Von Arbeitszipfeln und Strömen
Den Titel verstehste net, dann lies

20171103_094810

Montag, 30.10.2017

Heute war ein Ameisenhaufentag: drei Mitsegler verließen das Schiff im Abstand von drei Stunden und drei neue Segelwütige kamen an, im Abstand von drei Stunden. Aufstehen um drei, Kaffee machen für Evi und Gerlinde, die uns als erste verließen.

Thomas und ich blieben auf der ALMOST FREE und erledigten den Großeinkauf. Zwischendurch reparierte Schiffseigner Takis so allerlei.

Elisabeth kam als erstes, dann Sabine und als es schon fast dunkel war, stieß Annette zu uns. Wir aßen Salat, gebratenen Fisch aus dem TK-Fach des Supermarktes und Kartoffeln, unterhielten uns eine Weile und fielen dann allesamt ins Bett.

 

Dienstag, 31.10.2017

Vormittags spielten wir Segelschule. Thomas und ich erklärten unseren drei Damen die Leinen, Knoten, Segelstellung, Manöver und gondelten dazu zwei Stunden vor dem Hafen herum. Dann ankerten wir, aßen Salat und holten Brigitte und Dirk in der Marina ab. Thomas legte einen Anleger hin, der so gut war, dass er selber total begeistert war. „Ich kann noch nicht einmal was meckern!“ lobte ich

Wir tankten Wasser voll und schwupps, waren wir schon wieder weg. Nun ging die Reise los. Bloß Äolus war sehr sparsam mit dem Wind. Eine Stunde dümpelten wir herum, dann musste der Jockel ran. Irgendeine schöne Stelle zum Ankern würde schon hergehen.

„Stößt Du Dich auch immer an den nackten Füßen hier unten?“ fragte Brigitte Thomas, der gerade in der Küche Kaffee aufsetzte. „Ja, ich massier Dir dann Deine Füße und Du mir meine?“ „Das müssen wir erst einmal vertraglich festhalten.“ schmunzelte Brigitte.

Bis um vier ließ sich der Windgott Zeit, dann schickte er ein ordentliches Mützchen Nord. Mit 6, fast 7 Knoten schossen wir dann noch eine gute Stunde Richtung Osten und änderten zum wiederholten Mal den anvisierten Ankerplatz. Palaia Fokaia war nun das Ziel.

Es war schon fast dunkel, als das Kap endlich gerundet war und der Anker im Wasser. Fast, nein. Es war dunkel und pfiff. Egal, wir kochten. „Schau mal,“ dozierte Brigitte. „mit dem festen Ende der Leine bildest du einen Teich. Das lose Ende ist der Arbeitszipfel. Der Arbeitszipfel kommt aus dem Teich heraus, geht um den Baum herum und verschwindet wieder im Teich.“ Annette übte wieder und wieder und wieder. Wat war das schoin.

Sabine servierte Reis mit allerlei Gemüsen, schleck.

Mittwoch, 1.11.2017

Elisabeth, die mittlerweile Elsbeth hieß, um nicht mit mir verwechselt zu werden, brachte mir den Kaffee ans Bett. Thomas schwärmte schon allen vor, wie schon warm das Wasser sei, wenn man die kalte Luft mit dem Wind ins Verhältnis setzte und entschwebte mit einem Handtuch um die Hüften in seine Kabine.

Angesagt war Nord 2, Äolus bot uns aber Nord fünf und Böen mit sieben an. Ok, wir refften eben. Brigitte am Steuer machte immer große Augen, wenn sich die ALMOST FREE auf die Backe legte und die Küchenfenster gewaschen wurden. Um 1020 kamen wir am Kap Sounion angeschossen und ankerten. Die Böen pfiffen uns um die Ohren, wir setzten uns erst einmal mit einem Ankerbier in den Salon.

Kap Sounion? „Ihr wisst schon, was das auf Französisch heißt, souillon?“ Ratlose Gesichter. „Schlampe!“ Ah, wir lagen am Schlampenkap.

