Üben, üben, üben
Sechs neue Skipperfrauen

Samstag, 2. September 2017

Heute war mein Ruhetag zwischen zwei Törns.

Auf der DIGNITY war keiner: Paolo brachte eine neue Heckdusche, einen Inbusschlüssel für die Türklinken und als sich der Elektriker die Ankerwinsch beguckt hatte, wurde ein zweiter und ein dritter Mann hinzu gezogen. Und dann brachten diese drei geschlagene drei Stunden damit zu, mir die komplette Ankerwinsch samt Motor auszuwechseln. Das GFK musste dafür weggefräst werden, weil die neue einfach ein bitzele größer war. Ein Lärm und Zittern ging durchs Schiff – kein Ruhetag für mich.

Um zwei standen Ulrike und ihre Tochter Franziska am Steg, herein, herein. Sie suchten sich eine Kabine aus und erklärten sich bereit, gleich zum Einkaufen zu laufen. Das nenne ich Initiative. Ich behielt derweil die Männer am Bug im Auge, die immer noch am Schiff herumfrästen. Linda und Sabine kamen und kurz darauf Bettina und Silke. Als der Einkauf an Bord geschleppt war, überlegten wir. Probeschlag oder nicht, der Himmel drohte schwarz. Wir ließen es. Linda schlug vor, das Schiff erst einmal ganz genau unter die Lupe zu nehmen, welche Leine wofür da war und so weiter.

20170903_182518

Als die Inspektion samt Ankerbedienung, Motorpaneel und Leinenführung beendet war, beeilten wir uns, den Weg ins Restaurant hinter uns zu bringen. Kaum saßen wir, prasselte es vom Himmel, dass es eine Pracht war.

Wie beim Weltuntergang färbte sich der Himmel anschließend lila und orange, wir bekamen unser Essen und weil wir unter einem Dach saßen, machte uns der kleine Weltuntergang nicht so viel aus.

Sonntag, 3. September 2017

Die Wettervorhersage klang nicht berauschend, aber um neun Uhr legten wir trotz schwarzen Himmels ab und setzten beide Lumpen. Am ersten Tag eines Törns wollten die Leute ja Segel sehen. Nach einer Stunde nieselte es schon und über Zadar goss es. Wir ankerten bei Barotul vor dem Örtchen Nevidane, keine Minute zu früh. Oh, lief diese neue Ankerwinsch prächtig. Mädels, so klingt eine gesunde Ankerwinsch!

Unvorsichtigerweise sprach ich von Schinkennudeln. Franzi nahm das sofort ernst und fing an, zu kochen. Wir speisten um elf und mittags war der Regenspuk dann vorbei. Wir starteten wieder los, verbrachten den Nachmittag mit Segelmanövern, Ausweichregeln und Kennenlernen. „Wir haben ja fast Lichtgeschwindigkeit!“ freute sich Sabine. „Heißt das nicht Rumpfgeschwindigkeit?“ fragte Franzi. „Lichtgeschwindigkeit klingt doch viel sexyer als Rumpfgeschwindigkeit!“ meinte erstere.

Um halb vier standen wir an der Nordeinfahrt von Murter. Ja, die Kardinaltonne bleibt links liegen, sonst knallt’s. Wir wollten in der Marina Betina Hafenmanöver üben und zum Schlafen vor Anker gehen. Und weil immer alles anders kommt als geplant, legte Silke die DIGNITY in wunderbarer Langsamkeit an. Die Überei verschoben wir, weil zuerst eine Brotzeit auf den Tisch kam. Wer schon um elf zu Mittag ist, hat eben um vier wieder Hunger.

Eine Bavaria 39 kam heran, wir erkannten uns. Es war Evi, eine Teilnehmerin des Skippertrainings der Vorwoche, die gleich anschließend, eben in dieser Woche mit ihrem Mann einen Törn angehängt hatte. Wir halfen, seemannschaftlich like. Ich werde jetzt nicht jeden Mann durch eine Frau ersetzen, nur weil ich gerade einen Mädelstörn fahre. Seefrauschaftlich klingt auch nicht melodiös.

Dann übten wir wirklich. Zweimal ablegen, zweimal anlegen mit Leinen, Murings und Kommandos wie in der hanseatischen Seefahrtschule. Sie waren richtig gut, die Anleger mit zelebrierter Langsamkeit, Schwierigkeitsstufe eins. Warum? Weil vor dem Steg riesig viel Platz war und kein Windlein blies, gar keins.

