Chiemseesegeln unter griechischer Sonne
Ohne Wind geht’s auch
Frühling 2017 in Hellas

2DirkMärzAthen2017018

Mittwoch, 15. März 2017

„Eure Namen klingen gemeinsam richtig lustig: Lang Bomm Kuss!“

Beim Einchecken am Schalter von AirChina hatte die Dame am Schalter nach den Namen gefragt. „Wenn der Bomm Kuss, dann lang.!“ Es ging ja schon gut los mit der Blödelei.

Der Bus X96 brachte uns zur Marina, wo Georgios uns auf der ALMOST FREE mit laufendem Generator begrüßte. Der Generator war sein Baby. Der Fernseher lief, die Kaffeemaschine blubberte und auf dem zugedeckten Gasherd stand ein zweiflammiger Elektrokocher. Nein, zweiflammig darf man nicht sagen, es war ein zweiplattiger. So ein Wahnsinn! Voller Stolz zeigte mir der Schiffseigner noch das Bügeleisen und im Bad den nagelneuen Föhn. Ich schüttelte zwar nur noch den Kopf, aber Georgio war voll in seinem Element.

Ich bekam also einen frischen Kaffee, ein paar Einweisungen zum neuen Baby, äh Generator, und dann waren wir allein. So allein, dass Dirk mitsamt dem Einkauf noch nicht da war. Reiner, Fred und Guido und die Skipperlissy natürlich warteten auf unseren fünften Mann. Dirk war schon am Vortag angekommen und hatte sich heute auf den Weg zum Supermarkt gemacht. „Tja, die Lieferung kommt zwischen zwei und fünf!“ verkündete er dann alsbald. Wir waren komplett.

Ich ging ins Bett. Meine Bugkabine hatte ich bezogen, den schönen blauen Seidenschlafsack von Gunnars internetbusiness (www.sleepinsilk.de) draufdrapiert, mich darauf geschmissen und dann war ich am Lesen. Ein Lutherroman passend zum Jubiläum (1517 war das Reformationsjahr, gell).

Der griechische Service funktionierte wie immer gut. Um drei waren die eingekauften Sachen ans Schiff geliefert, verstaut und schwupps, ging es um 1515 los. Einweisungsrede gab es diesmal keine, alle vier waren schon mit mir gefahren und hatten jeweils eigene Schiffleins an Binnengewässern. Nur, wo die lifebelts und die Feuerlöscher versteckt waren verkündete ich. „Zwei vor, zwei Achterleinen!“ „“Murings los, …… Achterleinen los!“ „Einfach so?“ fragte Guido. Es regte sich kein Fähnchen, ich hatte ein Bugstrahlruder, schob das Unterkiefer vor und nickte. Wir waren unterwegs.

Segel setzen! Alles raus! Tja.

Wind, wo bist Du? Dirk opferte Rasmus ein wenig seines Ablegerbieres, aber der Gott des Windes und des Meeres war für heute nicht mehr available. Ich fing an, diesen Bericht zu schreiben, als es von oben tönte: „Delfine!“

Ich glaubte Reiner kein Wort. Du willst mich doch bloß hochlocken! Da hörte ich von Fred ganz leise: „Oh, Delfine!“ und war schon oben im Cockpit. Drei schwarze Rückenflossen erhoben sich sanft und tauchten wieder ein ins brrr 16 Grad kalte Wasser. Euch macht das nichts aus, dachte ich, aber wenn ich in dieser Woche meinen Luxuskörper in die Aegaeis tauche, werde ich bibbern. Ich freute mich schon.

Der Volvo Penta schnurrte und brachte uns im Abendlicht nach Aegina, der Pistazieninsel im saronischen Golf.

Donnerstag, 16. März 2017

2,60 Euro war der horrende Preis für geschwindelte 40 Fuß Schiffslänge. „Privacy or charter?“ fragte die junge Dame von der Port authority. Ich erinnerte mich, dass das ganz verschiedene Preise waren und antwortete wahrheitsgemäß: „Charter.“

Sie fing an, in den Taschenrechner zu tippen: 0,20 mal 12 macht 2,40. Von einem Privatbooteigner hätte sie 0,47 pro Meter Schiffslänge und drauf 43% Steuer gerechnet. Aha. Der Himmel war jetzt strahlend blau.