Dirk, Annette, Sabine und Elsbeth schwangen sich ins Dingi, um dem Poseidontempel einen Besuch abzustatten, der Rest kochte Linsenkartoffelsuppe und backte Marmorkuchen.

Ein bisschen verfroren kam die Tempelmannschaft wieder an und freute sich über die heiße Suppe. Nicht so erfreut war Thomas, als er seinen Marmorkuchen tröpfchenweise aus dem Herd kommen sah. Die Form war übergelaufen, weil sie während des Kochens nicht ganz gerade gestanden war. Oh, was hat sich der Bäcker geärgert!

Der Nordwind blies noch immer recht frisch, als wir um das Kap gesegelt waren, aber mit gerefften Segeln kamen wir mit vielen Wenden ganz gut voran. Brigitte nannte Thomas einen Arbeitszipfel. Oder hatte der sich verhört? Jedenfalls hatten wir viel Spaß. Auch mit Annette, die Palstek übte, bis sie sich vor Lachen nicht mehr halten konnte. Warum? Thomas hatte ihr den Dreh für den berühmten Teich, aus dem der Frosch springt, mit einem markanten und lautmalerischen „Bing“ gezeigt. Und nun gab es eine unlösbare Verbindung des Lautes „Bing“ mit ihrem Lachmuskel. Eigentlich hätte man davon eine Aufnahme für den WhatsApp-Ton machen sollen.

Fünf Uhr, wir standen endlich nach drei Kreuzschlägen vor Lavrion. Ein junger Mann half beim Anlegen, verkaufte uns für 10 Euro Landstrom! und warnte vor Dieben. Wir sollten ein Stück weg vom Steg ziehen, die Zugbrücke hochziehen und das Schott einsetzen.

Elsbeth, Thomas und ich plünderten Mymarket. Gemüse en gros, Käse und Wein waren schon im Wagen, als Thomas an der Fleischtheke saftige Scheiben von Rinderleber entdeckte. Ein fragender Blick, wir nickten. Leber ist ja nicht jedermanns Sache, aber wir versuchten es einfach.

Sabine und Dirk köchelten derweil Gemüse, das es auf Farfalle gab. Alle bis auf einen wollten ein gutes Stück gebratene Leber dazu. „Am Hungertuch nageln wir nicht!“ Unsere Französin Brigitte freute sich, dass es uns kulinarisch so gut ging.

Annette holte ihre Bücher. Sie hatte seit ein paar Jahren ein neues faible: Jin Shin Jyutsu. Die Körperströme ausgleichen, beruhigen, in den Fluss bringen und erst einmal dieselben spüren. Ich fand das sehr interessant und diejenigen, die sich in ihre Hände begaben, schlossen wohlig die Augen, wenn sie nicht gleich ganz wegknackten beim Strömen.

Donnerstag, 2.11.2017

Nachts um eins kam Christel mit einem Taxi angefahren. Ich öffnete ihr unser Wohnmobil und nun waren wir komplett.

Die aufgehende rote Sonne strahlte durch unser Fenster und kurz darauf stand plötzlich die ganze Mannschaft im Salon, wir wollten ja heute früh los. Die 35 Meilen nach Hydra wollten abgeritten werden. Die einen holten schnell Brot, die anderen Fisch, Thomas kochte noch die Bolognese für mittags an und schon ging‘s um 0755 los. Während im Salon die Crew noch frühstückte, legten Thomas und ich ab, setzten die Genua und ließen uns von ihr aus dem Hafen unter klarem Himmel hinaus aufs weite Meer ziehen.

Endlich wieder einmal ein Tag ohne Wolken am Himmel, Nord vier schob die ALMOST FREE mit sechs Knoten. Ich fing an, den Herd vom flüssigen Marmorkuchenteig zu befreien. So konnten wir den Ofen ja nicht mehr benutzen. Mit zwei Löffeln kratzte ich die braune Suppe aus den Löchern am Boden (wofür waren die eigentlich da?). Brigitte wischte mit Seewasser und einem gelben Lumpen alles nach und schon nach einer guten halben Stunde, etlichen Pützen voll Seewasser und schmerzenden Knien hatten wir zu zweit eine Renovierung vorgenommen. Nachwischen mit Süßwasser. Alsbald stellte ich den in der Form verbliebenen Teig hinein und zündete die kleinen Flammen.

