Die Damen Karla Maria und Ludmilla
Partyboot mit fünf jungen Münchnern

Partyboot

Samstag, 12. August 2017

Da standen sie plötzlich: Oliver, Marion, Vanessa, Daniel und Michael, meine neue Crew. Sie waren von der Fahrt k.o. und hingen erst einmal mit einem Bier im Cockpit herum. Christel und ich hatten schon eingekauft, alles verräumt und so konnten wir nach einer kurzen Einweisung zu einem Probeschlag auslaufen.
Zuerst tankten wir und übten gleich einmal Leinen belegen beim Längsanlegen. Am Vortag hatte an der Tankstelle so ein Rush geherrscht, dass ich den beiden jungen Leuten der Vorwoche angeboten hatte, die Tankerei nachzuholen. Wieso gingen denn nur 27 Liter in den Tank, in der Vorwoche waren.
Draußen pfiff der Nordwind so munter, dass die Freunde gleich einen guten Eindruck vom Segeln bekamen. Wir stellten fest, dass eine Segelkielyacht nicht umfallen kann und sehr viel Krängung zwar möglicherweise den Spaßfaktor erhöht, aber eigentlich keinen Sinn macht. Wir halsten, wendeten und als Zuckerl obendrauf drehte ich einen Kreis mit dichten Schoten bei 5 Beaufort und vollen Segeln. Ui, das gab leuchtende Augen bei meinen Ammerseeseglern. Daniel, Oliver und Vanessa hatten kurz vorher den Sportbootführerschein gemacht und waren bisher Jollen gesegelt. Ja, auf einer Jolle kann man die Schot aus der Hand fahren. Nun waren die Männer vor allem schon beeindruckt, dass ohne Winsch und Kurbel bei diesem Wind auch mit den muskulösesten Oberarmen gar nichts ging.

fünf waren wir zurück in der Bucht vor der Marina Sukosan, ankerten mit einem Aufschießer und sprangen ins Nass. Ich würzte die zwei Kilo Lammfleisch, die wir morgens im Supermarkt erstanden hatten, und schob sie ins Backrohr.

Wir legten an unserem Platz am Steg 6 wieder an, die Crew ging duschen und um 8 Uhr gab es buntes Gemüse, einen Berg Kartoffeln und besagtes Lamm mit Knoblauch, Rosmarin und Ingwer.

Sonntag, 13. August 2017

Warum waren wir gestern nicht schon in die Reise gestartet? Weil die Windvorhersage für die Nacht zu ungemütlich geklungen hatte. Böen mit 28 Knoten in einer Ankerbucht wollte ich den Neulingen nicht antun. Und mir auch nicht. Außerdem hatte Marion mit Entsetzen gehört, dass an Bord nicht geduscht werden kann. Wie würde sie das aushalten?

Die Nacht war dann zwar wider Erwarten ruhig, aber die Vorhersage hätte ja auch stimmen können. Unser erster Biereinkauf hatte sich als sehr knapp bemessen herausgestellt und drum fuhren zwei Leute noch einmal zum Supermarkt und kauften entsprechend nach.

Dann ging es los. Ein moderater zweier Westwind servierte uns ein bequemes Segelgefühl, wir redeten über Ausweichregeln, Segelstellung und Kartenarbeit und dann packte Daniel einen schwarzen Koffer aus. Er montierte ein weißes Plastikspielzeug zusammen samt Akkublock und Fernsteuerung und ließ die Drohne starten. Das Ding surrte mit rasender Geschwindigkeit senkrecht nach oben, wow.

Der Drohnenpilot hatte sein Handy auf die Fernbedienung geklemmt und sah auf dem Display das, was die Kamera hoch oben auf 35 Meter Höhe aufnahm.

Das Surrdingens flog uns voraus und filmte die SAGITTA mit vollen Segeln auf sich zu kommen. Dann fing Oliver die sanft herunterschwebende Drohne auf und der Spuk war vorbei. Auf die Aufnahmen bin ich gespannt. So etwas hatte ich noch nie am Schiff erlebt.

