Der Humor ist der Sauerstoff meiner Seele
Mit neuem Groß und neuem Anker ging‘s dann

Skippertraining1

Samstag, 26. August 2017

Melinda, Renée, Antonia, Evi, Sabine und Sandra waren meine Damen der Skippertrainingswoche. Bunt gemischt aus Baden-Würschtlberg, Wiesbaden, Wien und Düsseldorf war die Crew, dazu die Skipperlissy aus Bayern.

Wir enterten am Steg 15 die Sun Odyssee49 namens DIGNITY, ein langer Kübel, und suchten die Ausrüstungsgegenstände zusammen, die ich quittieren sollte. Da fehlte so einiges. Zum Beispiel ging der Bootsmannsstuhl ab. Lifebelts waren nur fünf da und die waren den schmaleren Damen zu weit. Paolo, der Mitarbeiter von MasterYachting wollte schauen, ob kleinere da wären. Es waren keine da.

Eine Pfanne für sieben Leute war auch zu wenig, ich könnte die Liste fortführen. Nein, Peilkompass könnte er keinen bringen, er hätte keinen und wofür ich bitte einen Bootsmannsstuhl bräuchte. Ich bestand darauf und darum brachte Paolo einen nigelnagelneuen blauen Bootsmannsstuhl.

Ich nölte über den Pflugscharanker mit Gelenk, weil der sich erfahrungsgemäß überhaupt nicht eingräbt, Paolo zuckte die Schultern und die Segel zog der Junge mit der Sonnenbrille nur halb heraus „because of the wind“.

Wir brauchten so lange für die Schiffsübernahme, dass die Sonne nur noch eine Handbreit über dem Horizont stand und fingen, ohne einen Probeschlag zu machen, einfach an zu kochen.

Sonntag, 27. August 2017

Als wir eingekauft hatten und das Schiff startklar machten, sollte die Tageswache, die Skipperin of the day, die Wetterdaten ins Logbuch schreiben. Das Barometer indes ließ sich nicht finden. Wo hatte es sich versteckt? Eine einsame Schraube stak aus der Wand über dem Navigationstisch, allein, das Instrument war stiften gegangen. Ich lief zum wiederholten Male ins Office und fragte nach dem Barometer. Ein Techniker meinte, das Schiff hätte eben kein Barometer, aha. Und was bekam ich da vom Stützpunktleiter zu hören? Ich hätte doch gestern den Check-in gemacht. Er hatte ein so hämisches Gesicht auf, dass ich entgegnete, ein Barometer gehöre schließlich zur Mindestausstattung eines seegängigen Schiffes, you know!

Zehn Minuten später war allerdings ein goldglänzendes Schiffsinstrument an die Wand geschraubt. Geht doch. Weil die Füllstandsanzeige des Wassers nach Auffüllen desselben immer noch auf null stand, vertraute ich der Tankanzeige auch nicht. Vgl. Bericht von Kroatien zwei von vor drei Wochen. Da hatte der Vorskipper einfach nicht getankt, weil man es an der Anzeige sowieso nicht sehen konnte.

Wir legten ab und gleich an der Tankstelle wieder an. Und tankten sage und schreibe 38 Liter. Wir legten am Steg 15 wieder an, weil der Taxifahrer, in dessen Gefährt mir mein Handy aus der Hosentasche gefallen war, dasselbe zurückbrachte. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, welche Nerven ich gelassen habe, bis die nette Person aus dem Büro den Herrn ausfindig gemacht hatte. Ich war jedenfalls sehr froh, das Ding wieder zu bekommen. So, jetzt aber raus mit uns.

Vor der Marinaeinfahrt sollte das Großsegel gesetzt werden. Es wollte nicht, nach eineinhalb Metern streikte es einfach. Eine, zwei, drei Wülste in der Mastrolle hinderten es am Herausrutschen. Ich stellte den Autopilot ein, ließ den Dampfer langsam geradeaus fahren und dann begann ein langes Gezupfe. Segel in den Mast rollen, wieder herausziehen, rein raus rein raus. nach einer Viertelstunde Gewürge gaben wir es auf, wendeten und legten in der Marina wieder an. Marina die dritte. Ich hatte zuvor den Techniker angerufen (Wenn etwas ist, hier sind die Telefonnummern, gell), der meinte, er hätte heute frei. Es sei schließlich Sonntag. Dann kam besagter Paolo an und versuchte, das Segel zu zwingen, seinen Mast zu verlassen. Vergebene Liebesmüh, auch mit noch so dicken Popeyeoberarmen.

