Zu dritt

Wenn einem die Ankerwinsch um die Ohren fliegt

Sibenik

Samstag, 5 August 2017

Nach einer Woche mit sechs Mädels jeden Alters war ich gespannt auf zwei 25-Jährige. Der Mittag verging. Kurz vor drei rief jemand: „Elisabeth!“ Ich begrüßte Lena und Olli, die beiden größenmäßig zwei Köpfe auseinander.

Nach einem Willkommensbier machten wir uns an die Planung der Reise. Zuerst brachten wir den Wagen auf einen Privatparkplatz am Ausgang der Marina. Dort steht ein Gemüsestand und im Garten des Besitzers lässt man sein Vehikel um die Hälfte des Preises, nämlich für 20 Euro die ganze Woche stehen.

Die Tomaten, Zwiebeln und Paprika sind bei dem Menschen auch nicht teurer als im Supermarkt und man weiß sicher, dass das Geld auch bei ihm bleibt.

Um fünf legten wir ab und schwebten förmlich in unglaublicher Langsamkeit Richtung Süden. Kurz vor Pasman -Stadt legten wir uns nach zwei Stunden vor Anker und schwapps, rein in die Fluten.

Ich aß Spaghetti-Reste und die beiden machten sich einen Salat. Sie hatten nach diesem heißen Tag keine Lust auf etwas Warmes mehr. Gute Nacht.

Sonntag, 6 August 2017

Als die ersten Motorfritzen an uns vorbeirasten, ach lieber Leser, Du kennst mein Gejammer schon.

Wir badeten ausführlich beim Kaffee, davor oder danach und ließen den Motor den schweren Anker samt Kette an Bord hieven. Der Technik sei Dank.

Kein Wind, bisschen Wind, a bissl mehr. Wir beschlossen, noch Wasser nach zu kaufen. Ob der Supermarkt auf Pasman-City heute am Sonntag offen hat?

Beim Vorbeidümpeln sahen wir die Türe auf- und zugehen. Ja. Fender, drei Leinen, Segel weg. Längsseits lagen wir dann vor einem riesenhaften Berg von Fischernetzen und schwappten auf und ab. Diese Wellen ließen uns jeweils die depperten Motorfahrzeuge stehen, ich liebe sie.

Lena lief alleine, kaufte Wasser und als wir alles bestens abgefendert hatten, schickte ich Olli nach, ihr tragen zu helfen.

Keine zwanzig Minuten später waren wir wieder weg und störten mit unserer penetrant langsamen Segelei die Karawane der Segler, die nicht segelten, sondern Richtung Süden mit Vollgas unterwegs waren. Unsere beiden Instrumente zeigten nicht Tiefe, Geschwindigkeit und Windrichtung in der gleichen Reihenfolge an. Damit die zwei etwas zu tun hatten, ließ ich sie das umstellen, ein bisschen tüfteln tat ihnen bei unserer Langsamkeit gut.

Ich zeigte meiner riesigen Crew, wie man 30 Sekunden Zeit schindet, wenn man ein Ausweichproblem hat, wie die verschiedenen Segelstellungen zum Wind aussehen und wer wem warum ausweichen muss. Das Zeitschinden geht so: vom Amwindsegeln aus man fährt durch den Wind, hält das Ruder auf Anschlag eingeschlagen und kommt nach 360 Grad wieder auf seinen alten Kurs. Das gibt einen schön kleinen Kreis im Wasser und man hat 30 Sekunden quasi im Stillstand gewonnen.

Als wir ums das südliche Ende von Pasman herum gesegelt waren, fierten wir alle Schoten und fuhren vor dem Südwind her. Unser Ziel für heute war eine Bucht an der Nordseite Zuts. Eigentlich müsste ich jetzt ein besonderes Zett suchen. Die Insel heißt Žut.