Wir erstanden nebst diversen Packungen Pistazien (dafür ist Aegina berühmt) fünf schöne Goldstriemchen und bei der Gemüsehändlerin meines Vertrauens Artischocken und Zucchini. Die Standlfrau am Kai ist zwar nicht die billigste, aber weil sie mich immer von weitem grüßt, umarmt und auf die Backe küsst, kaufe ich gerne bei ihr ein. Sie weiß schon, wie man’s macht. Die Artischocken ließ sie von ihrem Bruder erst besorgen, aber nach 10 Minuten war die Bestellung da. Um zu beweisen, dass die Zucchini wirklich frisch waren, ritzte sie die armen kleinen Dinger wiederholt mit ihrem dreckigen Daumennagel, dass es mir schon weh tat und anfing, hysterisch mit dem Kopf zu nicken.

Der Bus hinauf zum Tempel der Aphaia fuhr um 1015 und war eine halbe Stunde später auf dem Hügel mit der antiken Stätte. Blöd war bloß, dass er nach dreißig Minuten schon wieder zurückging und der nächste dann erst um drei. Wir sputeten uns also mit dem Staunen über den gut erhaltenen Tempel. „Spielen wir halt Japaner!“ meinte Guido. „Wir machen Fotos und beeilen uns!“

1230 Ablegen. Reiner mühte sich mit der Ankerkette. „Drecksding!“ fluchte er ein ums andere Mal, weil die Kette immer wieder über den Kranz sprang. Segel rauf und warten. „Kommt da ein Wetter?“ fragte Guido. Es hatte zugezogen und war richtig milchgrau und das ohne Wind, sailors dream.

„Bist du grad auf dem Weg zu einem Wurstbrot?“ Fred verstand sofort und brachte Guido ein Bier der Marke Mythos aus der Küche.

„Allein in der Flaute“ sinnierte Guido, Dirk steuerte bei: „Sieben Tage für eine Meile! Wäre auch ein schöner Berichtstitel!“ Wir ratschten in aller Langsamkeit, als Guido leise sagte: „Delfine!“

Ein paar Gruppen der schönen Tiere tanzten in einiger Entfernung und zauberten uns das Delfingrinsen ins Gesicht. Reiner stand am Bug und freute sich über einen zutraulichen Freund, der ums Schiff herumtauchte. Einige sprangen richtig aus dem Wasser. „Schau mal, der Springer! Das ist Axel!“

Dann kochte ich die Artischocken und reichte Mayonaise dazu, schmatz. Sogar den Bast konnte man mitessen, so weich war das Innere und die ausgezutzelten Blätter landeten direktemang im Meer, so liebe ich Artischockenessen.

Wir hatten ja Zeit und ließen die ALMOST FREE gemütlich mit zwei Knoten Richtung Poros ziehen. „Schaut mal, die Windfäden!“ meinte Dirk. „Man sollte sie einfach mit Tesa waagrecht hinkleben.“ Reiner ergänzte: „Kein Wind, aber die Fäden stehen gut!“

Als wir uns schon mit der Windlosigkeit abgefunden hatten, schickte uns Äolus doch noch vier Beaufort. Die letzte Stunde vor der Einfahrt in den See vor Poros sausten wir schließlich mit 6 Knoten dahin, die Bavaria legte sich schön und wieder stand uns die Freude im Gesicht.

„Kennt ihr den Witz mit dem Hai?“ fragte Guido.

„Eine Haimutter und ihr Baby sehen an der Wasseroberläche einen Schiffbrüchigen zappeln. Das Baby will sofort hoch und ihn fressen. Die Mama sagt: nein. Erst schwimmen wir um ihn herum und zeigen ihm die rechte Flosse. Dann will das Haibaby ihm beißen. Die Mama sagt: nein. Jetzt schwimmen wir um ihn herum und zeigen ihm die linke Flosse. Dann will das Haibaby ihm beißen. Die Mama sagt: nein. Jetzt schwimmen wir um ihn herum und zeigen ihm die Rückenflosse. Das Haibaby will wissen, warum es nicht endlich zubeißen darf. Sagt die Mama: Ausgeschissen schmecken sie besser.

Kurz vor Poros tröpfelte es, aber nur kurz, keine einzige Yacht lag am langen Kai, unvorstellbar zu einer anderen Jahreszeit. Guido legte die ALMOST FREE wunderbar an und dann stapften wir zum Uhrturm hoch.

Reiner mischte die Salatsoße, Dirk schälte die Kartoffeln und ich briet die Fische, Galadiner auf See.