Wo wir denn heute noch hinwollten? Einfach hinaus. Ich zeigte ihm eine Bucht vor Barotul und Nevidjane, er fotografierte die Seekarte und versprach, am nächsten Morgen mit dem Boot zu kommen.

Wir segelten also nur mit der Genua eine Stunde lang dorthin und ließen den Anker hinab. Gehalten hat selbiger keine 1200 Umdrehungen Motor rückwärts, aber angesichts der Wettervorhersage und des Gewichtes von 60 Metern Kette auf fünf Metern Wassertiefe gab ich mich damit zufrieden.

Evi fragte Sabine „Was macht Deine Nase? „Noch ist sie im roten Bereich. Öh was.“

Die ehemalige Flugbegleiterin erzählte davon, dass ein Flieger niemals gelandet wäre, wenn jemand seinen Arbeitsplatz nicht klar gemeldet hätte. Irgendein herumstehendes Tässlein oder Messerchen wäre ein Grund gewesen, dass die Maschine eine Ehrenrunde gedreht hätte. Hoho. Die Backschaft hat genau diese Aufgabe, alles unter Deck klar zu halten. Auch wenn bei uns nicht Geschwindigkeiten von 300 km/h im Spiel sind, kann ein Messer, malerisch auf dem Küchentisch weilend, bei seitlicher Beschleunigung zum Geschoss werden.

„Wo ist der Knobi?“ „Den hat sie doch zu den Zwiebeln gesteckt.“ Ich war gemeint. Meine Damen bereiteten das Abendessen. Omelett mit allem und vor allem mit Champignons. Evi wusch und schälte sie. „Wisst ihr schon, dass es keine Milch für morgen gibt?“ Sandra hielt die fast leere Milchpackung hoch. „Dann krieg ich jetzt sofort einen Schreikrampf!“ flunkerte ich und deutete auf ein Schapp, in dem ich noch zwei Liter des köstlichen Morgengetränks wähnte.

Meine Mädels waren lustig drauf, trotz allen Unbills, der uns diesen Sonntag schon versüßt hatte.

Renée wusch fleißig ab: „Mir resetten jetz das Geschirr.“ Belinda konstatierte: „Der Gfrierschrank hat sich selber das Stromsparen verordnet.“ Er ging nämlich nicht mehr. Egal, Hauptsache, der kühle Kasten tat, was er sollte. Einfrieren wollten wir sowieso nichts.

Dann ging es um den Thermomix. Die beiden Wienerinnen hatten von der Teufelsmaschine noch nie gehört und bekamen eine ausführliche Erklärung. Ich, völlig spassfrei, wie ich halt so bin: „A Messer, a Brett, a guata Topf deans a.“ „Mir kaufen uns keine Küchenmaschine, sondern eine Segelkontrollmaschine“ war die Entgegnung.

Renée und Melinda liefen zur Höchstform auf. „Wann der morgen mit dem Himmelfahrsstuhl kimmt, do samma gschpannt. Oder vielleicht kimmt a mitm Thermohäcksler.

Mir resetten alles.“ „Sabine, sag mal, was haben die den ganzen Tag eingeworfen? Rosa Socken fürs Bett, damit das Leintuch net dreckich wird.“ Grunz schmunzel. „Naa, des is jetzt mei Ernst.“ Das war Belinda.

Montag, 28. August 2017

Lieber Jan,

die Crew und ich, wir sind nicht amused.

Check-In:

Kein Bootsmannsstuhl

Kein Barometer

Kein, kein, kein.

Alles gefordert, blöd angeschaut worden, alles bekommen.

Segel halb heraus gezogen, angeblich wegen des Windes, der zugegeben, mittel war

Dann sind wir am Sonntag morgen tanken gefahren, Anzeige 100%, getankt haben wir dann aber 38 Liter

Wasser voll getankt, Anzeige zeigt leer.

Sonntag morgen los, Großsegel kommt um die Burg nach 10 mal hin und her nicht aus dem Mast.

Zurück.

Aussage Masteryachting, wir sollen los, Technik kommt Montag morgen in die anvisierte Bucht.

Ankerwinsch zum Heulen, Pflugscharanker mit Gelenk hielt trotz 60 Meter Kette nichts.

Heute: wir sollen nach Biograd motoren. Dort arbeiteten zwei Männer eine Stunde. Nur gut, dass der Bootsmannsstuhl da warJ haha.