Olli segelte Schmetterling, und das an seinem ersten Segeltag. Die beiden aus dem Allgäu waren so begabt, dass ich mich währenddessen in mein Büro setzte und an diesem Bericht herumtippen konnte.:)

Der Wetterbericht kündete von Nordwestböen in der Nacht, na toll. Wir suchten eine passende Bucht. In der ersten waren Bojen ausgelegt, das ist ja nicht so mein Ding. Wir ankerten daneben, aber nach einer halben Stunde kam eine Yacht und legte sich ausgerechnet an die erste Boje neben uns. Jetzt konnte ich nicht mehr garantieren, dass wir nachts nicht darauf getrieben wurden, wir suchten eine andere Bucht. Die Uvala Bodovac sollte es werden, sie lag sowieso für die Windrichtung besser. Am Ufer stromerten drei dick bepelzte Schafe herum.

Olli schwamm mit der Landleine zu den Steinen am Ufer, wir winschten sie stramm und dann gab es Bandnudeln mit Gemüse, Lena hatte zwischenzeitlich gekocht.

Mit dem Stirnlamperl am Hirn spielten wir noch zwei Runden Räuberrommé und erwarteten den Wind.

Montag, 7 August 2017

Der machte uns pünktlich um zwei seine Aufwartung. Der Nordwest blies ordentlich und pfiff durch mein Fenster herein. Ja, ja, ich stehe ja schon auf. Eine klappernde Leine band ich weg, kontrollierte die Landleine und fiel wieder ins Bett. Alles gut.

Ein paar Restböen pfiffen morgens noch, die Morgensonne lachte und wir badeten schon wieder.

Um 10 hatten wir genug von der Morgenidylle, die Schafe von gestern waren auch nicht mehr aufgetaucht, wir starteten in den Montag hinein.

Vorbei an der kahlen Insel Kornat segelten wir mutterseelenallein, wer wollte sich hier schon an Mondlandschaften ergötzen? Der Nordwest schob die SAGITTA ganz ruppig, mal mit wenig dann wieder rabiat. Wie die Böen halt so sind.

Ich machte ein paar Wurstbrote und Lena war nicht vom Steuer weg zu kriegen. Am Ende von Žut sahen wir wieder ein paar mehr Segler, der Wind nahm stetig zu und wir erzählten uns unsere Kindheitsgeschichten. Was hatte ich ein Glück mit den beiden jungen Leuten! Sie waren einfach ganz normal, weder gespinnert, noch eingebildet, weder frisch verliebt noch bloß auf chillen aus. Lieber Leser, hast Du meinen Ausführungen folgen können?

Ich verabschiedete mich für ein Stündchen in meine Kabine und beobachtete meine Genua im Raumwindkurs, die manchmal sehr bestimmt drohte, auf die andere Seite zu kommen, es dann aber doch nicht tat. Lena war eben sehr begabt.

„Wollen wir einen Badestopp machen?“ fragte ich. Wir drehten bei, drifteten mit satten 1,4 Knoten und hielten uns gut am Kugelfender fest, den wir achtern an einer langen Leine hinausgelassen hatten. Nein, schwimmen konnten die beiden diese Geschwindigkeit nicht mehr, dafür gab es ja die Leine. Dann ging es weiter an diesem windigen Tag unter der kroatischen Sonne.

„Oh, des geht aber scho in die Arme!“ freute sie sich, nachdem sie sechs Stunden toujours am Rad gestanden hatte und nicht im Entferntesten daran dachte, sich von Olli ablösen zu lassen. Wir umrundeten gerade die Nordspitze Kaprijes. Wind Nordost sechs, also ganz ordentlich. Steuerfrau Lena kommandierte eine Halse, wir hatten zu tun.

Der Hafen in Prvic war voll. Alle 10 oder mehr Bojen im Hafenbecken waren auch belegt und wir ankerten eben vor der Mole und einem Restaurant. Bei dem angesagten ruhigen Wetter war das eine gute Lösung und gratis war sie auch. Baden. Diese Temperaturen waren schon heftig, aber dafür gab es ja die Adria. Sprung!

Heute war einmal ein Restaurantbesuch fällig und drum setzten wir um sieben Uhr über zur Hafenmauer und fielen nach einem Minirundgang durchs Miniörtchen auch gleich in die Wirtschaft „Punta“. Auf der Terrasse im Obergeschoß war noch alles frei zu dieser frühen Stunde und bis unsere Grillteller kamen, tranken wir ein herrlich kaltes Pivo.