Freitag, 17. März 2017

Zimmerservice! Reiner brachte Kaffee in meine Kemenate. Ich lag noch gemütlich mit meinem Skipperbecher voll Kaffee im Bett, als ich von draußen hörte: „So, die passarella ist repariert!“ Guido und Fred hatten die Gasflasche samt Kasten ausgebaut, waren hinein gekrochen und hatten von hinten die vier Schrauben des Landstegs fest gezogen. Meine Buben sind eine Schau!

3 Euro zahlten wir heute, aber nur, weil die Tussi die Papiere sehen wollte und da die richtige Schiffslänge las. 15 mal 0,20 macht eben drei.

In der Morgensonne spazierten wir zum Fischmarkt und erstanden 700 Gramm Sardinen für mittags und legten irgendwann um elf ab. „Drecksding!“ Ich musste mich Reiners unflätiger Sprache bedienen. Bis ich den Anker aus der Tiefe geholt hatte, die Kette immer und immer wieder über den Kranz gehüpfelt war und Dirk half, den Kettenberg im Kasten hinunter zu schubsen, vergingen zehn Minuten. Sowas.

Fred steuerte uns über die flachen Stellen und dann versuchten wir Schmetterlingssegeln gen Süden. Wind, wo bist du? Wir konnten warten, klappten das Bimini zurück und genossen die Sonne. Ausziehen.

Die schwarzen Sockenwuzel hatten es sich zwischen meinen Zehen bequem gemacht und die Haut meiner Füße sah auch ganz schrumpelig aus. Ich hängte also dieselben am Heck ins Wasser uns wusch di Fieß. „Wie kalt ist es denn!“ fragte Guido. „51,2 Grad!“ antwortete ich. Das jedenfalls stand auf dem Bordinstrument.

Ja, es war frisch, aber ich hätte es kälter erwartet. Mal sehen, ob ich mich ganzkörpermäßig noch hineintraue auf diesem Törn.

Dümpel, dümpel, Guido schälte Gurken für den Salat und weil kein Hobel an Bord war, schälte er einfach lange Streifen: ein Gurkenspaghettisalat. Reiner steuerte das Boot und ich mehlte die Sardinen, damit sie in der Pfanne schön auseinander blieben beim Braten. Schon wieder schmatz.

Bis kurz vor Hydra-Stadt segelten wir und weil ja alle meine Buben Segler sind, meckerte auch keiner oder verlangte gar nach dem Motor, dem unaussprechlichen. So machten wir mit ohne Fahrt doch am Ende des Tages 21 Seemeilen. Wird der Hafen leer sein wie Aegina und Poros zuvor?

Ich traute meinen Augen nicht, der Hafen war leer. Nicht ein Mast war zu sehen, keine Yacht, wir hatten die freie Wahl, unglaublich. Wer Hydra während der Saison kennt, weiß, dass man in erster Reihe nie einen Platz bekommt und dann voreinander festmacht und über die Schiffe steigen muss oder mit dem Beiboot an Land fährt. Ein Törn im März hat wirklich etwas, vor allem, wenn durchgehend die Sonne scheint. Danke, Universum!

Nach dem Anlegerschluck und gerösteten Kichererbsen schwärmten wir aus. Der Metzger meines Vertrauens stand vor seinem schmalen Laden und streckte mir sofort die Hand hin, als er mich erkannte. Das macht Laune, wenn man in jedem Hafen einen netten Menschen hat.

Tomatensalat und Krautnudeln stand auf unserer Abendkarte, schleck!

Reiner erzählte von der Nacht vor unserer Abreise und dass es so Herzbeschwerden hatte, dass er fast abgesagt hätte. „Na ja, dann hätte ich eben eine schöne Seebestattung gekriegt. So mit Knoblauch im Mund und Blümchen in den Ohren!“ Schön, dass wir drüber lachen konnten.

Samstag, 18. März 2017

Reiner, mein Kaffeeservice, brachte mir denselben wieder ans Bett. Lange hielt ich es in demselben heute nicht aus. Der Frachtkahn hatte neben uns angelegt und das emsige Treiben lockte mich ins Cockpit. Die Mulis, Maultiere und Esel warteten geduldig, bis sie mit Ziegeln, Wasserflaschen, Gemüse und Sand beladen wurden. Und geschätzte 20 Katzen saßen vor dem Fischer, der heute ausnahmslos rote Fischis anbot.

