Werdegang
Hofdame_mit_Sekt

Hier ein kurzer musikalischer Lebenslauf, wen´s interessiert:

Von 1981 bis 1984 studierte ich an der Musikhochschule München Opernchorgesang. Unterricht im Hauptfach erhielt ich von der Kammersängerin Brigitte Fassbaender. Ob man Chorgesang oder Sologesang studiert, ist für den Unterricht ziemlich egal. Die Hauptsache ist, wer versucht, einem das Singen beizubringen. Doch, einen Unterschied gibt es noch: statt 8 Semester wie im Solo hat man nur 6 halbe Jahre Zeit, sich auf den harten Beruf des Opernchorsängers vorzubereiten. Sie werden denken, wozu muß der Chorist, der sein Leben lang "nur" die Altpartie (in meinem Fall) von "Schenkt man sich Rosen in Tirol" aus dem Vogelhändler oder die laufenden g´s am Meter aller Mozartopern trällert, seine Stimme glockenhell mit obertonreichem Glanz und angenehmem Timbre tunen? Im Gegenteil: der "eigene Stimmklang" und eine wirklich gut sitzende Stimme mit automatisch mitgelieferten Phonzahlen ist im Chor grade nicht gewünscht, er mischt sich so schlecht. Nur dass der Chorsänger keine Auszeiten kriegt in der Beanspruchung seines Materials, wie es so schön heisst. Von Mitte September bis Ende Juli in höchste Höhen jubeln schon morgens um 10, staccato und federnd singen, in der Vorstellung wie in den Proben aussingen, mit spielerischer Leichtigkeit über die Bühne sausen, Walzer und CanCan tanzen und dabei noch vor Ende des Chorsatzes und dem Applaus, der meistens den Solisten gilt, Fermaten aushalten.

Meiner allerersten Gesangslehrerin, Hanna Fahlbusch-Wald, habe ich meine sängerische Grundlage zu verdanken. Ohne Stimmknötchen, ständiges Räuspern und Heiserkeit und was es sonst noch an Verrenkungen bei Sängern gibt, glaube ich, eine ganz gesunde zu haben. Sie riet mir, erst einmal das Theater auszuprobieren. Ich sang für den Extrachor im Gärtnerplatz vor. Der Extrachor, das sind Sänger, die gebraucht werden, wenn in einem Stück ein grösserer Chor verlangt ist. Diese Leute sind teils noch Studenten, Sänger, die ihren Beruf als Beruf aufgaben so wie ich oder Dilettanten im besten Sinn.

Hanna Fahlbusch-Wald! Nach einem kurzen Jahr Unterricht (Sie bekam gerade ihr erstes Kind und hatte deshalb für mich als ersten Schüler Zeit) meldete ich mich für die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule an. Bei 100 Bewerbungen und 20 Plätzen ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. "Unglücksel´ge, kleine Nadel" aus Mozarts Figaro wollte ich vorsingen. Mein Gott! Hätte ich eine Vorstellung davon gehabt, wie mein Leben durch ein Auf oder Ab der Jury nachhaltig beeinflußt wurde, ich wäre noch aufgeregter gewesen. Wenn es ein noch geben hätte können.

Kurz vor dem Abschlußprüfungen wurde ich dann am Staatstheater am Gärtnerplatz in München engagiert. Der Himmel hing voller Geigen. Schneller, als mir lieb war, quietschten diese Geigen. Will sagen, daß mir der Dienst zweimal am Tag bald ziemlich auf den Nerv ging. Chorsaal, Probebühne, Bühne, Anprobe, Chorsaal, ..... . Wollte ich in einem Konzertchor Alt-Verstärkung singen oder ein Kirchenkonzert abends annehmen, was sowieso selten genug vorkam, hieß es "Ihr Dienst ist hier!"

Jeder, der irgendwann mit dem Singen anfängt, möchte wirklich singen. Das heißt, im Trott zwischen morgens drei Stunden Bühnenprobe für ein neues Stück oder eine Wiederaufnahme und abends der Vorstellung an sechs Abenden in der Woche wenigstens einmal im Jahr (ich bin schon klein geworden) ein Konzert haben. Natürlich gibt es den chorfreien Tag, an dem man ja nur bis nachmittags um 14 Uhr erreichbar sein soll, falls eine Vorstellungsängerung angesagt wäre.