Als wir alle vom Beinevertreten wieder an Bord waren, spielten wir Karten. Ulrike sprach das Gutenachtwort: „Danke, dass Du uns heute so gelassen hast. Du hast ein großes Herz. Wow.“ Das hat sie echt gesagt.:)

Montag, 4. September 2017

Zum ersten Mal auf diesem Törn tranken wir Kaffee in der Morgensonne. Am Markt erstanden wir Salat, Olivenöl und frischen Fisch. Damit ihn der Fischhändler meines Vertrauens (war in diesem Sommer schon zwei Mal hier) putzte und ausnahm, mussten wir ein Viertelstündchen warten. Meine Damen tranken Cappucchino, ich schlenderte im Gemeindehafen herum und fand einen Schwimmsteg vor dem Restaurant Fabro, an dem vier Yachten und ein Katamaran lagen. Gute Idee für das nächste Mal.

Sabine legte ab, Ulrike an, Franzi legte ab und Silke an. So richtig mit Leinen und Murings, Kommandos und Kontrolle. Wir waren ja schließlich ein Skippertrainingstörn. Dann wendulierten wir uns nach Norden, um aus der weiten Bucht von Murter hinaus zu kommen. Tagesziel war Sibenik oder Skradin oder etwas dazwischen.

Gott sei Dank hat der Wetterbericht nicht immer recht. Äolus schickte Westwind drei bis vier, wunderbar zu segeln in der Septembersonne. Wir rekapitulierten die Ausweichregeln und ließen alle möglichen Steinhaufen links liegen. Ich hatte Hunger, es war schon eins und schlug vor, dass ich aus den Restnudeln vom Vortag ein Gemüsepfännchen basteln würde. Ich servierte Eiernudeln mit Schafskäse und Tomaten, dazu ein Gemüse mit Kraut, Zucchini, Paprika, Ingwer und Zwiebeln. Rosmarin und Knoblauch nicht zu vergessen.

Als wir fertig geschmatzt hatten, kamen zwei Boote von rechts im Schmetterlingskurs daher. Schon allein deswegen mussten sie näher am Wind und damit ausweichpflichtig sein. Das beeindruckte die grünen Männchen auf dem ersten Boot nicht. Bettina pfiff durch zwei Finger. Das Marsmännchen am Steuer machte Gesten, die ich hier nicht widergebe. Dann deutete er an seinem Heck vorbei. Wir sollten ausweichen. hallo! Bloß weil die um Podestplätze stritten, sollten die Ausweichregeln nicht mehr gelten? Jetzt hätte ich fast etwas Despektierliches über kroatische Sportbootführerscheine geschrieben. Auf fünf Meter kam uns die Yacht nah und bedrängte uns förmlich. Dabei hätte er nur seine Genua übernehmen und eine Q-Wende machen können. nun wurde es mir ungemütlich, zumal dem Skipper alles zuzutrauen war. Wir nahmen das Groß dicht, um jederzeit eine Halse fahren zu können. dann zog er direkt vor unserem Bug durch, zeigte nochmals den Stinkefinger und war weiterhin grün. Ein Mädchen saß während der ganzen Zeit ganz relaxed und nuckelte an ihrer Bierdose. Bettina und Silke hielten das Event fotographisch fest. Letzte Woche hätte uns auch fast ein Penner zusammen gefahren mit seinem Autopilot. Was es nicht alles gibt auf dieser Welt!

Ich tippelte an diesem Bericht. „Elisabeth, kannst Du mal bitte hochkommen. Wir brauchen Deine Sicherheit!“ Ulrike holte mich an Deck. Wir segelten wieder mitten durch ein Regattafeld. Das Rennen war noch nicht begonnen, aber die Schiffleins machten schon einmal Übungen und sausten hin und her. Sabine am Steuer luvte an, fiel ab, je nachdem, wie an den Yachten auszuweichen war. Leider waren wir raumschots unterwegs und meistens ausweichpflichtig.

Der Wind stieg und blies uns mit dem schönsten Schmetterling an den Untiefen vor Sibenik vorbei. Die Segel sahen aus wie Elefantenohren, eines rechts, eines links ausgestellt. „Gell Linda, immer weg von dem Segel, das dich gerade ärgert!“

Vor der Einfahrt nach Sibenik rollten wir das Groß weg und machten die Genua ein bitzele kleiner. So schaukelten wir an den alten U-Boot-Bunkern vorbei und kratzten vor der Stadt die Kurve nach links Richtung Skradin. Vor den Muschelfarmen wendeten wir jeweils und kreuzten mühsam den Fjord Richtung Brücke hinauf. Als jede meiner Damen drei Wenden gefahren hatte, konnten sie alle dieses Manöver perfekt. Wir ankerten im See hinter der Südkardinaltonne. Diese Bucht am Ausgang nach Skradin lag einsam da, wir waren in der Abendidylle allein, auch etwas Seltenes hier in Kroatien. Trotz des kalten Windes musste ich einfach ins Wasser – kurz.