Kurz vor der Insel Babac gegenüber von Pasman-Stadt ankerten wir, der Wind war eh fast weg. Die Schwimmer hatten gut zu tun, um am Schiff zu bleiben, so eine Strömung herrschte hier. Die beiden Mädels verlangten nach einer Leine, an der sie sich festhalten konnten und Daniel suchte sein Donut. „Hast du Hunger?“ fragte ich ihn. Er schüttelte den Kopf und packte einen Riesenschwimmreifen in Donutform aus. Und ein zweites Badespielzeug kam zum Vorschein. Ein weißes Einhorn mit Namen Karla Maria. beides wurde an die Leine gehängt und mit einem Bier in der Hand bestiegen. Ein Bild für die Götter.

Als um zwei der Nachmittagswind einsetzte, rauschten wir mit sieben, dann mit neun Knoten gen Süden. Das war ein Hallo für die Ammerseeseglermannschaft. Wir flogen förmlich nach Murter. Oliver, die Tageswache hatte mit mir eine Bucht für die Nacht ausgesucht und um fünf standen wir vor der Uvala Kosirina.

Ein Motorbootfahrer steckte uns, dass die Duschen am Campingplatz offen seien und so schnell konnte ich gar nicht schauen, wie die beiden Pärchen im Beiboot saßen. Gut, dass Vanessa unsere Müllbeauftragte war. Im Laufe eines Tages hatten sich schon fünf Säckchen Abfall angesammelt, die sie nun pflichtbewusst mit an Land nahm.

Montag, 14. August 2017

„Eine Verwarnung von der Backschaft!“ Vanessa rügte ihren Freund, weil er im Cockpittisch eine Riesenunordnung hinterließ. Selbiger war zugemüllt mit Käppis, Handschuhen, Wäscheklammern und Fotogeräten, in diesem Fall war es eine GoPro. Wo doch nur die Wäscheklupperl darin etwas verloren hatten, bestenfalls noch die Handschuhe.

„Ich habe doch schon die ganze Zeit gesagt, dass es oben in der Genua einen Riss gibt!“ verteidigte sich Michael. „Es wollte niemand hören.“ Hinter einer schon geflickten Stelle am Achterliek schien die Sonne einfach viel mehr durch das Segel als daneben. Eine etwa 15 cm lange Stelle drohte, beim nächsten Starkwind aufzugehen. Und diesen Schaden wollte ich nicht gerne verursachen. Darum schrieb ich eine Mail an Asta-Yachting samt einem Beweisbild und segelte weiter. Unser Ziel für heute war Skradin.

Die ganzen Sprüche dieses Nachmittags habe ich vergessen, es waren viele, während die SAGITTA mit sechs oder sieben Knoten zwischen den Inseln vor Sibenik hindurch sauste. Marion war ein bisschen schlecht und als der Wind kurz nachließ, drehten wir extra für sie bei, damit sie kurz ihren komischen Kopf ins Wasser tauchen konnte. Danach war es ihr besser, es soll ja niemandem schlecht gehen auf meinem Dampfer.

Ich hatte vom Vercharterer ein Bordtelefon bekommen und dieses bimmelte jetzt sehr aufdringlich. Ein Techniker rief an und fragte, wo er das Segel holen konnte. Wir waren gerade im Anflug auf Sibenik und segelten durch den Kanal vorbei an den alten U-Boot-Bunkern, Wind 25 Knoten. Wir sollten an der Tankstelle anlegen, er wäre in 10 Minuten da. Ein Längsseitsanleger bei so viel auflandigem Wind hatte schon was. Ich überlegte schon, wie sich der Ableger gestalten würde.

Kaum waren wir fest, kam ein Hafenmitarbeiter angeradelt und erzählte etwas von einer Reservierung für ein größeres Motorboot, das hier, genau hier in einer Viertelstunde ankommen würde. Ja Mist.