Wir hatten zuerst einen Grillteller für zwei und einen für einen bestellt. Der Kellner fragte, ob er nicht alles Fleisch auf einer Platte servieren könnte und im Moment überlegten wir, dass eigentlich auch die Portion für zwei für uns drei reichen würde. Extra fragten wir noch einmal nach, ob er die Bestellung richtig verstanden hätte.

Und was brachte er? Einen Doppelgrillteller und einen Einfachgrillteller, stöhn.

Ich glaube, auf meinem lag ein Kilo Fleisch und irgendwie ging es mir wie meiner Mutter früher: ich hatte schon gegessen. Es schmeckte schon gut, aber mindestens die Hälfte ließ ich mir am Ende einpacken.

Weil es so schön hell an unserem Tisch war und die SAGITTA mittlerweile im Dunkeln lag, spielten wir hier noch ein paar Runden Räuberrommé.

Dienstag, 8 August 2017

Wenn die ersten Motorboote nicht schon um sieben aus dem Hafen gestürzt wären, wäre es ein total ruhiger Morgen gewesen. Wir machten uns auf nach Sibenik zum Einkaufen. Zwei Stunden durften wir wieder umsonst liegen und spazierten gemeinsam erst einmal Richtung Kirche, ein bisschen Kultur musste auch sein.

Dann zeigte ich Lena und Olli den botanischen Garten inmitten dem Steinmeer der Stadt, die sich den Hügel hinaufzieht.

Am Markt herrschte Trubel. Wir kauften zwei Wolfsbarsche, einen größeren und einen kleineren, dazu Kartoffeln, Zitrone und Petersilie. Ich brachte alles zurück zum Schiff und ließ meine beiden Jungen ein bisschen in Ruhe.

Als der große Ansturm auf die Marina begann, waren wir schon wieder weg und segelten langsamst Richtung Prvic zurück. Dort bot es sich an, einfach in den Wind zu drehen, den Anker hinunter zu lassen, gleichzeitig die Genua einzurollen und dann gemütlich das Groß in den Mast zu kurbeln, baden!

Aus Zwiebeln, Gemüse und dem restlichen Fleisch von meiner gestrigen Portion bastelte ich eine große Mittagspfanne und als wir genug geschwommen waren, holten wir den Haken wieder aus dem Meer.

Was hing denn da inmitten eines Kettengliedes? Ein dunkler Wurm, eine Seegurke, die weder vorwärts noch rückwärts kam. Lena versuchte, sie heraus zu ziehen, heraus zu drücken, zu überreden, es selbst zu versuchen, aber alles vergebens. Das arme Tier steckte fest. „Müssen wir die jetzt über den Kettenkranz schreddern?“ fragte sie. Ich zuckte die Schultern und wollte das Vieh ja auch nicht umbringen, aber es ging wohl nicht anders. Dann schnitten wir mit dem Messer in den Körper. Pustekuchen, die Haut war so hart, dass ich alle Kraft aufwenden musste, hinein zu schneiden. Dann floss eine Menge Wasser heraus und wir waren sicher, dass das Tier endlich tot war. So eine Meuchelei. Aber eigentlich war es ja selber schuld. Man kriecht auch nicht in fremde Kettenglieder.

Wir segelten in den Nachmittag hinein, bis der Wind weg war und fanden an der Südwestspitze von Murter eine wirklich nette Ankerbucht. Auf 11 Meter fiel der Haken, er hielt auch bombig, Olli schwamm die Landleine ans Ufer und wir beiden Mädels schwammen einfach ziellos herum.

Eine gute Stunde lang nervte uns noch ein Männeken auf einem Wassermotorrad. Alle Kinder des Ankernachbarn holte er nacheinander ab und knallte mit ihnen vor sich auf den Wellen herum. Es muss ein ganzes Kinderheim gewesen sein, so lange dauerte der Krach. Und weil bekanntlich alles ein Ende hat, kehrte dann auch endlich Ruhe in unsere Bucht Uvala Duboka ein. Wir begannen zu kochen.