Heute sollte es Salat, Kartoffeln und Fisch geben. Sollte es. Wenn nicht kurz nach Kochbeginn das Gas alle gewesen wäre. „Franzi, kannst du die Gasflaschen wechseln!“ Das Ventil ließ sich schon wieder festschrauben und es ist ja normal, dass es erst einmal pfeift. Das Pfeifen und Gasen hörte aber nicht auf. Ich schraubte wieder ab und dann blies das komplette Gas aus. Normalerweise hätte sich das Kugelventil selbst wieder schließen müssen. „Schmeiß rein!“ rief jemand. Nein, ich hielt die Flasche nur vor mir weg und schaute dem blöden Gas zu, wie es sich verdünnisierte.

Tja, Fisch ade, Kartoffeln ade! Wir tischen alles auf, was der Kühlschrank zu bieten hatte und aßen auch sehr fein. Eieiei.

Dienstag, 5. September 2017

Kafffffeeeee! Das Schlimmste an der gaslosen Zeit war, dass wir ohne Kaffee starten mussten. Anker auf und auf nach Skradin. Wir schauten alle sehr mimmselig aus der Wäsche. Da merkte man doch, wie abhängig man frau von diesem koffeinhaltigen Heißgetränk war.

Silke fuhr einen tollen Anleger an einen freien Platz in der Marina. Gerade, als Sabine mit den Leinen übersteigen wollte, war der Hafenmeister zur Stelle und verscheuchte uns. Gas gäbe es keines hier und der Platz wäre reserviert, alle Plätze wären reserviert, raus hier. Der überaus freundliche Kroate machte eindeutige Bewegungen, raus, raus! Warum bloß fährt man nach Kroatien?

Wir ankerten, enterten das Beiboot, fuhren in zwei Chargen an Land und bestellten Kaffee, ah. Noch einen. Das Leben hatte uns wieder.

Das Boot zum Nationalpark war mittlerweile nicht mehr kostenlos, das Ticket für 20 Euro wurde gleich am Steg abgescannt, nein, die Rückfahrt sei auch nicht gratis. Ich hatte nämlich vorgeschlagen, einen Weg zu laufen und zurück mit dem Boot zu fahren. Früher war das eine gute Möglichkeit gewesen, sich ein bisschen zu bewegen, ja früher! Meine Damen mieteten sich Fahrräder, ich fuhr zurück zum Schiff, erledigte mein Büro und rief bei Masteryachting an wegen des Gases. Man kanns ja mal probieren, obwohl ich wusste, dass es in Sibenik an der Tankstelle Gas gab.

Ja, tatsächlich wollten sie uns eine Ersatzflasche hierher nach Skradin bringen. Ich hätte gestern Abend schon anrufen sollen.

Wir bekamen gleich zwei Gasflaschen und ein Ersatzventil, hoioioi. Und das noch persönlich nach Skradin gebracht, wir waren begeistert und kochten gleich einmal unsere Kartoffeln, während die Steuerfrauen die DIGNITY durch den Fjord hinaus steuerten. Wir übten ein bisschen Manöver, die richtigen Kommandos zur rechten Zeit zu geben, Beidrehen und zwirbelten uns dergestalt unterhalten Richtung Süden. Eine große Bucht namens Misine, fünf Meilen vor Sibenik war unser Abendziel. Der erste Ankerversuch endete für meinen Geschmack ein bisschen zu nah am Geröll am Ufer, aber dann fühlten wir uns auf acht Metern richtig gut und fingen an, die Fische zu braten.

Nach dem köstlichen Mahle deckte ich auf: mein selbst erfundenes und gebasteltes Segelspiel. Es geht darum, Seemeilen zu sammeln durch die Beantwortung von Seemannsfragen. Seefrausfragen. Ein Stündchen würfelten wir und zogen die Hütchen auf dem Spielbrett herum, sehr lustig.

Meine Damen waren trotz der Fahrräder im Nationalpark. „Wo wir schon einmal hier sind!“ Zwei Fotos als Eindrücke.