Kein Erfolg, die Falten im Groß produzierten sich beim Einziehen selbst und selbstbewusst.

Zwei Möglichkeiten: Schiff tauschen oder Segel tauschen und nun nur mit Genua nach Murter segeln. Den Umzug und nocheinmal in die Sukosan zurück wollten wir nicht.

Nun segeln wir gerade und morgen um halb neun wird das Groß getauscht. Mal sehen. By the way habe ich einen anderen Anker gefordert.

Du solltest in Zukunft einfach von MasterYachting absehen, Asta war Gold dagegen, die waren echt fit.

Die zwei Wienerinnen sind schon fast sauer und sprechen von Regress. Nur, dass Du das weißt.

Liebe Grüße ausm Meer

Elisabeth

Dieses Mail schrieb ich Jan Herling, dem Inhaber von Meer und Erlebnisreisen, für den ich diesen Törn fuhr.

Wir bekamen also keinen Besuch in der Ankerbucht, nein. Wir sollten nach Biograd kommen. Evi legte längsseits an, ich half allerhöchstens ein bisschen mit dem Gashebel dazu.

Der kleine Mann mit den mächtigen Oberarmen, Paolo, von MasterYachting (nicht zu verwechseln mit der deutschen Charteragentur gleichen Namens) hatte Verstärkung mitgebracht. Zu zweit rissen und zerrten sie an dem armen Großsegel herum und schafften nichts. Paolo verlangte den Bosunschair. „This ship has none!“ meinte ich. Doch, konterte er, den hätte er mir doch extra bringen müssen. Soso. Er ließ sich von seinem Kompagnon in den Mast winschen und fummelte lange an den Segelfalten herum.

Schließlich war das Segel aus dem Mast. Ich verlangte, sie sollen mir mindestens zweimal beweisen, dass es nun ohne zu murren heraus- und hineingezogen werden konnte. Schon beim ersten Durchgang gaben sie auf und fingen an zu telefonieren.

Bitte oben im mail weiterlesen.

Wir waren also in Biograd fertig und hatten uns bereit erklärt, nur mit der Genua nach Murter zu segeln, damit wir keine Urlaubszeit verlieren mussten. Der Wind kam aus Norden und da hätte ich sowieso kein Groß gesetzt.

Hinter den Kardinaltonnen der Nordeinfahrt in die Bucht von Murter ankerten wir mittags. „Motor an?“ fragte Renée. „Nö, wir ankern unter Segeln.“ Fragende Gesichter.

„Renée, schieß in den Wind, Sandra, Anker ab, Antonia, kurbel das Vorsegel ein!“ Fertig. Wir badeten und erfrischten die geplagten Seelen.

Der Wind erfrischte sich auch, ich schlief eine Stunde und um halb fünf mühte sich die asthmageplagte Ankerwinsch, den Haken aus dem Wasser zu holen. Nordwest 6 blies, Antonia wechselte zwischen Leerlaufgas und Schub in Richtung Anker hin und her und steuerte die DIGNITY um zwei Inselchen herum gen Marina Hramina.

Antonia sprang förmlich vom Steuer weg: „Da hab ich jetzt ein bisschen Panik!“ Diesen Anleger fuhr ich, ehrlich gesagt auch lieber selber.

Gegen den Wind brauchte ich ordentlich Motorleistung, um an die Pier zu kommen, die Marinaboys halfen sehr unaufdringlich und meine Mädels wussten heute schon sehr gut, was alles zu tun war. Klasse. Es pfiff. Auf zu den Duschen!

Wir schlenderten durch den Ort und suchten ein Restaurant. Der Innenhof war schöner als das Essen reichlich. Sogar ich fand unsere Teller sehr übersichtlich.

Dienstag, 29. August 2017

Morgens um fünf wachte ich vom Gepfeife und dem Schlagen der Leinen an den Mast auf. Ein kleiner Blick nach oben und ich ging wieder schlafen. Es schüttelte das Boot durch, dass ich mir schon überlegte, wie die Techniker so das Großsegel wechseln würden.

Zwei Männer erschienen um halb zehn, ausgemacht war halb neun und brachten ein Segelpäckchen und einen funkelnagelneuen M-Anker mit. Ich hätte wetten mögen, dass sie den Anker vergessen hätten. Gehabt haben würden, oder so. Einer davon war der, der mir vom Samstag am kompetentesten erschienen war. Wir parkten um, so dass die Yacht längsseits am Steg lag und dann wechselten die beiden im fünfer Wind das Großsegel. Das neue kam sehr gebügelt daher, vertrauenserweckend. Und als dann auch noch der Anker getauscht war, schwärmte die Frauschaft zum Einkaufen aus. Am Steg standen vier oder fünf Männer anderer Schiffe herum, die sich das Schauspiel ansahen.