Raus in die Luft! Es war frisch. Annette steuerte 230 Grad, halber Wind, 7 Knoten, ein Traum. Ich nahm das schwarze Stirnband, das auf dem Cockpittisch lag und hüllte damit meine Ohren ein. Wieder am Schreiben dieses Berichtes, kam Brigitte aus ihrer Kabine, erkannte ihr Stirnband und schmunzelte: „Alles, was auf dem Kartentisch liegt, wird sofort einkapitanisiert.“ Brigitte hatte es erkannt. Bloß, dass es gar nicht auf meinem Tabutisch gelegen hatte.

Zu Thomas, der sie gerade dankbar wegen der Ofenputzerei umarmt hatte, sagte sie: „Das ist jetzt eben ein Intervallkuchen, neueste Kreation!“

Es lief so schön, dass wir nur die letzten zwei Stunden motoren mussten. Hydra empfing uns mit halb leerem Steg, ein Kuriosum, sogar im November. Tageswache Brigitte teilte Christel zum Anlegen ein. Völlig unaufgeregt legten wir Anker und um 1630 waren wir fest. Katzen, Esel, Maultiere, Kaffee trinkende Männer in den Tischen auf der Hafenmole, Hydra eben.

Ich winkte schnell zum Metzger meines Vertrauens hinein, er erhob sich über beide Ohren grinsend von seinem Stuhl im Hinteren des schmalen Ladens und streckte mir die Arme entgegen. Fast hätte er mich umarmt, besann sich dann aber und nahm nur meine Hände. Ich fragte, ob er Lamm hätte, wir würden es morgen holen.

Dann schauten Christel und ich beim Juwelier unseres Vertrauens vorbei. Gleiches Spiel. Kristos stand sofort von seinem Kassentischchen auf und lachte. Kali spera, ti kanis? Ach, ist das wieder schön gewesen! Das Kettchen, das ich zum Reparieren dabei hatte, machte er an Ort und Stelle heil, während wir einen Ewigkeitsring in Silber aussuchten. 14 Euro? Nein, er wollte nur 10 Euro haben, Stammkundenrabatt. Zum Schluss schenkte er uns noch zwei silberne Anhänger und die Reparatur war auch noch for free. Hydra!

Es gab Leberscheibchen, kross gebraten als Schmeckewöhlerchen, wie Brigitte das Amuse geule nannte, dann Salat, Kartoffeln und gebratene Fischlein. Mmmh.

Freitag, 3.11.2017

Die Sonne hatte um 8 Uhr den Berg erklommen, nebenan wurde schon emsig der große Frachtkahn entladen und die Katzen waren die einzigen, die nicht arbeiteten, sondern faul in den wärmenden Strahlen lagen. Säcke über Säcke Sand mussten die Maultiere schleppen, irgendwo wurde wieder gebaut.

Beim Metzger unseres Vertrauens kauften wir 1800 Gramm Lamm und – eine Rinderzunge. Wenn meine Crew sogar Leber liebt, geht Zunge auch.

Thomas, Brigitte, Christel und ich liefen an der Küste entlang, den Berg hinauf, durch Disteln am Weg lavierend und fanden Cyclamen, griechischen Bergtee, Herbstzeitlose und austreibende Zwiebeln im harten Boden. Arbeitszipfel der Natur. Es fühlte sich an wie Frühling. Für mich.

Schließlich kamen wir zum ersten Kloster. Eine dünne Nonne öffnete die Tür, hieß uns in perfektem Englisch willkommen und hereintreten und bot Wasser an. So etwas von freundlich, grundgut eben. Die Aussicht aufs Meer von hier oben raubte einem schon den Atem, pathetisch gesagt.

Man hatte ihr einen Esel mit Wunden im Gesicht vom Zaumzeug vor ein paar Tagen gebracht. Zum Gesundpflegen, sowas! Behandelt eure Tiere halt selber gut, ihr Idioten! Sie war alleine, hier seit einem halben Jahr, in dem Männerkloster, das seit 40 Jahren geschlossen war. Wahrscheinlich war der letzte Mönch einfach weggestorben.