Die Branzin mundeten vorzüglich und gerade, als es dunkel wurde, hatten wir die letzten Gräten ins Wasser versenkt. Stirnlampe, Kartenspielen.

Mittwoch, 9 August 2017

Ich beobachtete die Sonne beim Überdenhügelklettern, kochte Kaffee und schaute dumm in den Morgen. Bis zum Grund sah man, so klar war das Wasser. Die Wellen, die in die Bucht rollten waren das Werk der Ausflügler in ihren Motorbooten. Was in aller Welt wollen die Urlauber morgens um sieben schon in einer Badebucht? Ohne Sonnenschutz auf den Booten den ganzen Tag in derselben braten?

Wir spielten schon wieder ein paar Runden Karten und starteten um elf. Der Mittagswind hatte schon begonnen und obwohl die Vorhersage von einem moderaten dreier Südwest kündete, pfiff Äolus mit 17 Knoten. Wir wollten sowieso nach Norden und zischten mit sieben Knoten vor dem Wind. Lena steuerte und Olli meinte: „Ich mach heute alles, was du willst!“

Mit dem Wind konnte man die Hitze gut aushalten, nur der jeweilige Steuermann stand in der Knallsonne. Wir fuhren ja nach Norden und so stand die Sonne immer auf den Rücken des Rudergängers. Ich holte meine Hängematte und hing sie mit Schnürln und Wäscheklammern so auf, dass der jeweilige Rücken nur angebraten und nicht schwarz gegrillt wurde.

Zwischendurch richtete Lena eine Brotzeit mit angebratenen Zucchini, Bärlauchpesto und Pfefferbeisserstückchen auf Brot. Schleck. Derweilen wir mit mehr oder weniger Geschwindigkeit dahinschossen. Nachmittags um vier standen wir zwischen Pasman und Zut vor dem Inselchen Sit und schauten in die kleine Bucht hinein, die wir als Ankerplatz auserkoren hatten.

Dort lag ein älteres Motorboot mitten drinnen, der Mann winkte freundlich und rief „Nema problema!“ und wir suchten eine Stelle auf 10 Meter für unseren Haken. Dieses Mal schickte Lena ihren Olli nach vorne. „Er soll das ruhig auch einmal machen!“ meinte sie und kommandierte: „Anker ab!“

Bis von vorne ein gellender Pfiff kam. Ich hörte die Kette lautstark rasseln, normal war das nicht. Olli hatte stiere Augen, als ich am Bug ankam und zeigte auf die Ankerwinsch, die es komplett aus ihrer Verankerung gerissen hatte. Die Kette war bis auf den letzten Millimeter aus dem Kasten gerauscht und wäre sie nicht mit einem Bändsel an einer Öse am Schiff angebunden gewesen, wäre sie uns entfleucht.

Nach der ersten Schrecksekunde schrie Lena von hinten, während das Echolot lautstark piepste: „2 Meter!!!!“ Das konnte doch nicht sein, ich sah mich um. Beide Ufer waren weit genug entfernt, dass das stimmen konnte. Ich beruhigte sie und zeigte mit einer Geste, dass sie ein Stück vorwärts fahren sollte.

Ja, und nun? Ich telefonierte die Notfallservice- Nummer von Asta-Yachting an und hoffte in meiner Einfalt, dass sich die ins Gummiboot werfen würden, durch die Brücke zwischen Uglijan und Pasman hindurch zu uns herüberbrausen und die Arbeit machen würden. Diese Brücke war für Yachten mit einem so hohen Masten wie unserer tabu, aber die Luftlinie zu unserer Marina betrug höchstens 10 Seemeilen.

Nein, nein, das ginge so einfach nicht, wir sollten in die Marina kommen. Freude schöner Götterfunken. Das hieß für uns, die 50 Meter Kette mit Brachialgewalt aus dem Meer zu zupfen. Olli und ich freuten uns schon einmal, während Lena damit beschäftigt war, genau so viel vorwärts zu fahren, dass die Kette senkrecht ins Wasser hing und keinen Zug bekam.