Nein, heute keine Fischis. Wir wollten doch beim Metzger meines Vertrauens einkaufen, das hat doch Tradition in Hydra . Das Lammhaxl sah sehr wenig aus für fünf Leute, drum entschieden Guido und ich uns für ein fettes Pollo. 14,50, es waren drei über Kilo. Dann spazierten wir die Treppen rauf und runter, bewunderten die Katzen auf den Kanonen und kauften auf dem Rückweg noch fünf Artischocken. Wieder Artischocken, super!

Auf die letzten Meter zickte die Ankerwinsch wieder, aber egal. Wir schichteten die Kette sorgfältig in den Kasten und so ging es dann, Segel raus. 11 Uhr.

Windmäßig sah es mehr aus als es war und so dümpelten wir wieder mit zwei Knoten Richtung Nordosten zurück. „Mag wer ein Wurschtibrot?“ Ich brachte fünf Bier aus dem kühlen Schrank. „Des brennt mi ganz sche auf!“ kommentierte Reiner die volle Sonne.

Guido passte auf die ALMOST FREE auf, damit die Schmetterlingssegel gut standen, die wie Elefantenohren rechts und links drapiert waren und sah ganz glücklich dabei aus. Nein, er machte das nicht im Liegen

Um halb eins zuzelten wir dann wieder an Artischockenblättern herum und ließen sie dann hochkant ins Wasser segeln. Blöderweise war das Mayonaisenglas leer (Was, das sollte ich selbst so in den Kühlschrank gestellt haben?) und drum bastelte ich aus dem guten zehnprozentigen Joghurt, Senf, Olivenöl und Gewürzen einen Ersatzdip, schmeckte auch gut.

Der Wind frischte auf, hurra! Südwest vier. Die Sonne brillierte schon, aber jetzt mussten wir uns die Kapuzenshirts anziehen. Dirk steuerte Raumschiffkurs, die ALMOST FREE machte 6 Knoten Fahrt und der Rest der Mannschaft las. Als Reiner die Wurstebrote wieder loswerden wollte und nach unten ging, schaffte Tageswache Dirk ihm den Logbucheintrag an. „Des machma jede Stunde, gell?“

Als Reiner wieder oben auftauchte und sich sein ebook zur Brust nahm, fragte ich: „Reiner, was liestn?“ Er schaute nach links oben, dachte über die richtige Antwort nach und sagte: „Dreizehneinundzwanzig.“ Fred half ihm: „Nicht die Uhrzeit. Sie will wissen, was du liest!“ „Ach so.“ Er nannte den Buchtitel, aber ich habe ihn vergessen. Von Melinda Bauer.

Wieder ein toller Frühlingstag auf dem ägäischen Meer, im Bauch Artischocken, im Glas Retsina, in der Hand ein Buch, auf dem Gesicht zufriedener Ausdruck. So muss Urlaub.

Ein paar Witze kreisten: Was ist der Unterschied zwischen einem Single und einem Ehemann? Der Single geht an den Kühlschrank, findet nichts Gescheites und geht ins Bett und beim Ehemann ist es andersrum

Ein altes Mutterl fährt jeden Tag mit dem gleichen Busfahrer. Wollns a paar Nussen? Sie gibt dem Busfahrer immer ein paar Nussen. Jeden Tag. Sie müssen mir nicht immer Nussen geben, das kostet ja eine Menge Geld. Nein, so schlimm ist es nicht. die Toffeefees kann ich runterlutschen, nur die Nussen sind mir zu hart.

Bis Methana, unserem eigentlichen Ziel schafften wir es mit dem kleinen Windlein nicht. Egal, im Chiemsee wartete die Fraueninsel auf uns. Das seeartige Gewässer, in dem Poros-Stadt liegt, heißt bei mir Chiemsee. Wir ankerten, das Kapellchen der Insel strahlte weiß in der Sonne und wir machten Feierabend in der Russian Bay.