Kurz bevor wir ablegen wollten, kam ein Marinamitarbeiter und fragte, ob wir unsere Papiere schon hätten. Oh, Mist, die hätte ich jetzt bei der ganzen Aufregung glatt vergessen. 710 Kuna kostete uns der komfortable Liegeplatz in der Marina Hramina. Puh. Das waren über 100 Euro.

Zwischen den Inselchen zirkelten wir auf fünf Meter Wassertiefe aus Murter hinaus und setzten endlich Segel. Wir rauschten dahin, und zwar mit beiden Lumpen. Belinda am Steuer: „Wenn es jetzt Nacht wäre, würdet ihr mich leuchten sehen, ich bin so glücklich wie ein Glühwürmchen.“

Die Mädels waren glücklich und Renée brachte es auf den Punkt: „Gut, dass wir so frustrationssituationselastisch waren.“ Belinda ergänzte: „Das macht uns jetzt noch glücklicher.“

Sabine und Sandra richteten eine Jause. Tomaten-Mozzarella, Olivenöl vom Markt, Tomaten, frisches Knusperbrot und Oliven. Letztere aßen nur Evi und ich. Schmatz. Ein nettes Dreier Nordöstchen füllte nunmehr beide! Segel, wir waren satt und erfreuten uns an den lustigen Sprüchen der beiden Wienerinnen. Belinda: „Der Humor ist der Sauerstoff für meine Seele.“

Tagesskipper Evi lachte: „Wir fahren einfach mal und sehen dann schon, wo wir hinkommen.“ Renée am Steuer sah vor sich eine Yacht: „Ich werde die Verfolgung aufnehmen“ Belinda, die andere Skippi of the day: „Demokratisch wird hier gar nix entschieden, wir sind die Kapitäne heute.“ Zwischen zwei Lachsalven hörte ich von oben, dass die Frau Oberskipperin irgendetwas entschieden hätte. Da musste ich gemeint sein.

„Deine Kappe ist weg!“ rief jemand und schon hatte sich das Mützle in beige von Belindas Kopf verflutscht. Es schwamm knapp unter der Wasseroberfläche und grinste verschämt. Das nahm ich als Gelegenheit, ein MOB-Manöver zu üben. Nun ging es etwas lauter zu. Genua dicht, Groß etwas dichter, Q-Wende. Noch musste jeder Platz einzeln kommandiert werden, die Damen schauten jeweils fragend. Aufschießer, Groß los. Ja Mist, die flüchtige Kapp war nicht zu angeln, noch einmal das Ganze. Drei Runden drehten wir noch, aber das gemeine Stück Stoff hatte sich schon verdrückt.

Belinda nahm es mit Humor: „Nun krieg ich von oben noch mehr Energie ab, hoffentlich vertrag ich das! Sie wollte einfach nicht bei mir bleiben, es wird schon einen Grund haben.“

Sabine und Sandra resetteten das Geschirr und Evi holte Belinda von oben: „Frau Co-Skipperin, möchtest Du mal kommen. Wir diskutieren den Kurs nochmal im kleinen Kreis!“ und bekam einen mittleren Lachanfall. Und dann kamen die Anweisungen an die Crew. Eine Lust, im Verborgenen zuzuhören.

An der Südseite Zirjes steuerten wir ein Buchtl an. Viel zu tief zum Ankern, ein kleines 30er Böötchen lag da auf 20 Meter Tiefe mit Ankerleine, gewagt.

In der nächsten Bucht, der Uvala Stupica, wartete ein Bojenfeld auf uns, sieben oder acht waren noch frei. Ich und Bojen! Weil aber Evi unbedingt einmal an einer Boje festmachen wollte, gab ich nach. Wir fuhren das rote Ding rückwärts an, dann zog uns das Gewicht fast vom Schiff. Es blies immerhin ein fünfer Nordwest. Gerade noch bekamen wir die Leine an der hinteren Klampe fest. Und dann begann eine einstündige Lektion in dem Fach „warum man Bojen vermeiden sollte“. Wir bastelten mangels Musculi bracchii eine Konstruktion mit Stoppersteken und Winschverholungen, umlegen und nachdenken. Jede hatte eine gute Idee und gemeinsam waren wir am Ende stolz, zu einem Team geworden und mit einem Bier oder Apfelsaft sehr glücklich. Das versprochene Erlebnis von Meer&Erlebnis-Reisen. Belinda drehte zum Abschluss noch ein paar schöne Leinenschnecken am Vordeck.