Gerade, als wir Platz machen mussten, sprang der Asta-Mitarbeiter an Bord, sprach ein bisschen aufgeregt mit dem Hafenfritzen und meinte dann, er könne das Segel auch fahrend in der Sibeniker Bucht herunterholen. Mit voller Kraft fuhr ich in die Vorspring, die komplette Besatzung drückte das Schiff von der Hafenmauer ab und mit genau so viel Gas kam ich dann rückwärts irgendwie von der Mauer weg, ohne das blaue Motorboot hinter uns zu touchieren.

Ich fuhr gegen den Wind, wir holten die Genau heraus und dann bekam ich erst einmal einen schieren Blick. Das Segel hätte doch gar keinen Riss und jetzt sei er extra hierher gefahren. Ich sagte ihm, dass ich doch ein Foto mitgeschickt hätte und nur von meiner Angst, den Riss zu provozieren geschrieben hätte. Nach dem Motto: Melden macht frei. Gut, meinte er, er brauche jetzt drei starke Männer, da kam er bei meinen  Männern an die richtige Adresse. Sofort waren sie am Bug und zogen das Segel in schönen Falten herunter, während ich versuchte, das Schiff im Wind zu halten.

Bei dieser Aktion entdeckte der Techniker selber noch einen Riss, aber einen richtigen. Da hatten wir doch alles richtig gemacht. Ich solle einfach vorwärts an die Mauer heranfahren, er würde das Segelpäckchen (Päckchen mit 20 Kilo) auf die Mole werfen und hinterher springen.

Ja genau, und by the way hätte ich den Bug sauber verkratzt. Nein. Natürlich solle ich so tun, wie ich mich am besten fühle, sagte er und half beim Anlegen mit der Vorspring. Mehr Leinen benutzten wir nicht, er jumpte mit seiner Fracht hinaus, ich dampfte wieder ein, bloß mit dem Rückwärtswegfahren klappte es nicht so richtig. Der Wind drückte ungemein. Zweiter Anlauf. Gemeinsam drückte die komplette Crew das Heck weg und dann gelang das Manöver.

Auf nach Skradin. Vorbei an den Muschelzuchten, steuerte Oliver unter der ersten Brücke durch, wo gerade ein Bungeespringer am Seil baumelte. Bestimmt kostete das Späßchen einen Haufen Geld und dann hängt man dafür wie ein geschlachtetes Lamm am Haken, bis einen die Herrn oben auf der Brücke mit der Winde wieder hochzogen. Nein, das wäre nichts für mich.

Oliver durchfuhr die Windungen des engen Fjordes, es pfiff immer noch und kurz vor der zweiten Brücke suchten wir einen Einschnitt zum Ankern. Ein letztes Mal baden vor Skradin sollte schon noch sein.

„Oi, da ist es ja schon!“ Eine Kurve noch und dann sah man sich schon mitten in der Marina und von Schwänen umringt. Der Stadtkai war fast leer, aber als ich nur noch zwei Meter vom Kai entfernt war, alle Leinen und Fender parat, pfiff ein äußerst unfreundlicher Kerl, und wies mit dem Arm Richtung Marina, wortlos. Exakt das gleiche war mir eine Woche zuvor hier passiert. Ich konnte einfach nicht glauben, dass es so unverschämt unhöfliche Menschen gibt.

Nur, dass ich gegen den Wind, so völlig haltlos, wie wir waren, nicht geschickt wegkam. Dem Nebenkatamaran hing ich auf der Muring. Blöd. Der Unhöfliche kam im Gummiboot angefahren und schubste mein Heck herum, grimmigen Gesichtes.

Meine Crew wollte größtenteils sowieso in den Komforthafen und nun machten wir das eben. Ein paar einzelne Plätze waren noch frei und als wir angelegt hatten, fragte ein Junge von der Marina, ob wir reserviert hätten. Nö. „Oh, you are lucky!“ meinte er, es wäre wirklich fast alles ausreserviert und wir hätten gerade noch Glück.

Nach einer Stunde bekamen wir schon unser Segel wieder, wieder ein bisschen mehr geflickt. Dieses Mal kamen zwei Mitarbeiter von Asta-Yachting und zogen die Genua auf. Zack, war die Aktion beendet.