Alle zusammen schichteten wir Gemüse in die Ofenpfanne und drapieren die drei Kilo Poularde drauf, wer soll denn das essen? Drei Stunden später machten wir uns drüber her und aßen fast alles auf. Mitten im schönsten Huhnessen meint Guido: „Ich mach jetzt eine Sexdiät, Zu essen gibt’s nur nach dem Sex!“ Platzt Dirk heruas: „Dann schönen Hungertod!“

Sonntag, 19. März 2017

Heute war ich die erste, blinzelte in die Morgensonne und kochte Kaffee. Langsam krochen meine Buben aus den Kabinen (hier war ja Luxus, jeder hatte eine für sich alleine) und beim Gewahren der Tonhöhen der elektrischen Klospülungen und der Trinkwasserpumpe im Ganztonabstand (A – H – C), beschloss ich, eine Symphonie zu schreiben für zwei Klospülungen, eine Wasserpumpe, Ziegenglocken und einem Möwensolo. Am Ufer zog nämlich passend zur idyllischen Stimmung eine 30-köpfige Ziegenherde vorbei und eine ganze Horde weißer Vögel stritten sich lautstark um das alte Brot, das Reiner ins Wasser geworfen hatte. Meine Klospülung tönte auf A, die von Fred auf H und als zusätzlich die Wasserpumpe lief, erschallte noch ein C dazu. Sehr melodiös.

Mit der roten Mütze auf dem Kopf, damit die Haare nicht nass wurden, stieg ich in die Fluten. Die Männer schüttelten den Kopf und fotografierten mich. Die Sonne und mein Handtuch trockneten mich schnell und das frische Gefühl war unschlagbar. Ah!

Guido schnitt den restlichen Krautkopf in Streifen, ich briet es mit Zwiebeln und Knoblauch an, das sollte den Mittagskrautsalat geben.

Durch den Ausgang des Sees kreuzten wir, dann gab die ALMOST FREE Gas und wandelte 6 Kn oten Wind in sage und schreibe 4 Knoten Fahrt um.

Reiner goss einen Tropfen Bier ins Wasser und dichtete: „Neptun, Neptun, sakradi, bring uns nach Metaxa hi.“

Vathy an der Nordwestecke Methanas, da wollten wir heute endlich hin. Tja, und weil der Spruch doch scheinbar zu frivol für Neptun war, stellte er um halb zwölf den Wind gänzlich ab. Dümpeln unter heißer Märzsonne. Es gab Krautsalat und Tomaten-Feta, dazu ein Wurschtebrot. Lieber Leser, Du erinnerst? Das ist ein Bier der ausgezeichneten Marke „Mythos“.

Den ganzen Nachmittag lang verwandelte unser braves Schifflein mit 15 Metern Länge und lumpigen 12 Tonnen Gewicht 4 oder 6 Knoten Wind in 2 bis 3 Knoten Fahrt, unglaublich. Die Besatzung las, schlief oder träumte am Bug in die Welt hinein. Nur die letzte halbe Stunde durfte die eiserne Fock mithelfen, weil Äolos dann endgültig nicht mehr wollte. Wir reparierten dann eben mal schnell die gerissene Stahlfaser am Achterstag. Abzwicken und glattfeilen.

Die Hafeneinfahrt von Vathy, wo sich sonst niemand hin verirrt, sah so eng aus, dass wir nicht glaubten, überhaupt durch zu passen. Ein hinkendes Männlein am sauber gemauerten Kai winkte uns an einen Platz, Guido steckte 30 Meter Kette und Fred legte unser Wohnmobil sauber an. 1710. Schinkenbrot zum Anleger, das war mittlerweile das Codewort für Weißwein. 2 Euro 63 kostete des diesmal und noch 1,90 für Strom.

Wenn ich jetzt nicht gehe, gehe ich nimmer, so dachte ich und war auch schon weg. Die Uferstraße entlang vorbei an geschlossenen Tabernas, Katzen ansprechend, die vor weißen Callas auf Mäucherchen dösten und manchmal alte Männer mit „kali spera“ grüßend marschierte ich los.

„Akropolis“ stand auf einem Schild, das einen schmalen Weg entlang wies. Der wurde bloß immer enger, die Disteln wuchsen wild und wucherten ihn zu. Egal, ich hatte ja gute Schuhe an und trat munter auf dem stachligen Zeug herum. Oh ja, da waren Steine sehr akkurat aufgerichtet zu einer hohen Mauer, die auf einem Hügel emporragte. Sehr archaisch!

Der Abkürzer, den ich über die Mauern und Distelebenen nahm erwies sich zunehmend als unbrauchbar und drum lief ich den ganzen Weg auf der Straße wieder zurück nach Vathy Die Sonne war schon hinter dem peloponnesischen Berg mit den vielen Windrädern untergegangen, es dämmerte schon.

Eineinhalb Stunden war ich unterwegs gewesen, fast hätten meine Männer eine Vermisstenanzeige aufgegeben, aber um sieben stapfte ich ja gut erhalten aufs Schiff zurück.