Ein lieber Freund schrieb mir: „Ist halt mal wieder ein Boot, das du dir erst herrichten musst wie diverse andere vorher in deiner Skipper-Karriere ;-) Nach dem zehnten Törn flutscht's dann!

Gott sei Dank flutschte nun das Groß, den Anker würden wir erst morgen ausprobieren, aber da war ich guter Hoffnung. Aber zehn Wochen, nein.

Heute gab es Fisch. Doraden aus Murter, Sardinen dazu, aha. Tzaziki, Griechenland, ich komme bald wieder! und Kartoffeln. Es schwellte ordentlich in unserer Bucht und wie bestellt kam ein Männlein in einem kleinen Boot und kassierte 200 Kuna ab. Ein Boxer lümmelte über dem Bootsrand und sabberte.

Mittwoch, 30. August 2017

 „Ich sühne für alle Brösel da draußen, ich werde sie wegkehren. Als Doppelbeauftragte nehme ich jetzt das Schmutzamt noch dazu.“ Renée fegte das Cockpit nach dem Frühstück in der Morgensonne, während ich mir im Meer die Haare wusch, es war Zeit. Als dann um elf alle Damen bereit waren, hatte sich die Morgenbrise ausgebrist. Gut, dann übten wir einfach ein bisschen rückwärtsfahren. „Sabine, halt mal auf das Segelboot zu.“ „Antonia, auf den Felsen da.“ „Das Motorboot ist dein Ziel, Renée!“

Zwischendurch spendierte Sandra jedem ein Tütchen orthomol immun. Sie ist für diese Firma als Außendienstlerin unterwegs und führte stets ein paar unverkäufliche Vitaminmineralstoffpülverchen mit sich. „Das ist so viel wie 10 Kilo Obst!“ Und das mir. Tapfer füllte auch ich den Inhalt eines blauen Tütchens in den Mund, brrrr. Langsam und in kleinen Portionen, wie es mir von Sandra aufgesetzet war.

Renée und Belinda, die beiden Wienerinnen glucksten wieder vor Lachen, während sie an ihren Tütchen schlürften. Irgendein launiger Spruch zog grundsätzlich den nächsten nach sich. Der wiederum steigerte das Niveau der Lustigkeit und schließlich lachten die beiden wie die Schulmädchen. Das tat gut.

Wir setzten die Segel und los ging‘s mit einem Knoten Fahrt an der Westküste Zirjes entlang. Niemand erwähnte den Motor auch nur, ich schlug ein Bad am Bande vor. Renée knüpfte den Kugelfender an einer Leine und sogleich waren alle Mädels im Wasser. 94 Meter Tiefe waren uns zum Baden ja genug.

Dann gab es Mittagsbrote und gerade als wir am schönsten Schmausen waren und mit dem Stiel eines Löffels schwarze Oliven aus dem schmalen Glas fischten, meinte ich: „Feind in Sicht!“

Dieser Feind allerdings pennte total. Erst dachte ich, die Segelyacht unter Motor und ohne Segel will mich verarschen, sie hielt geradewegs auf uns zu. Mit Vollspeed. Am Vordeck Menschen, sich sonnend. Als klar war, dass er uns rammen würde, fiel ich zackig ab und sieben Leute schrien. „Heiiiiiiää!“

Die Sonnenanbeter sprangen wie von der Tarantel gestochen auf und suchten den Mann am Steuer. Wir schafften gerade noch weg zu segeln mit unseren eineinhalb Knoten, während die Sun Odyssee 47 mit mindestens sieben Knoten an uns vorbeischoss. Der Rudergänger wachte aus seiner Schlafposition auf und winkte. Was so ein Autopilot in Verbindung mit einem berufsmäßigen Penner so anstellen kann.

Mit drei Metern Abstand sauste das Badeboot an uns vorbei, wir waren erbost und bestimmt hatten die Mitsegler auf dem Feind auch eine Menge zu besprechen.