Thomas bedankte sich bei ihr für die freundliche Aufnahme in ihr Haus. „This is not my house, it’s the house of god“ meinte sie demütig. Christel wollte ihr eine Spende geben, alle legten zusammen. Ob sie am Sonntag für uns seine Kerze anzünden wolle. Sie schloss die Kirche auf, zeigte Christel den Opferschlitz und notierte unsere Namen für ihr Gebet. Als sie Elisabeth hörte, murmelte sie: „This is my old name.“

Die Wände der Kirche waren frisch gespachtelt und geweißt, die Bilder aufgefrischt, nichts erinnerte an 40 Jahre Verlassenheit. Der Ort ließ eine tiefe Ruhe spüren. Ich versprach ihr, wieder zu kommen.

Nach einer weiteren Stunde Distelmarsch über rote Steine langten wir wieder in Hydra-Stadt an. So ein schöner Spaziergang!

Kristos, der Juwelier strahlte schon wieder, als wir vorbei gingen, rief seiner Frau Elena, die gerade im Laden bediente und gleich der Kundschaft erklärte, wer ich bin. Ob er uns helfen könnte, Gas fürs Schiff nachzukaufen, fragte ich und er ließ alles stehen und liegen und lief mit uns drei Gassen weiter zum Alleshändler. Christel holte mit einem Schlenker zum Schiff die leere Gasbottle und schon hatten wir für 14 Euro genügend Gas zum Lamm braten und Brot backen.

Ein kleines Mittagsnudelgericht mit der Restbolognese und wir legten in den freundlichen Nachmittag ab. Dhokos war das Ziel.  Leichter Wind, volle Segel, 4.5 Knoten, nur fünf Meilen vor uns.

Im Cockpit: „Rheinische Gottheit mit einem Buchstaben?“ mmmh. „Jott!“

Brigitte brachte unsere gute Stimmung auf den Punkt: „Wir segeln in die untergehende Sonne mit aufsteigenden Düften. Macht: maximales Grinsen!“

Als der Anker dann beim zweiten Mal gehalten und die Landleine fest war, dämmerte es schon gewaltig. Zur Erinnerung: wir hatten November und die Sommerzeit war seit einer Woche auch vorbei. Das Lamm schwitzte schon seit zwei Stunden auf einem Gemüseberg im Ofen und musste nach einer Runde Kartenspiel einfach aus dem selben geholt werden. Für unsere Vegetarierin hatten wir eine gefüllte Zucchini vorbereitet.

Samstag, 4.11.2017

Angesagt war der schwarze Himmel nicht, aber das Gewitter stand grollend und blitzend über Hydra, als wir aus den Federn krochen. Thomas schlug vor, in die größere Bucht von Dhokos umzulegen. Dirk und Thomas holten die Landleine mit dem Beiboot ein, Elsbeth schlichtete im Schlafanzug fünfzig Meter Kette in den Ankerkasten und weg waren wir. „Mein Bauch sagt, dass es nicht zu uns kommt!“ meinte Christel, aber weil wir nun eh schon auf und mit Kaffee versorgt waren, beschlossen wir, gleich nach Ermioni zu segeln. Nach Westen hin war der Himmel ohnehin viel heller.

Wir machten neben einem alten, verlotterten Segler fest, neun Uhr fünfzehn. Thomas machte sich an die Pfannen und servierte einen Teller american breakfast nach dem anderen. Pancakes (auf griechisch pankakis), eine Art Rösti mit viel Butter, Spiegeleier. Dirk versuchte, Strom zu bekommen, nix gewesen: zum Stromkasten fehlte uns ein Meter Kabellänge. Außerdem hätte man sowieso eine Chipkarte gebraucht. Umsonst kann man in Griechenland zwar meistens im Hafen liegen, aber Wasser und Strom kostet unverhältnismäßig viel. Drum sparen wir ja!