Und los. Die ersten 20 Meter schafften wir in einem Rutsch. Dann streckten wir die Rücken durch. Ich befestigte eine Leine an der Kette, legte sie über die Winsch achtern und begann zu kurbeln. Das ging viel zu langsam und der Wind hatte auch wieder zugenommen. Also Ärmel hoch, nein wir hatten nichts Langärmliges an. Die nächsten 20 Meter wuchteten wir an Bord und dann hatte ich das Gefühl, dass der Anker nicht mehr griff. „Lena, fahr vor!“ Und wirklich, wir konnten uns erst einmal von den Ufern freifahren. Die Gefahr für das Schiff war gebannt und nun hatten wir bloß noch die letzten schweren Meter zu ziehen. Nun waren wir zu dritt und hoben mit „zuuu-gleich, zuuu-gleich“ unseren ausgebüxten Anker in seinen Bugbeschlag. Puh.

Durch diese besagte Brücke konnten wir nicht fahren, ohne des Mastes verlustig zu werden, also mussten wir uns auf gute drei Stunden Motorfahrt einstellen. Zuerst stampfte unsere SAGITTA sieben Meilen gegen den Wind und die Welle zur Südspitze Pasmans und dann half das Großsegel mit, den Speed zu befördern. Als der Kurs dann wieder genau vor dem Wind lag, holten wir das Groß wieder in die Rolle und ließen uns von der Strömung helfen. Satte 8 Knoten ergab das und so konnten wir um 20 Uhr 15 zur Tagesschau in der Marina Dalmacja in Sukosan einlaufen.

Gerade war es Nacht geworden, es dämmerte stark, ums gespenstischer muteten die leeren Stege der Marina an. Normalerweise reihen sich hier Mast an Mast, Schiff an Schiff, es wuselt nur so. und nun lag an jedem der langen Stege genau ein vergessenes Boot. An unserem Steg 6 eben auch. Ein Motorboot, das niemand mieten wollte in dieser Woche, freute sich über unsere Ankunft.

Ich hatte uns angekündigt und pünktlich stand ein Technikmitarbeiter von Asta-Yachting am Steg, um uns beim Anlegen zu helfen. Ansonsten hätten wir es auch alleine geschafft, weil meine riesige Crew nach dem zweiten Tag schon alle Handgriffe sicher beherrschte, alles sah, freiwillig machte und überhaupt war ich begeistert von den jungen Leuten.

Der Techniker hatte in fünf Minuten die Winsch samt Motor, der sich in meiner Bugkabine hinter einem Türl versteckt gehalten hatte, ausgebaut und mitgenommen. Er murmelte „Tomorrow“ und verschwand.

Wir verkrümelten uns ins Restaurant, wo auch fast alle Tische frei waren, es war Mittwoch. Den Berg Fleisch von letztens ersparte ich mir und bestellte Salat und Djuvecreis.

Donnerstag,10 August 2017

Es dauerte bis halb zwölf, dann war der abgebrochene Mitnehmer im Inneren der Winsch angeschweißt, das Gerät mit viel Sikaflex wieder an seinen Platz hoch oben über dem Ankerkasten hingeklebt, von innen mit vier neuen Schrauben festgedonnert und mir erklärt, wie die Kette auch frei laufen könnte. Warum? Weil ich darauf bestanden hatte, dass das doch gehen müsse.

Der nette Techniker erklärte mir, dass diese Ankerwinsch ein Scheißsystem sei, und dass der Freilauf aber trotzdem möglich sei: zwei Inbusschrauben aufgemacht, mit der Winschkurbel das obere Gehäuse aufgedreht, genau eineinhalb Umdrehungen, dann die Kette herausgebeten und ein bisschen herumnackeln. Ach, doch so einfach. „Olli, schau mal nach, ob wir im Bordwerkzeug Inbusschlüssel haben!“ Natürlich hatten wir keine. Das wäre auch das erste Mal gewesen, dass außer dem Allernötigsten noch so Luxusdinger wie Inbusse da gewesen wären. Der ASTA-Techniker ließ mir seinen da, falls ich einmal Lust bekommen würde, den Anker frei fallen zu lassen. Auf Lenas Fuß prangte inmitten von viel Tinte unter der Haut ein „Carpe Diem“.