„Sogar an so einem Flautentag kann man was erleben!“ stellte Sandra fest. Tja, die Agentur heißt ja „Meer und Erlebnisreisen“. Ich schob mein Brot in den Ofen. Den Sauerteig dazu hatte ich seit drei Tagen angesetzt und jeden Tag gefüttert. Und nun war das Gas des Stabfeuerzeugs aus. Was denn noch? Ich litt.

Von oben hörte ich Gedanken zum Hinausfallen. „Was würden wir denn tun, wenn uns einer rausfällt?“ Ich spitzte meine Lauscher, stieg dann den Niedergang hinauf und hörte weiter zu. Q-Wende, Abfallen, Aufschießer, Motor an, beobachten, alles richtig?

„Lasst uns doch erst einmal einen Beidreher probieren“ schlug ich vor und zeigte, wie man das alleine fahren kann. „Nun memoriert das einmal zusammen und dann kann es sein, dass ich die Nase hochstecke und BEIDREHEN rufe.“

Nachmittags schossen wir dann wieder mit sechs Knoten dahin, die Augustsonne knallte und Zut lag schon in Erreichbarkeitsweite. Auf das Z denke man sich wieder einen Hackl, damit die Insel Schut heiße.

An der Südspitze Zuts fand sich ein schöner Ankerplatz hinter einem vorgelagerten Inselchen. Der Anker hielt nun gut und wir kochten. Gemüse mit Reis, den Biomüll warf ich elegant durchs Küchenfenster.

Bist du zufrieden gewesen mit mir, Frau Energieminister. Mein Schuldgefühl sitzt nämlich im Magen. Des kummt dann im Packerl aussa. Ich bin so schuld, dass das Geschirr so dreckig ist. Ich glaub ich will Skipperin sein morgen ich war noch nie dran. Also ich will wirklich skipperin of the day sein morgen. Wia machma des mit der Melone? Jetz hamma a Krise. Wir könnten a Bowle machen draus. Österreichische Satzstellung. I muass des jetz amal visualisiern. Ganz unauffällig gemma jetz amoi ins Wasser. Do muass wos extremes passieren, wenn Du ins Wasser gäst. Wos passiertn etz mit der Melone. De gebn ma etz amoi in Eiskastn. Probleme muss man lösn. Probleme sind zum Lösen do. Schwarmintelligenz. Wir potenzieren uns, wenn mir zusammen sind. I brauch an tropfen Spüli es tuat ma so leid. Aber ich entschuldige nicht erst einmal. Wo kommt denn die Glasschale her? Ich hab sie mal am Tisch gsehn. Wo kommt di her wo will sie hin

Wie machma des mitm Reis. Einfach mit Slibowitz. Ich lass ihm so sthen. Ja, weil sonst müssma ihn ja wieder wo reingeben. Der Topf kriegt jetz a Übergwicht, wonn i ihm aufräum. Do ist no viel Fläche zum Wischen.

Die Fische wartäten draussen. Jetz gibt’s Essen jhamm hamm hamm hamm. Die san schon mitm Schnorchel drunter gschtandn. Die kollektive Schmutzschuld trag iuch heute ab. Das gibt ein gutes Karma.

Entschludigung, dass des no offen is. I suach amoi a Müllsackerl. Der ofen schaut so dreckig aus, des gibt kein gutes Karma. Des stört mi scho, wenn ich morgen aufsteh. Die Karmapunkte gibt’s aber a bloß für Aufrichtigkeit.

Die Bananen wollen auch in die Richtung schauen, damit sie keine Wirbelsäulenverkrümmung kriegen. Und des Fenster muass i a putzen, damit….ö. Die Frau Energiemininseterin ruft mach mir. Musst Du nochmal schwimmen gehen oder reichts morgen.

Belinda schüttelte am Klo ein Lachanfall. Ich geh aufs Küberl nur aus Diskretionsgründen.

Donnerstag, 31. August 2017

Renée kam schon als Wassernixe aus demselben gestiegen „Ich bin der Sonne entgegen geschwommen“ und Belinda kam aus ihrer Kemenate. „Falls irgendetwas in meiner Abwesenheit Unangenehmes passiert sein sollte, verzeiht, verzeiht, verzeiht. Sollte man Kopfweh haben, verzeiht.“ Sie zerdrückte eine leere Wasserflasche, schaute sie liebevoll an und entschuldigte sich bei ihr: „Verzeih, dass ich dich zerdrücke.“

Die Ankerstelle war sehr idyllisch, bis ein Knatterboot langsamst vorbei knatterte und sich wie ein Hubschrauber anhörte.