Erstaunlicherweise hieß die Taverne „to vathy“, in die wir einfielen. Ein munteres Feuer prasselte im offenen Kamin und im Fernsehen liefen zwanzig kostümierte Männer einem Ball nach. Sie schafften es aber nicht, den Ball zu fangen, sondern schossen die Kugel immer wieder in andere Richtungen, rempelten sich an, stießen sich um und mac hten mysteriöse Gesten. Dazu pfiff einer, der den Ball nie haben wollte und das Publikum schrie mit. Komische Freizeitbeschäftigung. Und das alles beobachteten sechs oder sieben ältere Herrn am Nebentisch, die nicht einmal etwas tranken.

Dafür tranken wir zu Octopussalat, gemischtem Salat und Taramasalata einen Liter Schinkenbrot. Dann wurde gegrillter Fisch aufgetragen mit einer großen Flasche Pommes frites und als Nachspeise bestellten meine Männer fritierte Calamari. Satt! Nein, ich weigere mich, „fritiert“ mit zwei T zu schreiben.

Montag, 20. März 2017

So eine ruhige Nacht, schnarch. Reiner servierte Kaffee, die Sonne stieg zu mir in die Kabine. Als ich mich im Spiegel sah, beschloss ich kurzerhand, die Haare zu waschen. Wir hatten ja warmes Wasser und sogar einen Föhn. Nein, den Föhn schenkte ich mir, die Sonne war mir lieber, setzte mich ins Cockpit und nach kurzer Zeit war meine Haarpracht wieder trocken. Und fettfrei.

Guido und Fred kamen mit der Bestellung vom Vortag zurück. Ein großes Weißbrot und mehreren Wurschtebroten. Na dann, Anker auf!

Glattes Wasser, die riesigen Segel baumelten lasch herunter, Reiner fing noch den letzten Hauch Wind ein. Und der war selten. Das Beste an diesem windlosen Vormittag war, dass das keinen von meinen Chiemseeseglern störte. „Fred, trag die Genua rum!“ „Nur langsam.“ entgegnete der Angesprochene. „Wir sind ja hier im Urlaub!“ „Scho,  aber der Lügendetektor sagt, dass der Wind jetzt von der andern Seitn kimmt!“

Und dann hatte Reiner das Bugstrahlruder entdeckt. Und schubste denselben mit kurzen Puschen in die richtige Richtung, wenn der Ruderdruck alleine nicht mehr ausreichte. Immerhin waren es noch 0,5 Knoten Fahrt.

„Ich glaub, ich muss baden.“ Der Planet brannte herunter, die Buben saßen in Badehosen da, nur Dirk nicht. März wohlgemerkt. Ich auch nicht. Am Steuer war niemand, die ALMOST FREE schwebte ganz alleine in Kreisen übers spiegelglatte Wasser. Das war echte Segelkunst. Der Lügendetektor vulgo Windmesser zeigte einen Knoten Wind von links an, die Segel baumelten aber komischerweise an der gleichen Seite herum, da konnte etwas nicht stimmen. Fred fasste zusammen: „Wind von oben.“ Und trug händisch das Großsegel auf die andere Seite. Ich servierte geröstete Kichererbsen.

Bei 2 Knoten Fahrt fingen wir schon zu jubeln an, aber dann war auch dieses Lüftchen wieder weg. Bis an die Nordwestspitze Methanas hatten wir es schon geschafft, als ich mich entschied, meinen erhitzten Körper in die blaue Flut zu tauchen. Ah, das tat gut. „Lass mal die Badeleiter drunten. Reiner zieht sich gerade aus!“ „Na, was schätzt du?“ „17 Grad!“ „Hätt ich jetzt auch gesagt.“

Guido zeigte auf eine rote Fischerboje und meinte: „Da draußen schwimmt die Lissi, die müssen wir erst noch holen, bevor wir weiterflitzen! Die hat doch so a Hallebadkapp auf.“

Wasserflasche, wo bist Du? Ich hatte sie zum Offenhalten des Kabinenfensters benutzt und dachte doch glatt, ich könnte mit einer Hand das Fenster halten. Pardauz, fiel mir das schwere Teil auf den linken Daumen. Sollst du mein edles Körperteil blutig machen, du Biest? Ausgerechnet aufs Nagelbett war mir die Kante gerummst.