Kaum, dass wir abgelegt hatten bekamen wir Hunger, alle drei. Die Genua ließ sich von einem lebhaften Südwind blähen, verlieh der SAGITTA 6 Knoten Fahrt und ich verzog mich in die Küche. „Ich würde schon was machen, aber letztens ging das auch schief!“ entschuldigte sich Lena, die am Vortag nach der Mittagskocherei einen Anflug von Übelkeit verspürte, der sich nur dadurch beseitigen ließ, dass wir beidrehten und sie kurz ins Wasser sprang.

Alles, was weg muss! Ich würfelte zwei Kartoffeln und briet sie mit Zwiebeln an. Aus einer schrumpeligen Avocado machte ich mit Essig, Pfeffer und Salz einen Brotaufstrich und garnierte das Schüsselchen mit drei halben Pfefferbeissern. Die Tomaten servierte ich extra, weil Olli nicht so darauf steht.

Nachmittags um halb vier erreichten wir die Nordspitze Ugljans. Nach deren Umrundung merkte Olli, welchen Unterschied es machte, ob man vor dem Wind oder am Wind fährt. Er bekam ganz große Augen, als es uns legte. Weil es aber zum Kreuzen auf sieben Meter Wassertiefe fiel zu flach war, kurbelte ich die Genua weg.

In der Uvala Muline lagen schon etliche Yachten, aber weil die Stelle auf großer Fläche um die 5 bis 7 Meter hatte, konnten wir frei die schönste Stelle auswählen.

Der Nachmittag war zur freien Verfügung, so stand es im Reiseprospekt.

Als Souper gab es Schweineschnitzel natur mit Paprika-Zucchini-Reis, schleck.

Freitag, 11. August 2017

Bis morgens um sechs lag die SAGITTA ruhig, dann aber zog und zerrte sie an ihrer Kette. Nein, die Kette lag nicht auf unserer neuen Ankerwinsch, wir hatten sie mit einer Leine ausgebunden. Die Böen pfiffen durch mein Deckenfenster, ich musste mir gleich die Zudecke über die Ohren ziehen, schaute kurz aus dem Fenster und drehte mich noch einmal um.

Dann schrieb ich mit einem schönen Kaffee aus meinem Skipperbecher an diesem Bericht, während meine Crew noch selig weiterschlief.

Wir verbummelten den Vormittag im steifen Wind, badeten trotzdem und machten uns dann so langsam auf den Weg home to the marina. „Ich muss euch wirklich loben!“

Der Ansturm auf die Tankstelle war wie jeden Freitag spektakulär. Wir ankerten vor der Ruine im großen Becken vor Sukosan. „Macht es dir etwas aus, gleich jetzt zu kochen?“ fragte Lena. Ich schüttelte den Kopf. Eine kleine Scheibe Brot tagsüber reichte nicht einmal mir und so fingen wir an, alles Restgemüse zu einer Spaghettisoße zu verwurschteln.

Das Tanken schenkten wir uns heute und parkten die SAGITTA um acht wieder pünktlich zur Tagesschau am Steg 6.

Der letzte Abend war angebrochen, wir kochten sämtliche Reste zusammen und lobten uns gegenseitig. Die beiden hatten vom ersten Tag an jede Arbeit selbst gesehen, Leinen aufgeschossen, Fender aufgeräumt, Abfall weggebracht, Geschirr mit Meerwasser gespült, Messer verräumt und das Cockpit geschrubbt. Lena und Olli, Lob und Anerkennung und danke für die schöne Woche.

 

      • Schiff:  Elan 44 namens SAGITTA
      • Route:  Sukosan – vor  – Prvic - Sibenik – Uvala Duboka/Murter – Sit Ankerversuch – Sukosan – Ugljan Uvala Mulin - Sukosan
      • Seemeilen:  154, davon leider nur 80% gesegelt wegen Ankerwinschschadens
      • Motorstunden:  13,3
      • Bordkasse:  keine Ahnung, viel war es nicht.