„Die ganze Nacht hab ich Zwiebeln gerochen“ meinte Renée, die an Deck geschlafen hatte. „Da liegt der Übeltäter, eine Zwiebelschale. Wir kompostieren wohl jetzt an Deck!“ Ich hatte beim gestrigen Kochen den Biomüll aus der Luke hinaus geworfen und wohl zu schlecht gezielt.

Mein Brot fand Gefallen und nach dem Frühstück holten wir unseren neuen M-Anker aus 8 Metern Tiefe heraus. Der Südost zierte sich, blähte zwar die Genua, aber die DIGNITY bekam nur einen Knoten Fahrt.

„Äolus, ich ehre dich, ich nehme dich wahr, Äolus!“ Renée beschwor den Gott des Windes. „Das ist die Kunst des Segelns, Zen-Segeln!“ Um uns herum motorten die Yachten vorbei.

 „I hab des Gfühl, die Kornaten ziehen sich!“ stellte Belinda fest. Renée ergänzte: „Das ist der Vorteil von Steinen, sie sind so beständig.“ Sie erzählte von einem Schamanenseminar, wo es um weinende Steine ging, weil sie von ihrem Ursprungsort weggenommen worden waren. „Da nehmen wir hier einen Stein mit und der brüllt bis Wien!“ Sabine sinnierte: „Eine weinende Kornate statt der maulenden Myrthe!“

„Klar zur Halse?“ „Klar zur Halsäää?“ Manche Damen bewegten sich, Belinda entschuldigte sich: „Es tuat mir so leid, dass ich mich nicht bewegen kann.“ Als die Genua über war, freute sie sich: „Klanglich war‘s ok, es war wie ein Winschkonzert.“

Renée halste ein übers andere Mal und bald war die Frauschaft richtig gut im Zusammenspiel. Ich konnte mich beruhigt meiner Programmierung widmen. Nur als die skipperinnen of the day zwischen zwei kleinen Inselchen durchsegeln wollten, wo es zu flach war, musste ich eingreifen.

„So ein Eis wäre jetzt schon schön.“ „Es könnte doch mit einer Drohne geliefert werden.“ „Flying ice transport, FIT“ „Und da brauch ma a App dazua!“ „Die müsst ma erst amal programmieren.“ „Unsere Skipperin programmiert doch so gern.“

Renée bestimmte unsere Position. „Soundsoviel Grad zur Brücke, soundsoviel nach Sali und jetzt weiß ich, wo wir sind. Entgegnete Belinda: „Des hättst jetzt grad auch auspendeln können.“

Am Steg der Bucht Muline am Nordzipfel Ugljans wollten wir anlegen. Und als alles fertig vorbereitet war, kam ein Junge in einem Boot angefahren und meinte, dass die Wassertiefe bei dieser Wettersituation für uns nicht reiche. Aha, obwohl 2,50 im Hafenhandbuch steht? Na gut, dann ankerten wir eben.

Meine Frauschaft wollte heute ins Restaurant, zu essen gab es an Bord so gut wie nichts mehr. Irgendwie hatte ich keine Lust dazu, fand im kühlen Schrank noch ein Restchen Gemüse, ein halber Topf Reis stand noch am Herd, alles paletti, ich blieb da. Der warnende Junge spielte Taxi und holte meine Damen ab. Ich schmatzte mein Pfännchen im Sonnenuntergang und las dann die Zeitungen von vor einer Woche aus.

Freitag, 1. September 2017

Es regnete, blitzte ein bisschen, aber um halb elf blinzelte die Sonne wieder durch. Wir warteten das blöde Wetter einfach ab und holten den verkrauteten Anker erst jetzt aus dem Wasser.

„Möchte jemand meine Erleuchtung von heute Morgen hören? Damit das mit der Ankerwinsch vorne gut funktioniert, muss man das rote Knöpferl am Gashebel drücken und vorwärts drücken! Das ist die ganze Woche an mir vorüber gegangen.“

Endlich kreuzten wir einmal, statt immer nur zu halsen. Die gerade Linie nach Sukosan betrug nur zwölf Meilen, aber durch die Kreuzerei brauchten wir den ganzen Tag.