Bevor es dann um elf zu regnen begann, liefen wir ein bisschen spazieren. Der Nachmittag war zur freien Verfügung, man las, schlief, spielte und lief nach dem Regen wieder dumm in der Gegend herum. Die Fisch- und Fleischgeschäfte hatten dann geschlossen, als es uns einfiel, etwas für den Sonntag Abend zu kaufen, aber der große Supermarkt war bis neun Uhr offen. Dort gibt es wirklich alles, ein Baumarkt ist angeschlossen, nur Gemüse hatten sie keines und auch nach dem Sieb für die große Espressokanne suchte ich vergeblich.

Ok, dann gab es eben Reispfanne mit gefrorenem Mischgemüse und für jeden, der mochte, eine Scheibe gedünstete Rinderzunge dazu. Ich hatte sie mit Zwiebeln, Möhrchen und Gewürzen zweimal im Schnellkochtopf aufgekocht – sie war butterweich.

Ermioni, schöner Ort und um diese Jahreszeit sehr ruhig.

Sonntag, 5.11.2017

Ich wachte auf, weil jemand im Salon am Boden kniete und mit einem Schälchen Wasser aus der Bilge schöpfte. Seit Tagen schwappte bei unserem Schifflein Wasser im Keller, aber nicht im Bereich der Bilgenpumpe. Brigitte lobte: „Du bist nicht Johannes, der Täufer, du bist Thomas, der Schöpfer!“ Annette löste ihn ab: „Da kommt ja immer wieder was nach, ich hab gedacht, ich wär jetzt fertig.“ Acht Pützen voll kippte meine Crew ins Klo.

Es wurde immer heller und schließlich schien wieder die Sonne und wir schossen mit sieben Knoten Richtung Poros. Brigitte machte sich ans Kochen, Hydra querab. „Es schunkelt hier so schön“ freute sie sich. „Wir fahren ja auch in einer Dschunke!“ „Macht mal ne Wende, damit s’Brigittle besser kochen kann!“ ordnete ich an und schon lagen wir wieder richtig auf der Steuerbordseite. „Jetzt bin ich richtig an den Herd genagelt!“

Es wurde ei ne gigantische Suppe mit den Resten der Reispfanne, angedünstetem Knoblauchingwer und einer schönen Portion Kokosmilch. Wir dinierten unter griechischer Novembersonne und schlürften das pikante Mittagssüppchen.

Mit mal mehr mit mal weniger Wind kreuzten wir gegen den Nordost, immer hin und her. Nachmittags um 4 ankerten wir dann unser braves Mädchen auf fünf Metern vor der Südosteinfahrt von Poros. So ein schöner Platz! Das Häusergebirge lag in der Abendsonne, die flachen Inselchen im klaren Licht und drei Menschen im Wasser. Ich zum Beispiel musste dringend meine Haare waschen. Gott sei Dank, sonst wäre ich nicht mehr in den Genuss des Schwimmens am 5. November gekommen. Zwanzig Grad hatte die Ägäis noch, einfach himmlisch.

Brigitte hatte Kartoffeln gekocht und mit Gurken einen wunderbaren lauwarmen Salat gezaubert. „Du musst den Salat müde machen!“ riet sie Dirk, der den grünen Salat zu wenig mit der Soße benetzt hatte. Dazu gab es rote, kleine Fischis, die am Vortag gefroren aus dem Supermarkt mit gewollt hatten.

Schmatznjego, wie der Pole so sagt.

Montag, 6.11.2017

„Schau mal schnell!“ Christel weckte mich auf. Oioioioioi! Die Sonne stieg glutrot aus dem Horizont auf. Schön. Weiterschnarchen.

Ein kleines Frühstückchen und los nach Poros. Dort lag eine russische Flottille in Dreierpäckchen. So ein Glück aber auch, dass wir das abends nicht ertragen mussten. Wir legten schön auf der Nordseite an. Freigang bis elf. Immer wieder schön, am Uhrturm zu stehen und auf den Chiemsee zu blicken. Bei mir heißt die Lagune einfach Chiemsee.