Mittwoch, 6. September 2017

„Elisabeth!“ weckte mich Ulrike, die gerade dem Bade entstiegen war. „Es kommt immer so ein Schwall Gas, besonders an der Badeleiter.“ Ich schälte mich aus meinem Seidenschlafsack und roch. Stimmt. Tja, die orangene Gasflasche war einfach nicht dicht zu verschrauben. Ich wollte die Flaschen wechseln, aber beim Herausdrehen des Druckminderers zischte es immer weiter. Fast so schlimm wie am Montag Abend. Ich drehte alles wieder fest. In der Morgensonne sah man förmlich die Gasschlieren austreten. Es gab zwei Möglichkeiten: die Flasche komplett ausgasen zu lassen und die andere zu benutzen oder den Rest noch zum Kochen zu benutzen und die Undichtigkeit in Kauf zu nehmen. Raucher hatten wir ja nicht an Bord.

Drei große, gelbe Quallen waren hier zuhause und umkreisten neugierig unser Schiff. Als sie genug gesehen und Ulrike sie genug fotografiert hatte, verließen sie uns und wir konnten baden gehen. Meine Haare wollten schon seit gestern gewaschen werden. Die Fotos wurden klasse: Qualle Nummer eins sah aus wie ein Spiegelei mit Fransen aus Chiasamen. Wie im morgendlichen Müsli einer meiner Damen.

Den Vormittag verbrachten wir mit MOB-Manövern, Manöverkritik und viel Sonne. Mittags gab es dann Kartoffelsalatreste, Nutellabrote, Obstsalat und Oliven, der Wind ließ zu wünschen übrig, aber wir kreuzten trotzdem sportlich zwischen den Inselchen vor Kaprije.

Sabine steckte den Kopf den Niedergang hinauf: „Seid ihr alle glücklich oder braucht jemand Schokolade, Bier, Wein, Schnaps?“ Das waren halt Weiber, die auf alle anderen schauten! Wir sprachen das Mann-über-Bord Manöver durch. Damit der weiße Fender leichter zu greifen war, banden wir noch zwei Leinen fest, die eine Schlinge bildeten. Ich fuhr einmal die Chose mit Q-Wende als Beispiel vor und dann versuchten meine Damen sich am Bojenwiederreinholen. „Wenn man daneben steht, ist alles viel klarer als wenn man am Steuer steht!“ Die Kommandos brauchten eine Weile, aber nach dem dritten Versuch waren alle ganz fit. Beim Aufschießer schob das 12 Tonnen-Schiff ganz ordentlich, man musste die Entfernung schon gut schätzen.

Sabine wollte die Kornaten sehen. Unbedingt, wo sie schon einmal da war. Und weil Ulrike ein Restaurant in Smokvica kannte mit einem Anleger, riefen wir dort an. Smokvica ist die südlichste der Kornateninseln und sie wusste auch, dass kein Eintrittsbillet für den Nationalpark nötig war, wenn man direkt vor dem Restaurant Piccolo einen Platz bekam. Ulrike reservierte also telefonisch und kündigte uns für sechs Uhr an. Am anderen Ende meldete sich eine Frau: „Molim?“ Ulrike antwortete: „Guten Morgen!“ und wunderte sich, dass die Frau nachmittags um drei „Morgen“ wünschte. Ich prustete. Molim heißt auf kroatisch Bitte.

Beim Anflug auf den Steg, rückwärts, kam Ulrike vom Bug zurück und sagte ganz leise: „Habt ihr das gesehen?“ Ratlose Mienen. „Mein Handy ist gerade ins Wasser gefallen.“ Es war ihr aus der Hosentasche gerutscht, als sie einen Fender zurecht rücken wollte, sie wusste genau, wo. Auf zwölf Meter Wassertiefe.