Belinda und Renée kugelten sich vor Lachen und erfanden immer neue Ideen für startups. „Da schicken wir ein Dröhnchen mit einem Krönchen vorbei.“ „Es eröffnen uns so viele neue Standbeine!“ „Des is a net guat, do dauert die Maniküre so lang.“

Skippöse of the day, Belinda fragte: „Wia spät isses, i muass Regentropfen einzeichnen gehen. Ou, und de Wolkn hob i a vergessen zu malen.“

Dann wurden die Wolken schwarz, ich zog mein Ölzeug an und tat die Segel weg. Man kann ja nie wissen, wie stark der Wind im Gewitter wird. Als es anfing zu pritschen, stand Evi am Steuer und blieb da, die anderen hatten keine wasserdichten Sachen dabei. Nach einer halben Stunde schickte ich sie hinunter in den Salon, wo die anderen Damen schon Kaffee tranken. Ich glaubte ja, unser Törn hieße Skippertraining. Als ich sah, dass es heller wurde, kam etwas Wind auf, ich stoppte die Maschine und zog die Genua heraus. Wenn es schon bäh Wetter war, wollte ich wenigstens segeln.

Vor der Tankstelle in Preko ging es zu. Vier oder fünf Yachten waren vor uns und kreiselten wartend herum. Evi kreiselte mit und endlich waren wir dran. Sie legte unseren großen Kübel schön längsseits an und dann tankte Sandra genau 37,68 Liter. Für 14 Motorstunden waren das unter drei Litern Verbrauch. Na ja, so manche Stunde brachten wir ja im Leerlauf zu zum Beispiel um eine Bojenleine von hinten nach vorne zu legen. Liebe Leser, erinnerst Du den Anfang der Geschichte? Da hatten wir auch schon 38 Liter gefüllt, um überhaupt voll zu sein. Hätten wir das nicht gemacht, hätte ich gedacht, ja mei, der Yanmar schluckt halt schon ganz schön. Betrüger, allesamt. Ich meine meinen Vorgängerskipper.

Dann jagte eine Wende die nächste. Wir wendulierten den Kanal vor Zadar hinunter. Ein paar Kreise mit dichten Schoten waren gaudihalber auch dabei und Beidrehen übten wir auch.

Evi durfte den Anleger in der Marina fahren. Die Tankstelle passierten wir huldvoll winkend dann ging es rückwärts in die Hafengasse vor dem Steg 15. Gerade als wir die Festmacher überwerfen wollten, erschien besagter Paolo: „Elisabeth, not here!“  und wies uns an einen anderen Platz. „Ja toll!“, meinte Evi und versuchte, mit Bugstrahlruder und sonstigen Kniffen, ohne Beschädigungen der eigenen und der fremden Bordwand wieder weg zu kommen. Zweiter Anlauf, wunderbar.

Ich zeigte Paolo die Türklinken, die in schöner Regelmäßigkeit zu Boden gefallen waren, den defekten Außenduschhebel, die verschobene Zwischenwand der Bugkabinen, und zwei neue Anschraubknöpfe für die Küchenschubladen sollte er auch besorgen. Brav erledigte er alles, sprach mit Elisabeth an und versprach, mir alles zu bringen, was ich brauchte. Ah ja, bitte Gas auffüllen am Stabfeuerzeug. Er brachte gleich ein neues.

Belinda und Renée skandierten unterstützt durch Gesten:

„Solang mein Bauch in die Weste passt, da langen wir nix an.

Meine Frau, meine Frau,

Die Arbeit ist kein Frosch,

Die hupft, die hupft, die hupft dir net davon.“ Und wiederholten dreimal.

Und dann entschwanden sie.

Wir Restcrew entschwanden auch. Zuerst in die Dusche und dann ins Marinarestaurant.

Samstag, 2. September 2017

Heute war mein Ruhetag zwischen zwei Törns.

Auf der DIGNITY war keiner: Paolo brachte eine neue Heckdusche, einen Inbusschlüssel für die Türklinken und als sich der Elektriker die Ankerwinsch beguckt hatte, wurde ein zweiter und ein dritter Mann hinzu gezogen. Und dann brachten diese drei geschlagene drei Stunden damit zu, mir die komplette Ankerwinsch samt Motor auszuwechseln. Das GFK musste dafür weggefräst werden, weil die neue einfach ein bitzele größer war. Ein Lärm und Zittern ging durchs Schiff. Es wurde schier alles auf dem Boot resettet. - kein Ruhetag für mich.

Schiff:  Sun Odyssee 49 DIGNITY

      • Route:  Sukosan – Barotul - Murter – Zirje – Zut – Ugljan Muline - Sukosan
      • Seemeilen:  132, davon 90% gesegelt
      • Motorstunden:  14,2
      • Bordkasse:  100 Euro