Vor lauter Freude bestellte Daniel bei der Hafenbar drei Caipiniha fünf Mojito und fünf Weißbier. Der Kellner tänzelte heran und balancierte sich und das  volle Tablett über den Landsteg. Das Hallo war groß, der Preis auch. 100 Euro. Egal, die gutverdienenden 30-Jährigen aus München ließen es im Urlaub einfach krachen.

Wir gingen heute essen. Meine Crew ließ sich Fische zeigen.

Dienstag, 15. August 2017

Die Morgensonne schien über Skradin und der Dampfersteg, an dem die Schiffe Richtung Krka-Wasserfälle abfahren gähnte auch noch. wir frühstückten gemütlich und bis es dann die Mannschaft geschafft hatte, das Boot zum Ausflug zu verlassen, war es schon elf. Und die anderen Touristen eben auch schon aufgestanden.

Christel und ich blieben zurück, liefen nur zum Fort auf dem Hügel, kauften noch ein bisschen Gemüse nach und kehrten zur SAGITTA zurück. Im Cockpit saßen die jungen Leute und berichteten. Die Schlange zum Schiff wären 500 Personen lang gewesen. 4000 wären an diesem Tag schon befördert worden, das konnte man auf einer digitalen Anzeige lesen und ihre Tickets hätten sie zum gleichen Preis wieder verkaufen können. 20 Euro kostet der Eintritt mittlerweile zum Nationalpark. Wir legten ab, ankerten im See und sprangen erst einmal ins brackige, grüne Wasser. Daniel holte seine Drohne heraus. Das Spielzeug gefiel mir immer besser, vor allem die Filme und Bilder, die nach dem Flug auf der Speicherkarte war. Das Plastikdings surrte sich wieder in die Höhe, umkreiste das Schiff vor Anker und machte dann noch Bilder aus 165 Metern Höhe. Das war schon ein Ding.

Mitten im Fjord sahen wir eine Yacht an Muschelzucht halten. Das war ja der Clou. Wir kauften hier Muscheln ein. Ein Mussel-Drive-In.

Was durfte das Kilo denn kosten? Oliver stand ab Bug und fragte. Der Preis überraschte uns sehr. Für drei Kilo wollte der tätowierte Muskelprotz nur 20 Kuna, das sind keine drei Euro. Her damit. Ich fuhr rückwärts an, wir tauschten Geld und Muschelsack und freuten uns.

Sibenik ließen wir links liegen, passierten den Kanal und holten die Segel heraus. Hei, ein munterer Westwind blies. Zu dumm, wir wollten nach Westen. Ein paar Wenden vor der Gefahrenstelle zwischen Privic und Zlarin wollten gemacht werden.

Michael: „Steht jetzt akut ein Manöver an?“ „Nein, kannst pinkeln gehen.“ Nickte ich ihm zu. Michael zog eine Zigarette aus der Tasche und meinte: „Rauchen ist mein pinkeln.“

Die Südbucht von Tijat schien völlig überfüllt, ich erinnerte mich mithilfe meines Hafenhandbuchs von Karl Heinz Beständig, dass ich schon einmal an dem Steg an der Ostseite Obonjans gelegen war und zielte darauf zu.

Wir machten längsseits fest und lagen sehr fein vor den Lautsprecherboxen des felsigen Strandbads. Nein, nicht direkt vor den Laufsprechern, aber gefühlt. Vanessa und Marion rissen gleich die Arme hoch und fanden den Lärm klasse. Nach einer halben Stunde kam ein Auto an und jemand meinte, wir müssten einem Passagierboot Platz machen, könnten aber danach wieder her.

Zwei Ankerversuche am Molenkopf scheiterten und darum legten wir nach dem angekündigten Taxischiff wieder am alten Platz an und kochten unseren Muschelsud. Mit Rigatoni mundeten die Mussels wirklich vorzüglich, es war mittlerweile dunkel.