Unser Platz schien sehr schmal. Zwischen zwei Yachten winkte unsere Lücke. „Elisabeth, des machst jetz besser du.“ meinte Sabine und ich meinte das auch. Very langsam schoben wir uns an den Platz, schoben dabei die Nachbarn zur Seite und hingen dann mit einer Relingstütze an einem Anker. Ja, die 12 Tonnen schoben halt, so langsam konnte ich gar nicht fahren. Zum Glück schaute ich rechtzeitig hin und verpasste der DIGNITY einen leichten Vorwärtsschub, dazu ein Schubs mit dem Bugstrahlruder. Dann waren die Nachbarschiffe so freundlich gewesen, sich auf die Seite drücken zu lassen und vom Steg her kam wie von Geisterhand ein riesenlanges Holzbrett an. unseres hätte nicht gereicht, der Grund stieg rapide an und hätte unser Ruderblatt ganz schön malträtiert. So stand es ja auch im Hafenhandbuch. „Chapeau!“ kam vom Nachbarschiff. Und: „Geheimtip im Restaurant ist der Pfeffertopf! Es gibt ihn auch als Gorgonzolatopf!“

Eine geschlagene Stunde suchten drei Mädels mit Taucherbrille, Flossen und viel Durchhaltevermögen die Stelle ab, vergebens. Die Bilder dieses Törns hatte ich mir nachmittags auf den Laptop gezogen, aber der ganze Rest des Jahres lag nun im Seegrab.

So eine schöne Bucht! Ulrike, die schon einmal hier gewesen war, beschrieb die kleine Wanderung. „Du gehst hier hinauf, kannst oben über alle Inseln schauen, läufst weiter und kommst links den Weg wieder herunter.“ Das gefiel mir und nach unserem Anlegerschluck und zweistimmigem Absingen der Bordhymne (siehe frühere Berichte mit abgedrucktem Notenmaterial) lief ich los. Meine Klapperl als Schuhwerk reichten gut bis oben. Ich schaute mich um, fotografierte und suchte dann den Weiterweg. Die kantigen Steine lagen anfangs noch in Schrittweite, aber dann brauchte ich pfadfinderische Qualitäten und musste mehrmals drei Schritte zurück und eine andere Richtung einschlagen. In die Stacheln zwischen den Steinen wollte ich lieber nicht treten. Nach einer Stunde kam ich heil und ohne einen Kratzer an den Füßen wieder unten an und hatte mich endlich wenigstens ein bisschen bewegt. Smokvica!

Um sieben nahmen wir im Restaurant Piccolo Platz. Der Tisch war gedeckt mit Stoffservietten, zweierlei Gläsern und einem Dekogesteck in der Mitte. Wir bestellten Wein und Vorspeisen, der Keller zeigte Fische. Sabine teilte sich mit mir den Gorgonzolatopf. Dann kam der Salat. Warum bloß muss der Essig hier in Kroatien in jeder Wirtschaft nach Spiritus riechen und schmecken? Grausig. Marinierte Sardinen, sechs Stück in viel Öl und Kapern, 70 Kuna. Das Filet war rosig und schwamm in einer Riesenmenge Käsesoße in einem Tontopf. Sehr gut und die Soße machte sich auch auf den Backkartoffeln gut. Backkartoffeln, ein kleiner Teller, 45 Kuna. Bis auf den Salat hat alles gut gemundet. Als die Rechnung kam, blieb mir allerdings der Mund offen. 2200 Kuna, das sind über 300 Euro.

Mit den Leuten vom Nachbarschiff, das Chapeau-Schiff hatten wir dann noch die höchste Gaudi. Die Frau des Skippers raunte uns zu: „Mein Mann, das Ekel, refft doch nie.“

Donnerstag, 7. September 2017

Für heute war gemischtes Wetter angesagt, mit Gewitter oder nicht, mit Regen oder nicht, mit Sonne oder nicht. „Es kommt kein Gas!“ beschwerte sich Linda. „Ich mag das aber jetzt nicht wechseln!“. Da musste ich wohl aufstehen. Franzi hatte schon den Gaskasten geöffnet und hantierte mit einer Zange herum. Für die zweite Flasche war doch der neue Druckminderer gedacht. „Ja, der Techniker hat extra gesagt, wir müssen den nehmen!“ Bloß hatte der neue Druckminderer keinen Schraubanschluss für die Gasflasche. Nur einen Stutzen, der verpresst werden musste. „Das können die doch nicht machen!“ Linda schüttelte den Kopf. „Ich finde, das ist ganz normal.“ meinte ich. „Wir müssen halt was erfinden.“ „Wieviele Kaffee soll ich holen?“ bot sich Silke an. Ohne das Zwischenstück schraubten wir das alte Teil auf die neue Flasche, ging auch. Da war also von Dienstag Nachmittag bis heute das ganze schöne Butan aus der Flasche entwischt, schön langsam. Kaffee kochen!