Nachmittags kam ein Lüftchen und wie immer, verwandelte die ALMOST FREE 8 Knoten Wind in 4 Knoten Fahrt, ein tolles Schiff! Epidauros samt Amphitheater hatte ich verworfen, weil die Taxifahrt dorthin laut Hafenhandbuch schon eine halbe Stunde dauert und es für die Kultur einfach schon zu spät war.

Dafür kamen wir schon um vier an der Westküste Angistris an und suchten einen Ankerplatz hinter dem Inselchen Dhoroussa.

Da lockte ein kurzer Kai vor einer geschlossenen Taverne. Für den Auslauf der Mannschaft bevorzuge ich ja immer einen Liegeplatz und aufmerksam ins Wasser schauend versuchten wir, die Tiefe zu erkunden. Sollte gehen.

Ordentlich Kette gesteckt fuhr ich rückwärts an, stoppte dann allerdings angesichts zweier einzelner Steinbrocken, die dem Ruder gefährlich werden konnten, oops. Wir legten eben drei längere Landleinen und benutzten das Beiboot als Seilfähre. Reiner wurde bei seiner Überfahrt immer länger und plumpste schließlich mitsamt den Klamotten ins kühle Nass. Ich habe geschrien vor Lachen, obwohl das ja eigentlich gemein ist.

Aus dem winzigen Fischerhafen dröhnte griechische Dudelmusik. Die Verwandtschaft mit der türkischen Musik ließ sich nicht abstreiten. Aber so laut gleich. Wir hangelten uns am alten Autoreifen den Steinkai hoch und vertraten uns die Füße. Spaziergang!

Mit etwas Dudeldröhn versorgte uns der alte Fischer noch, stieg dann aus seinem Kahn und auf sein Moped und entschwand. Zurück blieb Ruhe und ein bisschen Vogelgezwitscher.

Heute wurden endlich die Zucchini aus Aegina verwurschtelt und zusammen mit einem Berg Zwiebeln und Knoblauch in die Pfanne gehauen. Darauf kamen die zwischenzeitlich im Kühlschrank gefrorenen Reste des Huhnessens. Alles, was weg muss eben. Die Salzkartoffeln auch, die letzten.

Dienstag, 21. März 2017

Die gewohnte Morgensonne blinzelte wieder in mein Bett, aber ich wartete, bis Reiner mir den Kaffee servierte. Der Zimmerservice sollte nicht übergangen werden.

Unterm Ruderblatt war nun bei Niedrigwasser wirklich nur noch ein halber Meter, aber der reichte ja. Fast wäre ich noch einmal hinein, ins klare Wasser zum Ruderblatt, aber ich wollte nichts übertreiben. Wir legten lieber um 0940 ab und nutzten den wenigen Wind, den es heute Vormittag gab.

Das allerletzte Wurschtebrot bekam der Mann am Rohr, der geht ja vor. „Jetzt muass i mi scho wieder ausziang!“ Reiner saß im Windschatten in der vollen Sonne und bruzzelte. „Aber den Schal lass i o, sonst verkühl i mi.“ Auf diesem Törn hieß es ständig: rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Einmal war es zu kühl, dann wieder verschwitzte man. Ganz ruhig schwebten wir Aegina entgegen. Dort wollten wir noch ein letztes Mittagessen im Lokal genießen oder was Schönes einkaufen. Das wussten wir noch nicht. „Wie lange dauert’s denn noch?“ fragte Dirk und die Antwort kam stereotyp von Guido und mir gleichzeitig: „20 Minuten!“ Das sagten wir immer, wenn es um irgendwelche Zeitangaben ging. Diese restlichen 20 Minuten tuckerten wir allerdings, weil es schon halb eins war und wir ja heute noch nach Athen zurück mussten.

Es lagen drei Yachten in Aegina, eine wunderbare Schiffsvermehrung. Guido legte uns sauber an und schon saßen wir in der Wirtschaft, in die uns die nette Mutti gewunken hatte. Ekonomou heißt sie und hielt ihr Wort. Das Essen war sehr gut und zu fünft zahlten wir mit drei Bier und einem halben Liter Wein 70 Euronen. Ekonomou!

Ich probierte ein Moussaka, weil das selber zu machen….

Um halb drei waren wir wieder on the road, der letzte Schlag.