Ein Auszug aus einer mail an eine Freundin:

ich will nie wieder nach Kroatien. Gestern haben sie uns an einem Steg so schikaniert, sind über unser Schiff getrampelt, haben mit der Polis gedroht, keiner weiß warum. Kein Verbotsschild, kein nix, drei Leute vorher haben gesagt, es wäre in Ordnung, ich versteh die Welt nicht mehr.

Es war so: aus dem Nichts fuhr ein Motorböötchen an, legte sich längsseits an uns fest ohne und irgendetwas zu sagen oder gar zu fragen, trampelten zwei Männer über unser armes Boot, schrien etwas von Polizei. Wir sahen uns nur an. Und dann kam wieder ein Auto den Berg herunter gefahren mit drei Kerlen drin. Ihr Boss hätte gesagt, wir müssten hier weg. Meine Crew verhandelte und fragte, warum und dass wir doch morgen früh weg wären. Nichts. Unerbittlich wiesen uns die kroatischen Großgrundbesitzersklaven weg.

Eine Boje könnten wir nehmen, erlaubten sie großzügig. Der Mond war bloß noch eine Sichel, also Vollbeleuchtung am Schiff an. Wir ankerten mit ganzer Kette und zogen uns am Heck eine rote Boje heraus. Zum Halten gegen den Wind, als Landleine quasi. Wir ärgerten uns noch eine Weile gemeinsam, nur Karla Maria sagte kein Wort und nahm alles sehr stoisch hin.

Mittwoch, 16. August 2017

Vanessa und Daniel hatten schlecht geschlafen. Marion und Oliver auch. Nur Christel und ich im Bug und Michael in der Stockbettkabine haben von den Wasserplatschern gegen das Heck und dem Wummern bis nachts um vier nichts mitbekommen. Gemeinsam frühstückten wir in der Sonne und dann probierten alle, stabil gegen ein Ziel rückwärts zu fahren. Gar nicht so leicht, gell.

Segel raus und ab in den Vormittag. An der Ostseite Tijats war der Wind kurzzeitig weg. Am Ufer entlang fuhr langsam ein Gummiboot. Was schwamm denn da wie ein Fischschwarm dahinter? Schwimmer mit orangen und lilanen Hallebadkappn. http://www.strel-swimming.com/s1a96/seeschwimmen/seeschwimmen.html aha.

Genau in die türkise Bucht, an der die 12, 15 Leute gerade vorbei kraulten, wollten wir. Daniel sprang mit seiner GoPro vom Bugkorb ins Wasser, Christel und ich schwammen total langweilig zum Glied (wir trafen uns an der Ankerkette) und Michael versuchte, auf die Karla Maria aufzusitzen.

Ein übers andere Mal kippte er mitsamt dem Plastikvieh um. Oliver freute feixte: „2:0 für Karla!“ Michael hatte es dann endlich geschafft, das Einhorn zu besteigen und lag selig im weißen Plastikwännle.

Als er davon genug hatte, kochte Michael ein Kilo Nudeln und peppte damit den übrigen Muschelsud vom Vortag mengenmäßig auf. Schleck.

Den Nachmittag verbrachten wir Wenden übend. Zwangsweise, weil wir nach Murter wollten und genau aus Nordwesten kam der Wind. Die Wenden gelangen immer besser. „Klar zur Regattawende?“ fragte Daniel am Steuer übermütig. „Wenn ihr nicht so lange back haltet, braucht ihr am Schluss keine Kurbel!“ riet ich und danach ging‘s noch besser. Jollensegeln ist halt doch etwas anderes.

Ich hatte per mail in der Marina Betina auf Murter einen Platz reserviert. Aus der Enge in Skradin hatten wir gelernt. Und als die Bestätigung angekommen war (es lebe das internet auf See), konnten wir uns ja Zeit lassen mit dem Ankommen.

Um halb fünf wurde es dann Daniel zu lang. „Was bringt es denn an Geschwindigkeit, wenn wir jetzt den Motor dazu schalten?“ Tja, das ist mein Piepspunkt. „Wir sind doch ein Segelboot, oder?“ entgegnete ich. Dabei düsten wir mit sechs Knoten gen Norden, aber eben kreuzend und das dauert bekanntlich viermal so lange als direkt.