Unter schönster Novembersonne, na ja, halb war der Himmel bedeckt, ich verkläre etwas, segelten wir dann nach Aegina. Aegina again.

Thomas durfte noch einmal anlegen und dann gab es einen fulminanten Anlegerschluck mit Gesang. Selbiger war so schön, dass die Mannschaften der Nachbarschiffe anerkennend den Mund vorschoben. Also die einzelnen Männer der Mannschaften meine ich.

Ich hatte meine Behandlung bei Annette noch gut, setzte mich bequem aufs Sofa. Sie fühlte meinen Puls mit drei Fingern, diagnostizierte Gallenstrom und Lungenstrom und befand, dass mein Herzstrom zu viele Hüpfer machte. Dann wurde es mir warm an diversen Körperstellen, allein die Berührung tat schon gut und so war auch ich versucht, weg zu schlummern. Schööön.

In Poros hatten wir von einem Fischerkahn frischesten Thun gekauft, der in Scheiben geschnitten auf seinen Auftritt wartete. Köstlich schmeckte der auf Spaghetti mit Salat.

Dienstag, 7.11.2017

Um 1015 ging der Bus zum Aphaia-Tempel. Ich hatte der Crew das kulturelle Highlight so schmackhaft gemacht, dass sie diesen best erhaltendsten Tempel Griechenlands – kein Protest, lieber Leser? - unbedingt noch in das Reiseprogramm aufnehmen wollten. Christel und ich blieben zuhause, besser zuschiffe, und kochten den Rückkehren ein wunderbares Wawemu-Essen. Alles, was weg musste, kam in den Topf, umrühren, fertig. Vorher gebratenen Saganaki. Quitschkäse.

Um eins: „Bitten um Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen!“ Das war Thomas, der die Kulturheimkehrer anführte. „Ja klar, rein mit euch und Leinen los!“ Reis, Gemüsepfanne, Quitschkäse und die letzten Zungenstückchen, gebraten, waren fertig, die Teller mit Salat dekoriert und los gings. Ich segelte mit ganzer Genua vorwinds, einen Teller Essen in der Hand, die Mannschaft dinierte im Souterrain. Hinter dem Leuchtturm nahmen wir den großen Lumpen mit dazu – Thomas war schon fertig und half mir – und dann gings mit mindestens sieben Knoten ab. Ein munterer Süd mit 5 bis 6 Beaufort lachte uns, heissa!

Brigitte streckte den Kopf aus dem Niedergang: „Dirks Wasser läuft nicht ab, könnt ihr mal auf den anderen Bug gehen?“ Wie, im Klo? Nein, Dirk hatte abgewaschen und wollte nun sein Spülwasser loswerden, bevor es in den Kühlschrank schwappte. Ich stand ja immer noch am Rad, vergnügungssüchtig, wie ich war, lenkte kurz in den Wind und hörte, wie Dirk aus der Küche von 10 ab langsam rückwärts zählte. „Gut, alles weg!“ Und wieder los in die 25 Grad Lage! Die Küchenfenster wollten ja geputzt werden. Dabei liegt die Bavaria 50 älteren Baujahres derartig stabil im Wasser, auch bei richtig viel Wind, dass es wirklich eine Freude ist, mit der Dschunke unterwegs zu sein. Vielleicht kaufe ich sie doch noch. Gott bewahre!

Während ich hier an diesem Bericht tippsele, sausen wir mit acht Knoten am Wind gen Athen. Ich weiß ja nicht, wie wir das verdient hatten, aber diese Woche war wirklich das Optimum an Wetter, Wind, Kultur (die ist ja immer da) und vor allem meine Crew war als Gruppe ein wirklicher Traum.

 

Schiff:  Bavaria 50 ALMOST FREE

    • Route:  Athen, Ankerplatz irgendwo vor der attischen Küste, Kap Sounion, Lavrion, Hydra, Dhokos, Ermioni, Poros, Aegina, Athen- die klassische Runde für eine Woche
  • Seemeilen:  193, davon 95% gesegelt

Motorstunden:  12

Bordkasse:  100 Euro, davon 30 wieder zurück, also 70 Euro