Schiff duscht sichs besser

    • Bemerkung  schade, aus iss.

Peter kannte ja den Tempel von Nahem noch nicht. Wir beide paddelten hinüber zum Strand, liefen den staubigen, distelgesäumten Weg hoch zum Kassenhäuschen und fanden dieses um halb neun noch geschlossen. „Wegen mir müssma net wartn.“ meinte Peter und machte ein paar Fotos durch den Maschendrahtzaun. Das erhoffte gelbe Morgenlicht war sowieso ausgeblieben und drum war es nicht so schlimm. trotzdem waren wir eine Stunde unterwegs und um halb zehn ging dann der Anker auf.

No wind at all. Wieder dümpelten wir ganz gelassen und planten das Mittagessen. „Es gibt ja noch NN, die Notnudeln.“ meinte Ulrich, aber Mandy und Peter hatten schon die Wawemusuppe im Sinn.

Was machten denn die acht Schiffe da? Sie führten ein Wasserballett auf, tanzten um einen Stillsteher mittendrin ohne Segel und nach ein paar getimten Tuuuuttönen und einer halben Stunde Chaos ging es los mit der Regatta. Was ein Theater: eine Yacht mit so neumodernen Segeln zog an uns vorbei – wie macht der das? – andere brachten es auch nicht besser hin als wir, nur dass drüben Hektik, Herumgehampel, Segelzuppeln und Baumrausdrücken war und wir ein spannendes Vormittagsprogramm hatten. Na ja, ein bisschen spielten wir auch mit. Ich lehnte mich gegen den Baum und Ulrich brachte eine halbe Stunde seines Lebens damit zu, die Genua mit dem Bootshaken auszubaumen. Letztendlich wurde uns das zu dumm und kümmerten uns lieber ums Mittag essen. Die anderen waren auch nicht viel weiter.

Für nachmittags war ein frischer Südwind angesagt. Kurz vor der Marina, so 5 Meilen davor, fiel mir ein, dass Peter ja noch einmal kringeln wollte. Wir holten wieder ein Stück Groß heraus und jeder durfte einmal. nach dem vierten Kringel meinte Mandy: „Mir is schon ganz schwindelig. Wir sind doch hier nich aufm Dom!“.

Ein Kringel ist ein Kreis mit dichten Schoten, lieber Leser. Man segelt am Wind, dreht den Bug mit Verve durch den Wind, macht nichts mit den Segeln und freut sich. Das gibt eijopei eine schöne seitliche Beschleunigung, juchu.

Christian faselte etwas von unserem letzten Abendmahl, steuerte die ALMOST FREE in ihren Heimathafen und ich fuhr noch meinen letzten Anleger in diesem Mai.

Der Tankwagen stand genau vor unserem Schiff. 43 Liter für 66 Euro bei 14,2 Motorstunden, da kann man nicht meckern. Thomas Bellos, mein Foodlieferant des ersten Tages stand gleich danach da und fragte, ob alles in Ordnung gewesen sei. Als nächstes offerierte er sein zweites Business. Prospekte verteilen für das Restaurant seines Onkels. Der Ouzo wäre frei. How much? Without limit, ein Mann, ein Wort. Auf deutsch sagte er letzeres.

Ich wedelte mit dem Zeigefinger, du du du. “Ich bin eine Frau!“ „Ja, aber die eine!“ Oh lieber Himmel.

Was hatte er erreicht? Dass ich wieder bei ihm bestelle und heute abend die komplette Crew ins Restaurant Vasilis gleich an der Marina ging.

Das Essen war ausgezeichnet und der Ouzo tatsächlich without limit. Dass Christian uns allesamt einlud, war der krönende Abschluss einer wunderbaren Reise.

 

γειά σας (Jassas)

 

  • Schiff:  Bavaria 50 namens ALMOST FREE
  • Route:  Athen – Kap Sounion – Lavrion - Kea – Syros – Mykonos – Delos – Syros - Kythnos – Aegina – Athen
  • Seemeilen:  273, davon 95% gesegelt
  • Motorstunden:  14,2
  • Bordkasse:  110 € pro Nase