Um viertelnachsechs standen wir mindestens schon beim Leuchtturm Misine und gleich dahinter kam ja die Durchfahrt zwischen den Inseln, die uns mit vier Metern Tiefe reichte. Die Planung eines Segeltages in Verbindung mit der Windvorhersage ist eben nicht ganz so einfach und ich dachte heute, ich lasse die Jugend einmal machen.

Weil bei uns der Funk sich automatisch mit den Navigationsgeräten einschaltet, lief er halt. Oliver schüttelte sich vor Lachen, als er den Niedergang hoch ins Cockpit kam: „Weißt, was grad einer auf Kanal 16 gefragt hat? Wolfgang, host dei Weißbier scho ghoit!“

Ich wäre ja in der U. Kosirina geblieben, der Bucht vom ersten Tag, aber die Damen wollten unbedingt duschen und der Wein war auch aus. Notstand an allen Fronten also. Die enge Durchfahrt vor Arta in die Bucht von Murter hinein war spannen, aber Oliver hielt sich genau in der Mitte zwischen den Ufern, wo die Tiefe von 4 Metern fünfzig für uns gerade so reichte. Unser Kiel mit den guten zwei Metern Tiefgang küsste also keinen Meeresgrund und bald erreichten wir die anvisierte Marina Betina.

Gott sei Dank hatte ich reserviert! Die halbe Marina war leer, wie geht denn das im August? Weil Oliver gerade zufällig am Steuer stand, fragte ich ihn, ob er den Anleger fahren wolle. Er schaute überrascht und antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Sehr gerne!“

Ich hatte höchstens ein bisschen bei der Wahl der richtigen Geschwindigkeit souffliert, den Rest erledigte Oliver sehr sauber. Als alles gut vertäut war, pustete er kräftig aus: „Ich war jetzt aber schon angespannt!“ und schwupps, waren die beiden Mädels Richtung Dusche entschwunden.

Die fünf Freunde schlenderten in die Stadt zum Essen, Christel und ich spazierten eine Runde und kochten uns dann zuhause.

Donnerstag, 17. August 2017

Heute war letzte Gelegenheit, frischen Fisch zu kaufen und nach einer halben Stunde Fußmarsch, dreimaligem Fragen und gefühlten 50 Grad in der Sonne (Schatten war rar), fanden wir einen Fischladen am Markt. Es war schon halb elf und die Styroporkisten ziemlich ausgesucht. Fünf Branzin suchten wir aus. „You clean them yourself?“ Es hörte sich eigentlich nicht wie eine Frage an. Ich schob die Lippen vor und schüttelte ganz klein den Kopf. Er grinste und fing an, den ersten Seebarsch zu schuppen. Ich fragte, ob die Fische aus einer Farm seien und er erklärte ganz stolz, dass seine Fische aus Kroatien „nearby“ kämen. Seine Lieferfischfarmen seinen bei Rasline im See vor Skradin und bei Pasman. Ich wunderte mich, warum das etwas Besonderes sein sollte. „The most fish come from greece. Water there is warmer and fish grow faster!“ Unfassbar. Da karren die das Meergetier mit LKW 12 Stunden von Griechenland nach Kroatien und verkaufen es da als frischen Fisch. Und die Touristen sind begeistert wegen des local food.

Der Fußmarsch zurück erschien kürzer, aber nur, weil man den Weg schon kannte. Nachdem alle gleich noch einmal geduscht hatten, legten wir mittags ab. Daniel fragte, ob er an der freien Außenmole längsseits anlegen üben dürfe. Beim ersten Versuch war er ein bitzele schnell dran, dann übte Christel, und anschließend wollte Daniel gleich noch einmal.

Die nächste Stelle in der großen Lagune von Murter gehörte uns, Anker runter. Karla Maria durfte mit uns baden und bockte vor Glück. Halb zwei, weiter. Wir hatten besprochen, dass noch eine Ankernacht vor der Heimkehr dran war, ungefähr auf Zut mit dem Haken auf dem Zett. Žut.