„Die Sonne scheint mir auch den Bauch, das soll sie auch!“ murmelte Reiner, während er seine Krimikurzgeschichten im Kindle las. Und mitsamt Windjacke bekleidete Guido führte fort: „Die Sonne scheint mir auf den Benis, scheen is!“ Männer! Dann drehte er sich um, um die antike Stele neben der Stadt Aegina zu betrachten, auf die ich ihn aufmerksam gemacht hatte. Sein Blick fiel auf den Tankdeckel. „Ah, hier fährt man mit Esel!“ Jemand oder die Zeit hatte am Dieseleinfüllstutzen die zwei Buchstaben D und I weggerubbelt. „Dann müssen wir zurück nach Hydra oder Möhrchen kaufen.“ Derlei Blödsinn blabbelten wir vor uns hin, während ein einser Südwind uns schob. Aus dem einser wurde ein vierer, schön gings dahin und weil meine Buben versierte Segler sind, verabschiedete ich mich für eine Weile ins Bett.

Weil mein Buch schon ausgelesen war, suchte ich in meinem Ebook nach Lesbarem. Das endlose Vorwort von plötzlicher Freiheit des Einzelnen und Wörtern mit Pro vornedran und jetzt mit Re vorndran überblätternd schmökerte ich dann im ersten Kapitel über die aus der grenzenlosen Freiheit resultierende Sinnfrage im Leben. Langer Satz. Darüber war ich eingenickt. Was wummerte da so neben meinem Kissen? Ein Tragflächenboot sauste drei Schiffslängen entfernt an meinem Schlafzimmerfenster vorbei. Ja he!

Meine Männer machten gerade eine Halse mit einer weiteren rückgängig (strg z). Hier im Verkehrstrennungsgebiet vor Athen ging es heute Abend ganz schön zu. Wir nahmen wieder Fahrt auf und zischten mit 6 Knoten weiter. „Wäre da ein Kringel mit dichten Schoten nicht einfacher gewesen?“ fragte Reiner. Frisch den Federn entstiegen nickte ich zustimmend, aber Guido hatte das Herumkommandieren schöner gefunden.

Nach einer Stunde standen wir vor unserer Marina.

Aus 3,6 Knoten Fahrt wurden gerade 3,9. Reiner am Steuer: „Jetzt müssts euch festhalten.“ Dirk: „Ich hab Angst!“ Reiner: „Musst net, ich bin ja bei dir.“ Dirk: „Grad drum.“ Reiner: „Des war jetzt aber net schön!“ Dirk: „Kam aber aus vollem Herzen.“

Einen so schönen Kringel brachte ich im Hafen hin und noch im Schwung rangierte ich rückwärts in die Gasse. Nur nicht in unsere. Steg 6 harrte unser ein bisschen weiter links. Tatsächlich benutzte ich zum ersten Mal das Bugstrahlruder, um ganz entspannt dieser falschen Gasse wieder zu entkommen.

Dann waren wir mit zwei Murings fest, 1915, meine Buben entschwanden zum Essen in die Stadt. Ich packte meine Tasche und bruzzelte mir dann die drei kleinen Fischis. In Aegina gekauft für 70 Pfennige. Die schmeckten sie zusammen mit Krauttomatenzwiebelnkartoffeln exorbitant schleckerlecker.

So lieber Leser, nun ist Schluss mit dem Reisebericht. Georgio, Takis, Panos, keiner da. Die Schiffseigner hielten es nicht für wert, einen Auscheck mit ihrer Lieblingscharterin zu veranstalten. Wir werden das Geld für den Esel, äh, Diesel halt auf den Küchentisch legen.

Um halb zehn klopfte es. Takis machte uns seine Aufwartung, multiplizierte unsere 8,3 Motorstunden mit 4,5l und mal den Spritpreis, kam irgendwie auf 60,- Euro, die wir auf den Tisch zu legen versprachen. Und schwupps, war er wieder weg und ich wieder im Bett.

Mittwoch, 22. März 2017

Der Bus X96 war im Moment (0825) gefahren, auf der brandneuen digitalen Anzeigetafel standen nämlich 21 Minuten Wartezeit. Ein Taxi nahm uns für 25 Euronen mit, auch gut.

War wieder einmal ein toller Törn mit wunderbarem Wetter und wunderbaren Leuten, danke euch allen!

 

γειά σας (Jassas)

Schiff:  Bavaria 50 ALMOST FREE

  • Route:  Athen –Aegina - Poros – Hydra – Poros Russian Bay – Methana Vathy - Angistri Dhoroussa- Athen
  • Seemeilen:  145, davon 98% gesegelt
  • Motorstunden:  8,3
  • Bordkasse:  100 und ein paar Zerquetschte € pro Nase, so genau weiß ich das nicht