Den Wind im Rücken segelten wir in den bedeckten Vormittag, um Smokvica nördlich herum und Richtung Pasman. „Meinst Du, es könnte sich jemand kurz die Haare waschen?“ fragte Ulrike und meinte ihre Tochter damit. Wir liefen immer noch auf den ersten Wassertank und es war schon Donnerstag. „Ja, machma!“

Franzi entstieg mit lächelndem Gesicht dem Spa, dem Damen-Spa, mit frisch gewaschenen Haaren. „Es müsste einen Waschlappen für Haare geben!“ Wir erfanden einen Spülschwammkamm mit Dosierspender und ließen die Erfindung sofort patentieren.

„Ich muss hoch, dieses Geschaukel!“ Mittags ließ sich die Sonne blicken und ein kleines Hüngerlein machte sich breit. Wir verarbeiteten den Krautkopf. „Das ist auch gut gegen Skorbut an Bord!“ freute sich Sabine, während Silke das Kraut in feine Scheiben schnitt und Bettina fleißig die 12-Uhr-Zeile ins Logbuch eintrug. Im Ofen buk mein Sauerteigbrot. Den Sauerteig dafür hatte ich vor drei Tagen angesetzt. Ja, die Krume war sehr schön, nur die Bräune ließ zu wünschen übrig. Egal, es schmeckte.

Die DIGNITY schwurbelte sich gen Norden und nach einem ganzen Tag Vorwindkurs fanden wir uns schon um fünf in der Uvala Muline im Norden Ugljans wieder. wir ankerten auf viereinhalb Metern, ganze Kette raus. Warum? In der Nacht waren Gewitter angesagt.

Beim Essen, ein Wawemu-Essen, erzählte Ulrike eine Geschichte. Ihr kleiner Sohn schmatzte derartig laut und unanständig die kleinen Brotschnittchen, dass sie immerzu „Mund zu“ zu ihm sagte. Er nahm sich noch ein kleines Schnittchen und sie sagte: „Mund zu.“ Jedes Mal, wenn er sich noch ein Schnittchen nahm, sagte sie: „Mund zu“ und war irgendwann ganz fuchtig, dass er nichts verstand und immer noch schmatzte. Dann langte das Kind wieder zum Teller und sagte: „Noch ein Mundzu?“

Freitag, 8. September 2017

Das Gewitter um vier Uhr früh hatte die Donner wirklich senkrecht auf uns herab geschickt. Es krachte und blitzte, knallte und wetterte. Ich schaute kurz hinauf, ging pippilieren und schmurgelte mich wieder in mein Bettlein hinein.

Um acht klingelte dann irgend jemands Wecker. Jetzt hätte ich schlafen können. oh Wunder, die Sonne erhellte unsere Uvala Muline, alle Yachten lagen friedlich da und Sabine entstieg schon dem Bade.

Was brachte denn da unser Wunderanker mit hoch? Ein ganz gemeines Angelhakenensemble mit spitzen Krallen, drei in einer Reihe baumelten an einer Nylonschnur. Das kommt in mein Museum.

Den Vormittag verbrachten wir großteils motorend, no wind at all. Dann tankten wir in Preko voll (28 Liter bei geschätzten 40, sparsam sparsam) und ankerten vor dem Inselchen davor. Alle sieben Weiber hechteten um die Wette und sprangen wahlweise Spiralen, Palsteke oder Landinsicht Sprünge. Wir hatten sehr lustig.

Die Fahrt nach Sukosan zurück verschlief ich und als der Motor anging, gab es ein paar Anleger in der Marina. Jeder, der wollte, durfte anlegen am Steg und die Boys von MasterYachting nahmen immer brav die Leinen an. Paolo zeigte beim ersten Versuch auf unseren späteren Liegeplatz, verstand aber schnell, dass wir nun auf Schule machten.

Franzi legte sauber an, Sabine wollte es hinter sich bringen  und machte es sehr gut, Silke noch einmal wunderbar. Meine Mädels machten sich wirklich gut.

Der Check-out, Kaution im Büro holen. Und was vergaß ich? Mir die  50 Euro vom ersten Tanken zurück zu holen. Mal sehen, ob ich sie im Nachhinein noch bekomme.

Ein Taxi holte mich, Busstation Zadar, Flixbus. Oh oh. Einen Tod muss man sterben.

 

      • Schiff:  Sun Odyssee 49 DIGNITY
      • Route:  Sukosan – Murter – Skradin – Uvala Misine – Smokvica – Uvala Muline Ugljan - Sukosan
      • Seemeilen:  159, davon 95% gesegelt
      • Motorstunden:  14
      • Bordkasse:  120 Euro