Der fröhliche Nachmittagswind brachte die SAGITTA auch sehr komfortabel Richtung Žut. Es war wirklich ein Vergnügen, mit der Elan444 zu segeln, das muss hier mal gesagt werden. Mit reparierter Ankerwinsch, siehe Kroatien2 und genähtem Genuariss war das Schifflein super in Schuss.

Den gleichen Gedanken hatten wohl noch ein paar andere. Die weite Bucht in der Mitte Žuts war schon gut besucht. Wir suchten uns einen Platz, der Anker wollte und wollte im Seegras nicht zubeißen, aber nach dem dritten Anlauf gab ich mich angesichts des ruhigen Wetters einfach mit viel Kettengewicht zufrieden. Oliver schwamm die Landleine ans Ufer und dann schauten wir einfach nach Norden, da lag niemand. Wir konnten uns ja einbilden, wir wären alleine in einer Traumbucht.

Die Branzin mundeten köstlich, wie Michael sie gebraten hatte, dazu Djuvecreis und Gemüse, wunderbar. Das Bild oben hat der Drohn gemacht.

Freitag, 18. August 2017

Morgens konnte man wirklich jedes einzelne Blatt des Seegrases sehen, so klar war das Wasser. Daniel packte nach dem Frühstück seine Drohne wieder aus, die Akkus waren wieder vollgeladen. Das Einhorn Karla Maria durfte wieder schwimmen, Vanessa und Marion posierten als cover girls darauf, Michael und Oliver machten Synchronsprünge von den beiden Heckkorbsitzen und das alles filmte die umherschwirrende Drohne, die noch immer keinen Namen hatte. Ich taufte sie not. Nottaufname: Ludmilla.

Als Ludmilla wieder landen sollte, verlor sie kurzzeitig das Funksignal und machte das, was in einem solchen Notfall vorgesehen ist. Sie versuchte genau an der Stelle zu landen, wo sie gestartet war. Dumm war nur, dass wir uns auf einem Schiff befanden. Sie flog zweimal zwischen Mast und Wante hindurch ohne sich weh zu tun. Ein Wunder. Dann fand sich der Kontakt zu Daniel wieder, der sein Baby wieder steuern konnte und auffing. Puh, Glück gehabt, eine Flügel abrasiert.

Die fehlenden Takes für den Film, den er zu schneiden vorhatte, waren gemacht und wir konnten die letzte Reise in die Heimatmarina antreten.

Meine Crew wollte am frühen Nachmittag Richtung München starten und darum motorten wir eben die erste Stunde. An der Südspitze Pasmans kam dann der Nachmittagswind, wir segelten die letzten 10 Meilen, und wie schön.

Schon um zwei Uhr standen wir an der Tankstelle, wo der große Freitagsansturm noch nicht angebrochen war und füllten lumpige 30 Liter Diesel ein. Dann stimmte die Angabe von 7 Liter pro Stunde hinten und vorne nicht. Es waren nur 2,7 und damit eindeutig bewiesen, dass mindestens mein direkter Vorgänger vor drei Wochen nicht getankt hatte. Nach der ersten Woche mit 10 Motorstunden waren 80 Liter in den Tank gegangen. Frechheit.

Den letzten Anleger, der bekanntlich dem Skipper gehört, schenkte ich Daniel. Wir verabschiedeten uns, ich holte meine Kaution zurück und den restlichen Nachmittag brachten Christel und ich damit zu, den 1376 einlaufenden Yachten beim Anlegen zuzuschauen.

Jeder Törn bringt lustige Dinge, dieses Mal die Damen Karla Maria und Ludmilla.

Schiff:  Elan 44 namens SAGITTA

      • Route:  Sukosan – Uvala Kosirina/Murter - Skradin – Obonjan – Murter Marina Betina – Lucka Hiljan/Zut - Sukosan
      • Seemeilen:  136, davon 90% gesegelt
      • Motorstunden:  11,9
      • Bordkasse:  100 Euro und etliche WeinBiernachkäufe